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Zug-Chaos : RMV will Entschädigung von Bahn

Stellwerk am Mainzer Hauptbahnhof: RMV will von der Deutsche Bahn wegen vieler Zugausfälle Entschädigung. Bild: dpa

Die Probleme im Mainzer Stellwerk betreffen 15000 Kunden. Die RMV-Geschäftsführung erwartet, dass die Deutsche Bahn Kunden „schnell und großzügig“ entschädigt.

          Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) will die Deutsche Bahn wegen der Zugausfälle am Mainzer Hauptbahnhof in Regress nehmen. Der Sprecher der Geschäftsführung, Knut Ringat, wiederholte gestern in Frankfurt seine Ankündigung. Seinen Angaben zufolge sind 15000 Fahrgäste des RMV von den Schwierigkeiten betroffen, vor allem, weil die S-Bahn-Linie 8 nur noch stündlich statt wie üblich im Halbstundentakt fährt. Bisher hätten jedoch erst 20 Kunden beim RMV um die Rückerstattung des Fahrgelds gebeten. Ringat will diese Forderungen an die DB-Netz AG weiterleiten. Er erwarte, dass die Bahn die Kunden „schnell, flexibel und großzügig“ entschädige.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Außerdem entgehen der Deutschen Bahn laut Ringat Gebühren, die üblicherweise für die Nutzung von Trassen und Stationen anfallen. „Alles, was im RMV nicht gefahren wird, wird nicht bezahlt“, sagte er. Die Bahn schaffe sich selbst „ein massives Problem“. Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der seit Juni dem Aufsichtsrat des Verbundes vorsitzt, kritisierte die fehlerhafte Personalplanung am Stellwerk im Mainzer Hauptbahnhof. „Mir fehlt jedes Verständnis für die Bahn“, sagte er.

          RMV ist „Ideenmaschine“

          Der Aufsichtsrat hat gestern der Ernennung des SPD-Politikers André Kavai zum neuen zweiten Geschäftsführer des RMV zugestimmt. Kavai folgt im April auf Klaus-Peter Güttler, der in Ruhestand geht. Der 36 Jahre alte Kavai ist bisher Erster Beigeordneter im Main-Kinzig-Kreis, eine Nachfolgeregelung für ihn gibt es dort noch nicht. Im Kreishaus in Gelnhausen war er unter anderem für Verkehrsfragen zuständig. Mobilität und Infrastruktur bezeichnete er gestern als „meine Leib- und Magenthemen“. Als zentrale Aufgabe für den RMV betrachtet Kavai den Ausbau der Infrastruktur. „Es ist von erheblicher Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit des Bundeslands, wie wir den Ausbau vorantreiben“, sagte er.

          Feldmann kündigte an, sich als Aufsichtsratsvorsitzender „mit Wucht“ in den RMV einbringen zu wollen. Er wolle dessen Angebot vor allem für Kinder und Familien verbessern und mit der geplanten Tarifreform für neue Kunden attraktiver machen. Bei der Gestaltung der Fahrpreise sei mehr Kreativität gefragt. Der Verbund sei keine „Tariferhöhungs-“, sondern eine „Ideenmaschine“, sagte Feldmann. Auch Preissenkungen müssten nicht unbedingt zu Verlusten führen. Dass die Preise weiter erhöht werden könnten, schloss Feldmann aber auch nicht aus. „Die Ticketpreise werden nicht für die nächsten 20Jahre eingefroren“, sagte er.

          Auch an Patchwork-Familien gedacht

          Die neue Tarifstruktur soll von Ende 2014 an gelten und sich stärker an der Länge der Fahrstrecke als an Kreisgrenzen orientieren. Als Beispiel nannte Feldmann die Verbindung von Frankfurt-Oberrad nach Offenbach. Trotz der kurzen Entfernung ist die Fahrt verhältnismäßig teuer, weil sie in ein anderes Tarifgebiet führt. Durch die Einführung feinerer Preisstufen werde der Tarif künftig gerechter. Denkbar sei auch eine Einteilung des Frankfurter Stadtgebiets in kleinere Einheiten.

          Der Frankfurter Oberbürgermeister stellte gestern eine Reihe von Änderungen vor. Zum Fahrplanwechsel im Dezember soll die Mitfahrregelung für Kinder geändert werden. An den Wochenenden und nach 19 Uhr können Erwachsene mit einer Monats- oder Jahreskarte nicht länger nur eigene, sondern auch beliebig viele fremde Kinder bis 14 Jahre mitnehmen. Im Zeitalter von Patchwork-Familien sei eine Unterscheidung zwischen eigenen und fremden Kindern nicht mehr sinnvoll, sagte Feldmann.

          Auch für das Jobticket will Feldmann die bei Zeitkarten übliche Mitnahmeregelung einführen. Die Gültigkeit der „Clever Card“, einer ermäßigten Jahreskarte für Schüler und Auszubildende, will der Frankfurter Oberbürgermeister an den Wochenenden auf das gesamte Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbunds ausweiten.

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