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Wucherpfennig bleibt Rektor : Ein guter Tag für die Kirche

Darf in seinem Amt bleiben: Ansgar Wucherpfennig. Bild: dpa

Der Vatikan hat eingelenkt. Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig darf nun doch Rektor der katholischen Hochschule St.Georgen bleiben. Denn am Ende hatten dessen Befürworter die lautere Stimme. Ein Kommentar

          Nach vielen schlechten Tagen für die katholische Kirche kam gestern ein guter. Bei der Entscheidung, Pater Ansgar Wucherpfennig nun doch zum Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt zu ernennen, gewinnen alle Seiten.

          Zuerst natürlich Wucherpfennig selbst, den viele einen „lauteren Priester“ nennen und der gestern vor Erleichterung und Freude über die Nachricht aus dem Vatikan laut auflachte, als er gefragt wurde, wie er sich denn nun gerade fühle. Weder fachlich noch menschlich gibt es Zweifel an dem Theologen. Umso größer war die Verwunderung, dass der Vatikan ihm zunächst das „Nihil Obstat“ verweigerte und ihn damit nicht für „unbedenklich“ an der Spitze der Hochschule erklärte.

          Gewonnen hat durch die Entscheidung aber auch der Vatikan. Oder zumindest haben all jene Kräfte in Rom gewonnen, denen die Welt außerhalb ihrer Mauern nicht vollends aus dem Blick geraten ist. Die „Erklärung“, die Wucherpfennig nun abgab, um sein Amt weiter ausüben zu dürfen, hat mit dem zu Beginn von ihm verlangten öffentlichen Widerruf seiner Positionen zur Homosexualität und zur Weihe von Frauen nichts mehr zu tun. Vielmehr liest sich der Text, an dem im Hintergrund viele mitverhandelt und mitvermittelt haben dürften, ungefähr so: Ein katholischer Theologe darf die Lehre seiner Kirche so auslegen, dass sie anschlussfähig ist an eine Gesellschaft, die sich stärker verändert, als es die Kirche vermag.

          Die Einsicht im Vatikan mag nicht ganz freiwillig gekommen sein. Doch die Integrität Wucherpfennigs hatte so viele dazu bewogen, für ihn einzutreten, dass auch ein unflexibles Gebilde wie die Bildungskongregation zwar keinen Fehler eingestand, aber doch mit einer lang vermissten Klugheit und mit Augenmaß auf Wucherpfennigs Äußerungen reagierte. Sie machen es den meisten Katholiken in Deutschland zudem einfacher, an eine Zukunft ihrer Kirche zu glauben.

          Gewonnen hat auch das Bistum Limburg. Allen voran Bischof Georg Bätzing hat öffentlich und hinter den Kulissen keinen Zweifel an seiner Solidarität mit Wucherpfennig gelassen. Das ist ihm und anderen hoch anzurechnen. Vielleicht führt die „Affäre Wucherpfennig“ sogar zu einem neuen Gefühl des Zusammenhalts im Bistum. Dann wäre das Ganze am Ende sogar noch zu etwas gut.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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