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Postzentrum am Flughafen : Giftige Sneaker, explosive Lichter

  • -Aktualisiert am

Zoll Kontrolle im Internationalen Postzentrum am Flughafen: ein ausgestopftes Krokodil als Fundstück Bild: Wolfgang Eilmes

Im Internationalen Postzentrum am Flughafen kontrolliert der Zoll Sendungen aus dem Ausland. Manche Ware ist nicht nur gefälscht, sondern auch gefährlich.

          3 Min.

          Es klappert und knallt, auf den Förderbändern rattern gelbe Kisten von einer Ecke zur nächsten. An der hohen Decke hängen Hunderte blaue Beutel, vollbeladen mit Paketen. Mitarbeiter sortieren Päckchen jeglicher Größe und Farbe, weiße, braune, gelbe, rote. Jedes bekommt einen Aufkleber, wird wieder auf das Förderband gelegt und setzt seine Reise in der großen Halle fort. So lange, bis es entweder zu seinem Besteller geliefert wird – oder bei einem Mitarbeiter des Zolls landet.

          Marcus Redanz arbeitet beim Zoll in Frankfurt. Seit 1997 ist er im Internationalen Postzentrum tätig. Dort werden Sendungen aus dem Ausland sortiert, die danach in ganz Deutschland verteilt werden. Täglich kommt hier direkt am Flughafen etwa eine halbe Million E-Commerce-Sendungen an, also Pakete und Briefe aus dem Online-Handel. Der Zoll kontrolliert die Lieferungen aus Drittländern, also von außerhalb der Europäischen Union. Redanz sagt: „Jede Sendung muss in die Hand genommen werden.“ Entweder von den Beschäftigten der Deutschen Post oder eben von den Mitarbeitern des Zolls.

          Während der Vorweihnachtszeit herrscht in dem knapp fünf Hektar großen Zentrum Hochbetrieb. In vielen, fast zwei Meter großen Kisten liegen unzählige kleine Umschläge. Die meisten davon werden nicht beim Zoll landen, da ihr Wert zu gering ist. „Alles über 45 Euro muss aber verzollt werden“, sagt Redanz. Die Höhe der Abgaben bei wertvolleren Bestellungen sei sehr unterschiedlich. Deshalb seien Angebote, für die mit dem Begriff „zollfrei“ geworben werde, oft nicht ehrlich. Der Hersteller könne das meist nicht gewährleisten. Wer sicher gehen will, kann vor der Bestellung sein Produkt in der „Zoll und Post“-App eingeben. Damit können Kunden ausrechnen, wie viel Zoll für die Bestellung fällig wird – und so böse Überraschungen vermeiden.

          Fälschungen und Tierwaren

          Außer den vielen Artikeln, die erlaubt sind, aber verzollt werden müssen, werden im Internet zahlreiche Waren angeboten, die überhaupt nicht in die Europäische Union eingeführt werden dürfen. Das können Fälschungen sein, verarbeitete Tierwaren oder andere Produkte, die nicht den EU-Richtlinien entsprechen. Vermutet der Zoll in einem Paket etwas Unerlaubtes, überprüfen Mitarbeiter den Inhalt.

          Marcus Redanz stellt sich dafür gemeinsam mit einem Postangestellten an einen hohen Tisch, auf dem ein großer Stapel Pakete liegt. Redanz zieht sich vorsichtig blaue Gummihandschuhe über und krempelt die Ärmel hoch. Der Postkollege greift nach einem Teppichmesser und schneidet die erste Sendung auf.

          Immer wieder entdecken Fahnder in den Paketen gefälschte Medikamente.

          Redanz zieht aus dem länglichen braunen Paket ein kleines Krokodil. Das Tier ist ausgestopft und mit einem Faden zum Aufhängen versehen. „Sieht aus wie Dekoration“, sagt Redanz. In der Sendung aus Vietnam liegen keine Papiere. „Wenn keinerlei Dokumente dabei sind, gehen wir von einer Wildentnahme aus“, erklärt Redanz. Das sei verboten. Das Krokodil wird nun zunächst in einer Asservatenkammer gelagert, später wird es vermutlich in Schulen ausgestellt. Die Empfänger in Nordrhein-Westfalen werden ihr Souvenir wohl nicht erhalten.

          „Viele wissen einfach nicht, dass das verboten ist“

          An einem anderen Paket erkennt Redanz schon von außen, dass hier etwas Verbotenes verschickt wurde: „Krokodilleder-Portemonnaie“ steht darauf. „Viele wissen einfach nicht, dass das verboten ist“, sagt der Mann vom Zoll.

          Auch Produkte aus tierischen Stoffen, wie diese Geldbörse aus Krokodil, sind nicht erlaubt.

          Gerade in der Vorweihnachtszeit sind auch viele Geschenke unter den Sendungen. Aus der nächsten Tüte kullern drei Paar Kinderschuhe, Größe 30. Vermeintliche Markenware. Die bunten Sneaker riechen nach Putzmittel und Gummi, der neongrüne Stoff glitzert grell. „Da sieht man gleich an den ungleichmäßigen Nähten, dass es eine Fälschung ist“, sagt Redanz, während er die Schuhe begutachtet. „So würde eine teure Marke nie ihre Produkte verarbeiten.“ Ein Paar der Sneaker kostet im Original 230 Euro. Redanz vermutet, dass die Kunden aus Nordrhein-Westfalen deutlich weniger gezahlt haben. Beliebt seien vor Weihnachten auch Lichterketten aus China, weiß er. „Dann macht es auf einmal puff, und der Baum steht in Flammen. Es ist auch eine Art Verbraucherschutz, den wir hier betreiben.“

          Marcus Redanz hat am Ende nur einen Rat für die Kunden: „Ich würde im Internet gar nicht bestellen.“ Wer auf Online-Ware nicht verzichten möchte, dem rät er, nur auf Original-Herstellerseiten einzukaufen. „Wenn das Deutsch fehlerhaft oder kein Impressum vorhanden ist, lieber nicht bestellen“, sagt Redanz. Auch der Preis sei ein guter Indikator. „Wenn ein Produkt im Original 85 Euro kostet und ich es für 20 Euro kriege – da kann was nicht stimmen.“

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