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Hessen bei Impfungen weit vorn : Elf Mal so viele beatmete Corona-Kranke wie vor drei Monaten

In Hessen gibt es 2025 neue Corona-Infektionen. (Symbolbild) Bild: dpa

In Hessen gibt es 2084 neue positive Corona-Tests und 67 weitere Todesfälle. Die Kliniken behandeln gut elf Mal so viele Covid-Kranke intensiv wie noch Anfang Oktober. In manchen Kreisen droht ein eingeschränkter Bewegungsradius.

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          Nach dem Meldeverzug nach den Weihnachtsfeiertagen und weniger Tests zwischen den Jahren verzeichnet das Robert-Koch-Institut (RKI) auch in Hessen wieder mehr positive Corona-Tests. Gleichzeitig betreuen hessische Kliniken mehr Covid-19-Kranke auf Intensivstationen. Dagegen liegen derzeit insgesamt weniger mit dem Coronavirus infizierte Patienten in den Krankenhäusern als vor einer Woche. Das geht aus Zahlen hervor, die das Sozialministerium der F.A.Z. zur Verfügung gestellt hat. Bei den laufenden Impfungen bleibt Hessen gemessen an der Pro-Kopf-Quote an der Spitze der westlichen Flächenländer.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die seit Mittwoch gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Hessen ist um 2084 gestiegen, wie aus Daten des Berliner Robert Koch-Instituts von Donnerstag  hervorgeht. Zudem sind demnach 67 weitere Todesfälle in Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen. Vor einer Woche hatten das RKI und das Land 3102 neue Fälle und 134 Todesfälle über Nacht verzeichnet; letzteres ist bisher der Höchststand. „Nach wie vor ist eine hohe Anzahl an Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als sehr hoch ein“, hebt das für die Seuchenbekämpfung federführende Institut hervor.

          Laut Sozialministerium betreuen die Krankenhäuser in Hessen derzeit 2618 Covid-Kranke nach 2783 vor Wochenfrist. Gleichwohl liegen nunmehr 572 Patienten mit Coronavirus auf Intensivstationen, 41 mehr als vor sieben Tagen und so viele wie noch nie. Die anteilig meisten von ihnen betreut das Uni-Klinikum in Gießen, dort sind es knapp 50. Die Leiterin der Infektiologie am Standort, Susanne Herold, befürchtet weiter steigende Patientenzahlen auch auf den Intensivstationen infolge der Pandemie, wie sie im F.A.Z.-Interview sagte.

          Gut 44.000 Menschen in Hessen geimpft

          Die Impftrupps kommen in Hessen weiter gut voran, wie sich aus RKI-Daten ergibt. Demnach haben sie bisher 44.122 Personen eine vorbeugende Spritze gegen Covid-19 gegeben. Das ist ein Plus von 2824 zum Mittwoch. Im Ländervergleich rangiert das zentral gelegene Bundesland weiter an der Spitze. Unter den westlichen Flächenländern kommt kein anderes auf einen höheren Wert. Sieben von 1000 Hessen sind geimpft, kaum dahinter liegt Schleswig-Holstein mit 6,9. Deutscher Impfmeister ist bisher Mecklenburg-Vorpommern mit 13,5 vor Sachsen-Anhalt mit acht. Rheinland-Pfalz kommt auf 3,9 und Thüringen auf 2,5. Der Durchschnitt über alle Länder hinweg beträgt glatt fünf. Wie die Hessenschau berichtete, können von diesem Donnerstag an sechs statt der bisher fünf Imfpdosen aus einer Ampulle des Herstellers Biontech/Pfizer gezogen werden. Das habe das hessische Innenministerium den Landkreisen und kreisfreien Städten mitgeteilt.

          Alles in allem wurden seit Beginn der Pandemie insgesamt 145.009 Fälle in Hessen registriert. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle stieg auf 3278. Bis Anfang Oktober waren nur gut 19.000 Fälle und 551 Tote in Zusammenhang mit dem Coronavirus bekannt. Dieser Vergleich zeigt die Dynamik der Pandemie seit dem Herbst. Die Inzidenz, also die Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner, lag landesweit bei 126,3.

          Mehrere Kreise liegen über einem Wert von 200: Gießen (294,4), Limburg-Weilburg (216,4), der Vogelsbergkreis (206,4) und Fulda (200,3). Von diesem Wert an gilt von Montag an ein eingeschränkter Bewegungsradius von 15 Kilometer.

