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Zu viele Corona-Neuinfektionen : Frankfurt erreicht dritte Eskalationsstufe

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Nicht ohne Maske: Der Mund-Nasen-Schutz spielt eine zentrale Rolle bei der Eindämmung der Pandemie – angesichts steigender Infektionszahlen mehr denn je. Bild: AP

Der Ausbruch in einem Postverteilzentrum in Obertshausen hat auch Auswirkungen auf Frankfurt: Die Inzidenz der Stadt liegt über der dritten Eskalationsstufe. Auch eine andere Stadt stellt sich auf steigende Fälle ein.

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          Wegen der gestiegenen Zahl an Corona-Neuinfektionen wird die Stadt Frankfurt im Laufe des Montags die Regeln zum Schutz vor Neuansteckungen verschärfen. Was genau zu erwarten ist, konnte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) im Gespräch mit F.AZ. noch nicht sagen. Das Vorgehen solle erst am Montagmorgen im Gesundheitsamt festgelegt werden, sagte er. Gedacht sei vor allem an schärfere Kontrollen an Orten, an denen es zurzeit ein reges Infektionsgeschehen gebe. Neuinfektionen seien zuletzt an Arbeitsstätten und bei Transporten von Arbeitern in Kleinbussen, in Lokalen und beim Training in kleineren Vereinen aufgetreten.

          Vor allem unter Eintracht-Fans war am Freitag die Aufregung groß gewesen, als in Frankfurt die Zahl der Corona-Neuinfektionen in die Höhe schnellte. Schließlich stand die Zuschauerbeteiligung im Waldstadion am Samstag auf dem Spiel. Hatte die sogenannte Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, am Donnerstag in der Mainmetropole noch bei 25,3 gelegen, stieg sie am Freitag auf 41,4. Damit trat für die Stadt die dritte Warnstufe des Präventions- und Eskalationskonzeptes des Landes Hessen in Kraft, die stärkere Einschränkungen für die Bevölkerung mit sich bringt.

          Da der Ausbruch jedoch „zu einem erheblichen Teil auf ein konkretes lokales Ereignis eingegrenzt werden“ konnte, so Majer am Freitag, entschied das Gesundheitsamt, das Heimspiel der Frankfurter Eintracht gegen die TSG Hoffenheim mit der geplanten Zuschauerzahl stattfinden zu lassen. „Wir sehen keine Überschneidungen zwischen dem lokalen Infektionsgeschehen und den Gästen des Eintracht-Frankfurt-Spiels. Daher ist eine Reduktion der Zuschauerzahlen infektiologisch nicht notwendig“, sagte der stellvertretende Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, Antoni Walczok.

          Kritische Werte in Stadt und Landkreis Offenbach

          Ausgehend von einem Ausbruch in einem Postverteilzentrum in Obertshausen hatten sich viele Bewohner einer Gemeinschaftsunterkunft in Frankfurt infiziert. In der Unterkunft leben nach Angaben der Stadt Geflüchtete, Osteuropäer und Wohnsitzlose. Weil dort offenbar Abstandsregeln und Maskenpflicht nicht beachtet worden seien, hätten sich bis Sonntag 116 Kontaktpersonen, Bewohner und Mitarbeiter infiziert, berichtete Majer. Die positiv getesteten Personen sowie Familienangehörige seien in anderen Unterkünften isoliert worden. Weitere Kontaktpersonen stünden unter Quarantäne. Mehr als die Hälfte der Infizierten seien asymptomatisch, zwei Infizierte mit stärkeren Beschwerden würden von Ärzten des Gesundheitsamtes regelmäßig besucht. Ein Patient mit einer schweren Grunderkrankung werde in der Uniklinik behandelt.

          Am Sonntag war in Frankfurt mit 293 Neuinfektionen binnen sieben Tagen die Inzidenz auf 38,3 je 100.000 Einwohner gesunken. Doch das Gesundheitsamt erwartete wegen Meldeverzögerungen am Wochenende beim Robert-Koch-Institut für Montag wieder einen Wert über 40. Für ganz Hessen waren am Sonntag vom Hessischen Sozialministerium 172 Neuinfektionen gemeldet worden. Die Gesamtzahl der in Hessen seit Ausbruch der Pandemie registrierten Fälle stieg demnach auf 19.788. Die Zahl der Todesopfer blieb unverändert bei 552.

          Kritische Werte wurden demnach im Kreis Groß-Gerau mit 33,3, der Stadt Offenbach mit 30,6 und dem Landkreis Offenbach mit 27,8 registriert. Nur die Stadt Frankfurt lag allerdings über der dritten Eskalationsstufe, die bei einer Inzidenz von 35 beginnt. Das Konzept der hessischen Landesregierung sieht beim Überschreiten der ersten Warnstufe mit einem Wert von 20 bei der Sieben-Tage-Inzidenz erhöhte Aufmerksamkeit, ein erweitertes Meldewesen und „bedarfsgerecht angepasste Maßnahmen“ vor. Wird der Wert von 35 überschritten, sind „erweiterte Maßnahmen“ nötig und eine Einbindung des Planungsstabs im Ministerium. Bei einem klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen, zum Beispiel in einer Einrichtung, kann das Beschränkungskonzept dem Sozialministerium zufolge auch nur die betroffene Einrichtung umfassen, wie dies in Frankfurt zunächst geschehen ist. Steigt der Wert über 50, werden die Vorgaben für die Bevölkerung verschärft, sind beispielsweise bei Feiern in öffentlichen und gemieteten Räumen nur noch 25 Teilnehmer zugelassen.

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