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Im Gespräch: VhU-Chef Mang : „Keine Politik gegen die Interessen der Wirtschaft“

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Der neue Präsident: Wolf Mang, Unternehmer aus Obertshausen, führt seit der vergangenen Woche die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Bild: Cornelia Sick

Der neue VhU-Präsident Wolf Mang leitet selbst zwei Unternehmen. Vorbehalte gegen einen grünen Wirtschaftsminister in Hessen hat er nicht. Klare Forderungen an die schwarz-grüne Politik aber schon.

          Die Durchschlagskraft der Wirtschaft in der Politik erscheint oft nicht so, wie es sich Unternehmer wünschen. Nehmen wir das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Das belastet viele Betriebe. Betrifft es auch Ihr Haus, und was kann die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände tun?

          Ja, wir spüren das auch im eigenen Unternehmen. Vor zwei Jahren haben wir die Investitionsentscheidung für eine hochmoderne Festkörperlaseranlage zum Schneiden von Dünnblechen getroffen, heute haben wir durch die seitdem um fast 80 Prozent gestiegene EEG-Umlage deutlich höhere Energiekosten. Der Return-on-Investment hat sich gegenüber dem Zeitpunkt der Investitionsentscheidung damit erheblich verschlechtert. Aber die Schwierigkeiten der Energiewende gehen ja über den Einzelfall hinaus, denn Ziel war es doch, den CO2-Ausstoß zu reduzieren – tatsächlich ist er seither gestiegen. Das Klimaziel wurde verfehlt, die Versorgungssicherheit ist eher in Gefahr, und Wettbewerbsfähigkeit haben wir in einigen energieintensiven Branchen schon verloren. Ich bin sicher, dass die Energiewende ökologisch kein Erfolg wird, wenn sie nicht zugleich auch ökonomisch sinnvoll ist. Denn andere Länder werden uns dann nicht folgen, und es wird keine CO2-Reduzierung erreicht werden.

          Kann der VhU-Präsident da auch etwas auf Landesebene tun, es ist ja letztlich Bundesangelegenheit?

          Wir müssen zusammen mit der hessischen Landesregierung da Position beziehen – auch auf Bundesebene. Dort allerdings führen auf Seiten der Wirtschaft unsere Spitzengremien auf Bundesebene federführend die Diskussion.

          Nehmen wir das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. Ein primär hessisches Thema, bei dem die Diskrepanz zwischen Wirtschaft und Politik auch deutlich wird: Den Vorstandsbeschluss zum Bau, dem der Fraport-Aufsichtsrat, in dem Hessen und Frankfurt vertreten sind, zugestimmt hat und der dann nochmals von zwei Studien untersucht wurde, will Wirtschaftsminister Al-Wazir nun ein weiteres Mal prüfen lassen. Das ist doch ein Affront. Man unterstellt, dass der Aufsichtsrat versagt hat und die Studien unglaubwürdig sind.

          Ja, das sehe ich auch so. Wenn man die Investition noch lange hinauszögert mit solchen Aktionen und die Kapazität nicht schafft, dann kann es gut sein, dass sich der Markt längst umorientiert hat. Wenn ich als Unternehmer meinen Kunden die nachgefragte Leistung nicht bieten kann, dann wird er sie sich bei einem Wettbewerber besorgen. Das wird dann am Flughafen nicht anders sein. Er wird dann seine Rolle im internationalen Wettbewerb verlieren und damit auch die als Jobmotor und entscheidender Wirtschaftsfaktor der Region. Dabei müssen wir natürlich immer im Blick haben, dass man die Menschen in der Region nicht übermäßig belastet.

          Ministerpräsident Bouffier hätte von sich aus das Terminal 3 wohl kaum in Frage gestellt. Das ist ein Zugeständnis an den grünen Koalitionspartner. Wie stellt sich der neue VhU-Präsident die Arbeit mit dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir vor?

          Es ist meistens so, dass die Aufgabe die Person mehr prägt als die Person die Aufgabe. Das heißt, dass viele Entscheidungen nicht an der Wirtschaft vorbeigehen können. Soweit ich Minister Al-Wazir bisher erlebt habe, glaube ich aber auch, dass er sich dessen sehr bewusst ist. Ich bin mir sicher, dass er weiß, dass man keine Politik gegen die Interessen der Wirtschaft und des Landes insgesamt machen kann.

          Die hessische Wirtschaft leidet unter Versäumnissen und Verzögerungen in der Pflege und beim Ausbau der Infrastruktur. Ohne Investitionen sind die Mängel aber nicht zu beheben. Sie loben zugleich die Schuldenbremse, wie ist das Problem zu lösen?

          Wir brauchen die Instandhaltung der Straßen und Autobahnen und auch den Bau fehlender Teilstücke. Da müssen wir handeln, weil sich andernfalls die Kosten ballen werden. Zur Infrastruktur zähle ich auch Schulen im ländlichen Raum, denn sonst haben wir eine noch stärkere Sogwirkung der Metropolen, und die Unternehmen auf dem Lande werden dann immer größere Schwierigkeiten haben, den Fachkräftenachwuchs zu sichern.

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