https://www.faz.net/-gzg-9m336

Bau eines Autobahndeckels : Zeitplan für Ausbau und Einhausung der A 661 ungewiss

Ein Jahrhundertprojekt: Die A 661 soll eingehaust werden. Bild: Cornelia Sick

Die Einhausung der A 661 ist beschlossene Sache. Der Bau des Deckels soll jetzt mit dem Ausbau der Autobahn verbunden werden. Stadt und Land wollen das Bauvorhaben möglichst gemeinsam realisieren.

          Sowohl das hessische Verkehrsministerium als auch die Stadt Frankfurt halten es für möglich, den Ausbau der Autobahn 661 mit einer gleichzeitigen Einhausung zu verbinden. „Wir versuchen, beides weitestgehend miteinander zu koordinieren“, sagt ein Sprecher von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen). Das Frankfurter Planungsdezernat hat aus Wiesbaden „auf der Arbeitsebene“ ebenfalls die Rückmeldung erhalten, dass das Land Hessen alles tun wolle, um beide Projekte zusammenzuführen. „Unser Ziel ist eine gemeinsame Baustelle. Daran arbeiten wir“, sagt Marcus Gwechenberger, Referent von Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie berichtet, will Frankfurt einen rund einen Kilometer langen Abschnitt der A661 zwischen den Stadtteilen Bornheim und Seckbach überbauen, um Platz für Wohnraum und Grünflächen zu schaffen. Das Land will die Autobahn an dieser Stelle und in angrenzenden Abschnitten erweitern. Formal ist davon die Rede, dass bei diesem Projekt die „Vierstreifigkeit“ der Autobahn hergestellt wird. In der vergangenen Woche hatte es aus Wiesbaden geheißen, dass die Autobahn zunächst ausgebaut wird, bevor sie in einem zweiten Schritt überbaut werden kann.

          Als Termin für die Fertigstellung des Ausbaus wurde 2024 genannt – mit der Folge, dass die Einhausung erst später käme. Gestern relativierte ein Ministeriumssprecher auf Nachfrage jedoch diese Aussage. 2024 sei der „frühestmögliche“ Termin, wahrscheinlicher sei es jedoch, dass dann die Bauarbeiten erst beginnen. Frankfurt hofft darauf, dass die Pläne für den Autobahndeckel bis dahin baureif sind, so dass beide Projekte miteinander verschränkt und bis 2028 gemeinsam gebaut und fertiggestellt werden.

          Nun drängt die Zeit

          Wie zu hören ist, hält Verkehrsminister Al-Wazir der Stadt vor, dass sie sich zu spät für die Einhausung entschieden hat. Er hatte schon mit dem damaligen Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Die Grünen) über das Projekt verhandelt. Der sei zwar begeistert, die Stadt Frankfurt damals aber nicht entscheidungsfähig gewesen. Danach habe die Stadt, so der Vorwurf aus Wiesbaden, das Thema zwei Jahre lang liegengelassen, bevor es schließlich doch eine Entscheidung für die Einhausung gab. Nun drängt die Zeit, denn Hessen Mobil ist nur noch zwei Jahre im Auftrag des Bundes für die Planung der Autobahnen zuständig. 2021 soll die Aufgabe an die neu gegründete Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen übergehen. Stadt und Land wollen zur Einhausung eine Verwaltungsvereinbarung schließen, die dann auch für die neue Bundesbehörde – den künftigen Baulastträger der Einhausung – bindend sein soll.

          In der Zwischenzeit wurden die Pläne für den Ausbau vorangetrieben. Sie sind fertig und liegen nun beim Bund, der mit einem Sichtvermerk das Planfeststellungsverfahren einleitet. Die entscheidende Frage ist nun, ob die Stadt den Rückstand noch aufholt. Sicher ist, dass für beide Maßnahmen – Ausbau und Einhausung – getrennte Planfeststellungsverfahren beauftragt werden. Diese Verfahren sind langwierig und unwägbar. Anlieger werden angehört, gegen den Planfeststellungsbeschluss kann zudem geklagt werden. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass beide Projekte am Ende gemeinsam ausgeschrieben werden können.

          Das Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn wendet sich seit Jahren gegen einen Ausbau der A 661. Es wirft der Stadt vor, die Entscheidung für die Einhausung sei „an Naivität kaum zu überbieten“. Sprecher Friedhelm Ardelt-Theeck meint, dass auch der sechsstreifige Ausbau der A661 mit allen Konsequenzen mitgeplant werden muss. Eine neue Verkehrsuntersuchung und Umplanungen wären nötig. Der Ausbau sei gegen den Widerstand großer Teile der Bevölkerung nicht durchsetzbar. Wegen dieser Konflikte sei das Projekt „tot“. Eine nachträgliche Einhausung nach Inbetriebnahme des Riederwaldtunnels hält Ardelt-Theeck für einen „Schildbürgerstreich“.

          Weitere Themen

          Pizza, Penne, Pommes

          FAZ.NET-Hauptwache : Pizza, Penne, Pommes

          Das Grundgesetz wird für sein 70-jähriges Bestehen ordentlich gefeiert und die Debatte über die Verteilung von Schülern auf weiterführende Schulen brennt wieder auf. Das und was sonst noch wichtig ist, steht in der FAZ.NET-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Ehemaliger Außenminister : Tillerson keilt gegen Trump

          Mehr als ein Jahr nach seiner Entlassung spricht Trumps ehemaliger Außenminister Rex Tillerson im Kongress über seine Amtszeit. Dabei erhärtet er eine Sorge vieler Beobachter.
          Tu felix Germania: Oder war auch damals bei Schröder schon eine Russin im Spiel?

          Fraktur : Blaues Wunder

          Bist du deppert: Machtbesoffenheit gibt es nicht nur in Österreich!

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.