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Zoodirektor Manfred Niekisch : „Suchen händeringend nach einem Mann für unsere Tigerin“

  • Aktualisiert am

Hausherr: Zoodirektor Manfred Niekisch verwaltet nicht nur den Tiergarten vom Gesellschaftshaus aus, er ist auch Vermieter der Säle in dem prächtigen Gebäude. Bild: Esra Klein

Die finanzielle Lage des Frankfurter Zoos sei immer etwas angespannt. Direktor Manfred Niekisch im Gespräch über die kürzlich verstorbenen Gorillas und, ob Zoos noch zeitgemäß sind.

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          Wie geht es dem Zoo?

          Insgesamt sehr gut. Natürlich ist die finanzielle Lage immer etwas angespannt. Mit der Pinguinanlage vollenden wir gerade das letzte Vorhaben aus dem 30-Millionen-Programm, das ich bei meinem Amtsantritt vor neun Jahren beginnen konnte.

          Was haben Sie mit dem Geld noch finanziert?

          Die Bärenanlage, den neuen Eingang und die Quarantänestation. Diese hat sich schon sehr bewährt, auch ganz aktuell, als wir die vielen Schlangen aufgenommen haben, die in einer Wohnung im Bahnhofsviertel gefunden worden sind. Oder auch nach einer illegalen Lieferung von 24 mexikanischen Schildkröten, die der Zoll am Flughafen beschlagnahmt hat. Wir päppeln die Tiere wieder hoch, bis klar ist, was weiter mit ihnen geschehen soll. Vier bis fünf unserer Mitarbeiter kümmern sich intensiv um diese verwahrlosten Tiere. Wir haben sehr engagiertes Personal, das sich enorm einsetzt. So wie neulich, als Tierärztinnen und Pfleger Tag und Nacht um das Leben eines Gorilla-Babys gekämpft haben, es aber leider nicht retten konnten.

          Letzthin gab es einige Todesfälle bei Ihren Tieren, woran liegt das?

          Dass bei den Gorillas zwei Jungtiere gestorben sind, ist eine unglückliche Häufung, aber Zufall. Eines war eine Frühgeburt, das andere bekam eine schwere Infektion. Da wir das Jungtier der Mutter nicht gleich wegnehmen, haben wir nicht immer sofort eine Diagnose. Bei den Menschenaffen haben wir aber insgesamt sehr gute Zuchterfolge und gesunde und vitale Jungtiere.

          Spielt es für solche Infektionen eine Rolle, dass artgerechte Gehege wie im neuen Menschenaffenhaus schwerer zu reinigen sind als die früher üblichen Kachel-Käfige?

          Nein, nicht mehr. Denn wir wissen heute mehr, kennen bessere Heilmethoden. Eine solche Infektion hätte es auf Kacheln auch geben können. Außerdem fühlen sich die Tiere in der neuen Anlage viel wohler. Eines der Bonobo-Weibchen hatte im alten Affenhaus jahrelang keinen Zyklus, kurz nach dem Umzug hat sie ihn wieder.

          Der Zoo ist beengt mitten in der Innenstadt. Sähen Sie ihn lieber woanders?

          Nein. Es bräuchte eine riesige Fläche und enorme Summen für einen Neubau - beides gibt es nicht. Hier in der Innenstadt ist der Zoo ein richtiger Leuchtturm und für jede Schulklasse und Kindergruppe gut zu erreichen. Die Träumereien von einem Außenzoo haben dazu geführt, dass zwei Jahrzehnte lang fast überhaupt nicht investiert worden ist. Dieser Investitionsstau macht uns noch heute zu schaffen.

          Die Zahl der Tierarten hat sich zuletzt etwas verringert. Liegt das am Platzmangel?

          Ja, wir wollen lieber etwas weniger Tieren mehr Fläche bieten. Von manchen Tieren werden wir uns trennen müssen.

          Von Nashörnern und Flusspferden vielleicht?

          Auf jeden Fall können wir kein neues Flusspferd anschaffen, solange die Anlage nicht völlig umgebaut wurde. Und die Nashörner bleiben erst mal.

          Ist es überhaupt noch zeitgemäß, solche Tiere in einem Innenstadtzoo zu halten?

           Ja, natürlich, sofern man genug Platz hat.

          Könnte man bedrohte Arten nicht besser in Reservaten erhalten?

          Leider sind Reservate oft massiv von Wilderern bedroht. Man braucht beides, Zoos und Schutzgebiete. Unsere Tiere sind ja praktisch alle schon in Zoos geboren.

          Angesichts von Tierfilmen in 3D, immer mehr Safaritourismus und Youtube-Filmen fragt sich mancher, ob Zoos überhaupt noch zeitgemäß sind.

          Gerade jetzt sind Zoos wichtig, weil sie den direkten Kontakt ermöglichen. Unsere Tiere sind Botschafter für ihre wildlebenden Artgenossen, sollen unseren Besuchern die Notwendigkeit von Naturschutz vor Ort nahebringen. Außerdem haben wir auch schon Tiere erfolgreich ausgewildert.

          Welche Bedeutung hat der Zoo in Zukunft, eher Fun-Park oder Naturschutzreservat?

          Wir haben fast 900.000 Besucher im Jahr, die echte Tiere sehen wollen, nicht nur ein paar lustige Affen. Natürlich ist auch Unterhaltung gefragt, aber wir wollen Tiere vor allem so naturnah wie möglich zeigen.

          Was fehlt dem Zoo?

          Unter anderem ein Tiger! Wir suchen händeringend nach einem Mann für unsere Tigerin Malea, doch leider gibt es in den Zuchtbüchern derzeit keinen Kandidaten. Da Tiger aber Einzelgänger sind, leidet sie wenigstens nicht, nur Nachwuchs gibt es so keinen.

          Und sonst?

          Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Wir haben an einigen Stellen Personalengpässe. Und natürlich fehlt Geld für Bauten. 30 Prozent sind immer noch aus den Fünfzigern und Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts, Paviane und Giraffen brauchen dringend neue Anlagen. Aber so viele Baustellen könnten wir, selbst wenn das Geld da wäre, unseren Besuchern gar nicht auf einmal zumuten.

          Und der zweite Eingang?

          Leider fehlen dafür das Geld und das notwendige Personal.

          Wie steht es mit der Gastronomie?

          Dafür und für das Zoogesellschaftshaus suchen wir gerade intensiv nach Lösungen.

          Also eine Menge Baustellen. Sie werden in diesem Jahr 65, sind Sie schon in Abschiedsstimmung?

          Nein, dazu gibt es noch viel zu viel zu tun!

          Die Fragen stellte Patricia Andreae.

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