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Zollamt Studios Offenbach : Auch Kreative wollen planen können

Raum für Kreative: Im alten Zollgebäude an der Frankfurter Straße finden sich gut 50 Ateliers und Agenturräume. Bild: Wonge Bergmann

Aus den Zollamt Studios in Offenbach ist manche erfolgreiche Agentur hervorgegangen. Die aktuellen Mieter sind verunsichert. Das liegt nicht nur an Corona.

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          Kein Tag der offenen Tür, kaum Veranstaltungen und Ausstellungen: Auch die Stadt Offenbach balanciert coronabedingt am Rand eines Ausnahmezustands entlang, den die Verantwortlichen in Politik und Veraltung mit aller Kraft zu vermeiden versuchen. Auch die Mieter der rund 50 Ateliers der Offenbacher Zollamt Studios trifft die Pandemie, die einen mehr, die anderen weniger, wie Konzeptkünstler Lukas Sünder sagt, der eines der Ateliers nutzt.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Zu der durch die Pandemie ohnehin zugespitzten Lage kommt noch eine wachsende Unsicherheit über die Zukunft der Zollamt Studios, die bis zum Frühjahr 2022 von der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung zu moderaten Bedingungen an die Kreativen quasi untervermietet werden. Denn die Studios gehören nicht etwa der Stadt, sondern nach wie vor dem Bund. Die Stadt hat sich über die Zukunft der Studios mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ins Benehmen gesetzt. Und das ist nach Angaben der in dieser Sache auf städtischer Seite federführenden GBO auch schon geschehen, wie eine Sprecherin auf Nachfrage sagte. Bislang allerdings ohne Ergebnis. Ursprünglich war der im Jahr 2014 zwischen der GBO und dem Bund geschlossene Vertrag auf fünf Jahre befristet. 2018 wurde er noch einmal bis 2022 verlängert.

          Der ursprünglich auf fünf Jahre befristete Vertrag wurde bis 2022 verlängert.
          Der ursprünglich auf fünf Jahre befristete Vertrag wurde bis 2022 verlängert. : Bild: Wonge Bergmann

          Was danach kommt, ist allerdings nach wie vor offen, wie Sünder sagt, der sich mit anderen Atelier-Mietern zusammengefunden hat, um auch auf ihre heikle Lage aufmerksam zu machen. „Wir sind zwar nicht akut bedroht, aber vergleichbare Räume sind auch in Offenbach kaum noch zu finden“, sagt er. Und wenn, dann seien sie auch hier längst zu teuer. Insofern seien auch knapp anderthalb Jahre keine lange Zeit, wenn man plötzlich gezwungen wäre, ein neues Atelier zu suchen. Zuletzt lag die Miete je Quadratmeter bei rund sechs Euro in den Studios.

          Zukunft der Studios unsicher

          Spricht man mit ehemaligen Mietern, hört man, dass sie das Zollamt gerade auch aus dieser Unsicherheit heraus verlassen haben. Eine Kreativ-Agentur brauche – wie alle anderen Firmen auch – eine gewisse Planungssicherheit. Die aber sei auf längere Sicht in den Studios eben nicht gegeben, sagt einer der ehemaligen Mieter, der nicht genannt werden will. In der Folge hätten etliche Kreative, Designer und Agenturen die Studios verlassen. Auch der Kreativ-Unternehmer, der mit seiner Agentur in den Studios erfolgreich gewachsen ist, hat inzwischen neue Agentur-Räume in Offenbach bezogen.

          Die Abwanderung habe wiederum dazu geführt, dass sich die ursprünglich angestrebte Mischung aus Künstlern, Designern und Agenturen immer weiter in Richtung Künstler verschoben habe. Diesen fehle häufiger als anderen schlicht das Geld, um sich eine sicherere Perspektive zu suchen.

          Verstärkt wird der Eindruck einer unklaren Zukunft der Studios nach Ansicht aktueller und ehemaliger Mieter auch dadurch, dass in den Zollamt Studios über Jahre lediglich so viel investiert worden sei, dass sie gerade eben nutzbar blieben. „Man hat schon den Eindruck, dass das Zollamt irgendwie in Vergessenheit geraten ist“, sagt Konzeptkünstler Sünder. Deshalb und um die Corona-Isolation wenigstens digital zu überwinden, haben die Mieter eine Instagram-Seite eingerichtet, die in den nächsten Wochen mit Inhalt gefüllt werden und für die Arbeiten der Leute aus den Zollamt Studios werben soll.

          In der Offenbacher Wirtschaftsförderung sieht man derweil keinen Grund zur Sorge. Es gebe auch keinerlei Signale vom Bund, dass das Gelände möglicherweise lieber an einen solventen Investor veräußert werden solle. Es habe schon bei der ersten Verlängerung des Mietverhältnisses eine längere, intensive Prüfung gegeben. Am Ende seien sich die GBO und der Bund aber dann doch einig geworden, berichtet Jürgen Amberger, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung.

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