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Eintracht-Aufsichtsratschef : „Der Erfolg darf uns nicht irritieren“

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„Absolutes Highlight“: Wolfgang Steubing erlebt seine glücklichste Zeit mit der Eintracht in 60 Jahren. Bild: Picture-Alliance

Wolfgang Steubing, der Aufsichtsratsvorsitzende der Eintracht, über die Gefahr der Überheblichkeit in glücklichen Zeiten, die zu große Macht des Geldes und das besondere Verhältnis zum Vorstand.

          Im Mai 2016 in der Relegation, im Mai 2019 vielleicht in Baku im Endspiel der Europa League: Glauben Sie gerade, Sie träumen mit der Eintracht?

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Träumereien habe ich mir bei der Eintracht abgewöhnt, spätestens seit Rostock 1992, als wir die Meisterschaft verspielten. Tatkraft statt Träumerei steht grundsätzlich für mich im Vordergrund. Aber natürlich freue ich mich über die außergewöhnlich positive Entwicklung. Ich bin die zurückliegenden 60 Jahre der Eintracht als Fan und in vielen verschiedenen Positionen verbunden gewesen, die aktuelle Phase ist ein absolutes Highlight.

          Erleben Sie gerade Ihre glücklichste Zeit mit der Eintracht?

          Ja, wie viele andere auch.

          Wieso verblassen die deutsche Meisterschaft 1959, vier Pokalsiege und ein Uefa-Pokal-Triumph in den siebziger und achtziger Jahren dagegen?

          1959 war ich zehn Jahre alt. Da spürt man, die Meisterschaft ist etwas ganz Tolles, aber man nimmt das anders wahr, man kann nicht die ganze Tiefe und Bedeutung einschätzen. Auch die Pokalsiege waren etwas ganz Besonderes, vor allem die ersten, weil mein Schulfreund Gert Trinklein damals zu den Pokalhelden zählte. Aber die folgende 25-jährige Abstinenz vom Erfolg hat es mit sich gebracht, dass der Pokalsieg in Berlin gegen die Bayern und die Erfolgsserie 2018/19 noch stärkere Gefühle bei mir auslösen. Wie wir jetzt spielen, ist unglaublich, es macht mich fast sprachlos.

          Früher hieß die Eintracht die „launische Diva vom Main“. Welcher Titel würde jetzt passen?

          Adler im Höhenflug! Launische Diva rührte ja daher, dass wir gegen die Bayern gewinnen konnten und nächste Woche gegen Nürnberg verloren. Jetzt ist Konstanz drin. Wir haben zwar nur 1:0 gegen Nürnberg gespielt, aber wir haben gewonnen. Die Mannschaft ist gefestigt und ruft zuverlässig ihr Potential ab. Und es macht sogar Spaß, ihr zuzuschauen. Wir alle hatten Angst vor der Vielfachbelastung durch die Europa League. Aber das Gegenteil ist eingetreten. Durch den Europapokal verliert die Mannschaft keine Energie, sie bekommt noch mehr Power.

          Wie hat die Eintracht den Turnaround geschafft?

          In der Relegation gegen Nürnberg 2016 hat sich in den Führungsgremien des Vereins eine Stimmung gebildet: Wir wollen nicht mehr verwalten, sondern gestalten. Dann kam die Ablösung des Sportvorstandes Heribert Bruchhagen, und mit der neuen Person Fredi Bobic zog ein frischer Wind ein. Er brachte neuen Mut, neue Zuversicht mit. Bobic durfte gerade mal 2,5 Millionen Euro für Neuzugänge ausgeben, erhielt ein ganz bescheidenes Gehalt – und dennoch legte er voller Begeisterung los, er riss uns alle mit. Das wirkte bis in den e.V. Ich habe Präsident Peter Fischer noch nie so glücklich gesehen, und der hat auch schon 18 Jahre im Amt auf dem Buckel. Aber natürlich hat auch Trainer Niko Kovac viel bewirkt, der das Konzept von Bobic mittrug, umsetzte, die richtige Spielform fand und auch sehr motivierend wirkte.

          Welchen Einfluss hatte der Aufsichtsrat über die Bestellung Bobics hinaus?

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