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Wolf Maahn in Frankfurt : Gib mir das Fieber zurück

  • -Aktualisiert am

Widmet sich dem aktuellen Zeitgeist: Musiker Wolf Maahn Bild: https://www.wolfmaahn.de/blog/

Wenn Wiederhören Freude macht: Wolf Maahn beglückt seine Fans in der Brotfabrik in Frankfurt. Dabei gesteht der Rockmusiker eine besondere Verbindung zu Soul und Funk.

          Als Anfang der achtziger Jahre Rock mit deutschen Texten kommerziell erfolgreich wurde, wechselte Wolf Maahn vom englischen ins heimische Idiom. Der 1955 geborene Wahl-Kölner zählte fortan zu jenen Sängern und Songschreibern, die sich bewusst vom Punk-inspirierten Sound der Neuen Deutschen Welle fernhielten und stattdessen auf traditionelle angloamerikanische Rock-Stilistik setzten. Dabei behauptete Maahn stets eine besondere Verbindung zum amerikanischen Soul und Funk, die er in verschiedenen Aspekten seiner Musik bis heute umsetzt.

          Ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein gehört zweifellos dazu, um über Dekaden erfolgreich zu sein. In der gutgefüllten Frankfurter Brotfabrik verweist Maahn bei seiner Ansage zu „Hobby Freud“ auf den Groove des Hauptriffs und fügt sinngemäß hinzu, falls es diesen Groove damals noch nicht im Deutschrock gegeben haben sollte, habe er ihn eingeführt. Es ist in diesem Moment nicht zu erkennen, ob Maahn das ironisch oder ernst meint. Ungeachtet dessen zeigt das Stück vom 1984 erschienenen Album „Irgendwo in Deutschland“ exemplarisch seine besonderen Qualitäten. Damals wie heute legt Maahn viel Wert auf rhythmische Phrasierungen, beim Spiel auf der akustischen und E-Gitarre ebenso wie als Sänger. Zugunsten der Musikalität vernuschelt er lieber manche Zeilen, statt alle Wörter fein säuberlich zu formulieren. Seinerzeit ging Maahn sogar mit Hintergrundsängerinnen auf die Bühne, die umso intensivere Gospelstimmung verbreiteten. An ihrer Stelle beschwört heute Keyboarder Oliver Jäger mit virtueller Hammond-Orgel, bei „Hobby Freud“ auch Funk-typischem Clavinet-Sound die Verbindung zum Soul.

          Originalgetreue Wiedergabe

          Weitere Songs aus dieser Periode, etwa „Sucht der Träumer“ und „Rosen im Asphalt“, wandeln ebenso auf den Spuren des ursprünglich afroamerikanischen, dann auch von Weißen gespielten Funkrock. Andere Stücke haben inzwischen, gewollt oder nicht, den Status von Stadion-Hymnen erreicht. Schon beim sechsten Titel des zweistündigen Konzerts, „Wenn der Regen kommt“, singt das Publikum spontan den schlichten Refrain mit. „Rebellion“ und „Selbstrespekt“, Letzteres mit markantem Rock-Riff und sehr gradlinigen Beats, verlocken wenig später ein weiteres Mal zum Mitklatschen und -singen. Und spätestens bei „Irgendwo in Deutschland“ und „Gib mir das Fieber zurück“ sind die Fans so kraftvoll dabei, dass Maahn selbst nicht mehr um hohe Töne ringen muss, sondern Stimmbänder schonende Pausen einlegen kann.

          Die meisten der alten und etwas neueren Stücke werden von der Band weitgehend originalgetreu gespielt, wobei der versierte Gitarrist Roger Schaffrath gegen Ende zwar kurz Jimi Hendrix zitiert, insgesamt aber ziemlich domestiziert agiert. Überraschend anders klingt hingegen „Kleine Helden“, das nach kurzem opulentem Einstieg für die Strophen dynamisch heruntergefahren und in Reggae-Rhythmus versetzt wird. Noch konsequenter in Richtung Jamaika schaut das Quintett bei „Konkurrenztanz“, mit trockenen Akkorden der E-Gitarren und Orgel sowie einem kurzen Melodica-Solo.

          Den Zeitgeist reflektiert

          Von jeher hat Maahn in seinen Texten neben eigenen Befindlichkeiten den Zeitgeist reflektiert. Dabei verbreitete er zuweilen optimistische Aufbruchsstimmung und Freiheitsdrang, besang aber auch vergebliche Träume und Fluchtphantasien der Unangepassten. Seine bildhaften Texte sind keine komplexen Vorlesungen, vielmehr eingängig gehaltene, schlaglichtartige Betrachtungen. Manchmal wird Maahn konkret politisch, etwa bei seiner Absage an ständige Konkurrenz und Selbstoptimierung oder im bereits elf Jahre alten „Wir wissen es“, das die Ignoranz gegenüber dem Klimawandel thematisiert. In der Brotfabrik widmet Maahn diesen Song der schwedischen Schülerin Greta Thunberg und bekommt auch dafür viel Applaus.

          Es fällt nicht leicht zu sagen, ob die alten Hits ein wenig mehr gefeiert werden, weil sie ausdrucksstärker, musikalisch interessanter oder einfach vertrauter sind. Band wie Publikum haben unverkennbar Spaß miteinander, interaktive Momente entstehen nach etwa einer halben Stunde auch ohne Ansage. Dass die Band spielerisch souverän auftritt, aber keine Überraschungen bietet, hat an diesem Abend der affirmativen, zuweilen leicht nostalgisch angehauchten Wiederbegegnung keine Bedeutung.

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