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Outlet-Eröffnung in Frankfurt : Was bei Zalando übrig bleibt

Verschlusssache: Einen Tag vor der Eröffnung gab sich Zalando an der Leipziger Straße noch bedeckt. Bild: Kaufhold, Marcus

Die Leipziger Straße in Frankfurt wird Schnäppchenzone: Der Modeversender Zalando eröffnet sein Outlet für stark reduzierte Saisonartikel und Retouren. Es ist das zweite Geschäft nach dem in Berlin.

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          So lautstark der Online-Modehändler sonst auftritt – den meisten bekannt ist der Werbeslogan „Schrei vor Glück“ –, so leise eröffnet er heute sein neues Outlet in der ehemaligen Kaufhof-Immobilie in Bockenheim. „Coming soon, ab Mai 2014“ – so vage stand es an den verklebten Schaufenstern geschrieben. Drinnen wurden derweil die Handläufe der Rolltreppe poliert und der Boden gekehrt – die letzten Vorkehrungen vor der Eröffnung, die ein Sprecher auf Anfrage für heute als „soft opening“ ankündigt. So nennt man in der Branche Ladeneröffnungen ohne großes Tamtam. Bei Zalando kann man sich allerdings sicher sein: Die Nachricht von der Eröffnung wird sich wie ein Lauffeuer herumsprechen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine Fläche von 1000 Quadratmetern hat das Berliner Unternehmen an der Leipziger Straße angemietet, um hier Textilien und Schuhe mit bis zu 70 Prozent Rabatt zu verkaufen. Es handelt sich dabei um Artikel aus der Vorsaison und Rücksendungen mit kleinen Schäden, die sich nicht mehr im Netz verkaufen lassen.

          Zalando ist willkommen

          Als „sinnvolle Ergänzung“ zu seinem Online-Geschäft – jede zweite Bestellung geht bei Zalando retour – macht der Versender das bisher auch schon in seinem ersten Outlet in Berlin. Die Frankfurt-Filiale ist etwas größer. Außerdem steht das Geschäft allen offen. Im Berliner Outlet dürfen nur Zalando-Besteller einkaufen. Frankfurt hat zudem ein größeres Kindersortiment. Dafür ist eine Fläche im Erdgeschoss reserviert. Frauen und Männer – inzwischen umwirbt Zalando in pfiffigen Fernseh-Werbespots auch dieses Geschlecht – müssen mit der Rolltreppe in die obere Etage fahren.

          In Bockenheim sind die Berliner willkommen. Jahrzehnte hatte die Immobilie leer gestanden, nachdem der Kaufhof geschlossen und das Haus an den Frankfurter Immobilienunternehmer Heinrich Gaumer verkauft worden war. In der Folge litt die gesamte Einkaufsstraße. Einzelhändler in der Nachbarschaft ärgerten sich über verklebte Schaufenster und schimpften über den „Schandfleck“. Erst mit dem Einzug der Drogeriekette DM ging es langsam aufwärts.

          Ein Onlinehändler, der spaltet

          Inzwischen dominieren Drogerien, Optiker und Apotheker das Angebot der 1-B-Lage. An Lebensmitteln und Imbiss-Angeboten herrscht auch kein Mangel. Leere Geschäfte sieht man auch. Die Textiler, darunter Billigketten wie Takko oder Ernsting’s Family, halten sich eher in Grenzen. So gesehen, tut Zalando an der Leipziger Straße vermutlich niemandem weh. Die Hoffnung ist vielmehr, dass viele, die Zalando im Internet lieben, jetzt auch ins Outlet kommen und Leben ins Viertel bringen.

          Grundsätzlich aber spaltet der Onlinehändler, der 2008 von unternehmenslustigen Hochschulabsolventen gegründet wurde. Sie hatten nur wenig Ahnung vom Online-Geschäft, gleichwohl: Binnen sechs Jahren stieg Zalando zum führenden Internet-Modeanbieter in Europa auf. Kunden in 15 Ländern bestellen begeistert. Sie haben die Wahl zwischen mehr als 1500 Marken, darunter auch Premium-Label wie Armani, Michael Kors und Ralph Lauren. Sporttextilien und Wohnaccessoires verkauft Zalando inzwischen auch.

          Zalando abermals ohne schwarze Zahlen

          Das Nachsehen haben die mittelständischen Einzelhändler, die sich schwertun, den Angriffen aus dem Internet Paroli zu bieten. Viele können sich einen Internet-Auftritt nicht leisten. Selbst die Schuhkette Goertz geriet wegen des Online-Konkurrenten in Schieflage und musste sich einen Sparkurs verordnen. Hinzu kommt, dass im Laden immer öfter online-verwöhnte Kunden stehen, die dort dieselbe Auswahl wie im Internet erwarten, wie Frankfurter Einzelhändler klagen.

          Das alles ärgert die Branche, zumal Zalando, deren größter Gesellschafter die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevig (36,5 Prozent) ist, bis heute noch kein einziges Mal schwarze Zahlen geschrieben hat. 1,8 Milliarden Euro hat das Unternehmen mit 5.000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr umgesetzt bei einem Verlust von 115 Millionen Euro. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, verbessert sich zwar das Verhältnis zwischen Erlösen und Verlusten. Eine schwarze Zahl werde aber auch dieses Jahr nicht gelingen. Zu Spekulationen über einen baldigen Börsengang hieß es, das sei eine „mögliche Option für die Zukunft“.

          Den Zalando-Fans dürfte das alles egal sein. Sie freuen sich, dass sie per Mausklick leicht und bequem einkaufen können. Für die Gratis-Rücksendung haben sie hundert Tage Zeit. Da darf man spekulieren, was in diesem möglichen Zeitfenster mit den Bestellungen passiert. In der Gerüchteküche erzählt man sich von festlichen Kleidern, die für einen Abend getragen und dann an Zalando zurückgeschickt werden. In einem Fall habe das sogar mit einem Brandfleck funktioniert. Für solche und andere Retouren gibt es jetzt ein Wiedersehen in Frankfurt.

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