          Bei der Interpretation der Zahlen sind laut RKI weiterhin die Auswirkungen der zurückliegenden Feiertage zu berücksichtigen, an denen möglicherweise weniger getestet und nicht alle Daten von den Behörden übermittelt wurden, wie die Nachrichtenagentur dpa erläutert.

          Dessen ungeachtet haben eine Reihe von Landkreisen die Ausgangssperren in der Nacht wieder aufgehoben, weil die Inzidenzwerte gesunken sind. Von diesem Donnerstag an dürfen etwa die Menschen im Main-Kinzig-Kreis wieder zwischen 21 Uhr und 5 Uhr auf die Straße. Ausnahme bleibt Hanau wegen einer zu hohen Inzidenz.

          Diese Regeln gelten von Montag an in Hessen

          Kontakte: Es werden weniger Kontakte zugelassen als bislang möglich. Im öffentlichen Raum dürfen sich dann Angehörige eines Haushaltes nur noch mit einer weiteren Person treffen. Auch Kinder zählen dabei mit. Ausnahmen gibt es für die gemeinsame Kinderbetreuung von bis zu drei Familien oder für die Begleitung und Betreuung minderjähriger oder unterstützungsbedürftiger Personen. Bislang waren Treffen von Angehörigen aus zwei Haushalten, höchstens jedoch fünf Personen, erlaubt. Kinder bis 14 Jahre werden dabei nicht berücksichtigt. Regierungschef Volker Bouffier (CDU) appellierte an die Menschen, sich auch zuhause an diese Kontaktregeln zu halten. Für Wohnungen gelten in Hessen nur dringende Empfehlungen, aber keine Verbote.

          Nächtliche Ausgangssperren: In Corona-Hotspots mit einer anhaltend hohen Sieben-Tages-Inzidenz von mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner mussten die Kommunen bislang schon nächtliche Ausgangsbeschränkungen erlassen. Nun sollen dort auch touristische Tagesausflüge unterbunden werden. Für Menschen, die in einem Corona-Hotspot leben, wird deshalb die Bewegungsfreiheit für Freizeitaktivitäten oder Ausflüge auf einen Radius von 15 Kilometer rund um deren Wohnanschrift beschränkt. Die Regelung gilt ausdrücklich nicht für den Weg zur Arbeit oder beispielsweise für einen längeren Weg zum Arzt. Als triftiger Grund, die Regel nicht einzuhalten, gilt auch die Teilnahme an einem Gottesdienst oder einer Demonstration. Für nächtliche Ausgangsbeschränkungen gilt: Die Wohnung darf ebenfalls nur mit triftigem Grund verlassen werden. Dazu zählen etwa der Weg zum Arzt oder zur Arbeit und das Gassigehen mit dem Hund.

          Schulen und Kindergärten: Sie bleiben grundsätzlich geöffnet, Eltern sollen ihre Kinder aber nach Möglichkeit zuhause lassen. Geht das nicht, dürfen die Kinder in den Kindergarten gebracht werden. Auch für Schüler bis einschließlich der sechsten Klassen wird an den Schulen Präsenzunterricht angeboten, wenn die Eltern arbeiten gehen müssen. Schüler ab Klasse 7 werden ab Montag grundsätzlich aus der Ferne unterrichtet, eine Ausnahme bilden Abschlussklassen. „Klassenarbeiten finden in der Regel nicht statt“, heißt es zudem.

          Altenheime: Die strengen Hygieneregeln gelten weiter. Besucher müssen vor Betreten der Einrichtung einen Corona-Schnelltest absolvieren und dürfen nur bei einem negativen Testergebnis rein.

          Einkaufen: Der Einzelhandel bleibt weitgehend geschlossen. Läden, die Dinge des öffentlichen Bedarfs anbieten wie Supermärkte, Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Kioske und Tiermärkte können nach wie vor öffnen. Die Ausgabe bestellter Waren in den Geschäften ist zulässig. Wochenmärkte bleiben geöffnet, Flohmärkte sind dagegen weiterhin untersagt.

          Dienstleistungen: Dienstleistungsbetriebe der Körperpflege wie beispielsweise Friseursalons, Kosmetikstudios oder Massagepraxen müssen geschlossen bleiben. Davon ausgenommen bleiben medizinisch notwendige Behandlungen. Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe wie etwa Reinigungen, Waschsalons, Auto- und Fahrradwerkstätten, Banken und Sparkassen können weiterhin öffnen  (dpa)

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