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„Bericht unzureichend“ : Hinz gesteht Fehler bei Kontrollen von Wursthersteller Wilke ein

  • Aktualisiert am

Gesteht Fehler im Fall Wilke ein: Priska Hinz Bild: Wolfgang Eilmes

Eine geplante Kontrolle des Herstellers Wilke lief nicht ab wie geplant, die Berichte waren unzureichend: Im Skandal um verdorbene Wurst hat Hessens Verbraucherschutzministerin unangenehme Fragen beantwortet. Und nach Nordhessen verwiesen.

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          Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Die Grünen) hat Unstimmigkeiten bei der Kontrolle des geschlossenen Wurstherstellers Wilke eingestanden: Eine für den 5. September geplante gemeinsame Betriebskontrolle mit anderen Behörden habe der zuständige Landkreis Waldeck-Frankenberg allein vorgenommen, sagte Hinz am Mittwoch vor dem Umweltausschuss in Wiesbaden. Über die bei der Kontrolle vorgefundenen Mängel habe der Landkreis dem Regierungspräsidium in der Besprechung nach bisherigem Kenntnisstand unzureichend berichtet.

          „Die Aufklärungsarbeit steht jetzt im Fokus. Wir haben den Landkreis aufgefordert, bis 25. Oktober ausführlich über noch offene Fragen zu berichten“, sagte die Ministerin am Mittwoch vor dem Umweltausschuss in Wiesbaden.

          Nur eine gemeinsame Besprechung

          Eigentlich sollten an der Kontrolle neben dem Kreis das Regierungspräsidium Kassel und das Landeslabor Hessen teilnehmen. Doch nach derzeitiger Aktenlage sei die Kontrolle vom Landkreis vor dem verabredeten Zeitpunkt und vor dem Eintreffen der Vertreter des Regierungspräsidiums und des Landeslabors gemacht worden. Stattdessen habe es nur eine gemeinsame Besprechung an diesem Tag gegeben. „Über die bei der Kontrolle vorgefundenen Mängel berichtete der Landkreis dem Regierungspräsidium in der Besprechung nach bisherigem Kenntnisstand unzureichend“, erklärte dazu das Umweltministerium.

          Laut Hinz waren bei einer Betriebskontrolle zuvor erhebliche Mängel bei Wilke festgestellt worden. Bei der Nachprüfung am 5. September, die der Kreis allein machte, wurde dem Unternehmen wieder ein positiveres Zeugnis ausgestellt. „Da werden wir nachfassen müssen“, sagte die Ministerin.

          Listerienkeime nachgewiesen

          In der Wurst des Herstellers Wilke in Twistetal-Berndorf waren wiederholt Listerienkeime nachgewiesen worden. Drei Todesfälle und Dutzende Krankheitsfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Listerien können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Behörden hatten den Betrieb vor zwei Wochen geschlossen. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer.

          Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft den Behörden vor, zu spät reagiert zu haben. Deshalb wird über den Zeitpunkt gestritten, ab wann sie über die Zustände bei Wilke im Bild waren. Foodwatch schreibt in einem Bericht, das Land Hessen sei bereits am 12. August über einen konkreten Verdacht gegen Wilke informiert worden. Das Verbraucherschutzministerium erklärte, erst am 16. September sei klar geworden, dass es einen „direkten Zusammenhang“ zwischen den Listerioseausbrüchen und der Firma Wilke gibt.

          Der Landrat des Kreises Waldeck-Frankenberg, Reinhard Kubat (SPD), erklärte, man arbeite mit Hochdruck an einem Bericht zum Fall Wilke. Nach den bisherigen Feststellungen hätten die zuständigen Mitarbeiter der Kreisverwaltung „in einer sehr komplexen, komplizierten und durch die juristischen Rahmenbedingungen nicht einfachen Lage nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und einen guten Job gemacht“.

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