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Wohnungstausch in Frankfurt : Deine Wohnung gegen meine

  • -Aktualisiert am

Groß gegen klein: Für den Tausch von Wohnungen hat sich in einigen deutschen Großstädten ein Markt entwickelt - nicht aber Frankfurt. Bild: Naomi Schenck

Wer seine Wohnung tauschen möchte, kann das über verschiedene Portale tun. In Frankfurt werden die Angebote aber kaum genutzt. Das hat Folgen.

          Jutta Sellering wartet vergeblich. Seit mehr als einem halben Jahr hat die Frau, die eigentlich anders heißt, eine Anzeige auf dem Internetportal „Homeswopping“. Sie will ihre Drei-Zimmer-Wohnung in Sachsenhausen-Nord gegen eine kleinere im selben Stadtteil tauschen. Doch niemand meldet sich. Wirklich niemand.

          Das ist erstaunlich, denn eigentlich klingt die Idee verlockend. Wem seine Wohnung zu groß geworden ist, zum Beispiel weil die eigenen Kinder ausgezogen sind, kann einfach mit jemandem tauschen, der eine größere Bleibe möchte. Genauso können zwei Menschen Wohnungen tauschen, die in den jeweils anderen Stadtteil wollen. Seit ein paar Jahren hat sich in anderen deutschen Großstädten dafür ein Markt entwickelt. In Frankfurt scheint das Angebot allerdings kaum angenommen zu werden. Doch je weniger Nutzer sich bei den Portalen anmelden, desto geringer sind die Vermittlungschancen. Und je kleiner die wiederum sind, desto weniger Interesse wird geweckt.

          Wahrscheinlichkeit „äußerst gering“

          Laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen gab es im vergangenen Jahr in Berlin ungefähr 2500 Anzeigen auf entsprechenden Tauschportalen, 1100 waren es in Hamburg und 650 in München. Etwa 90 Prozent aller Anzeigen konzentrierten sich auf diese drei Städte. Die beiden größten Portale seien „Homeswopping“ und „Tauschwohnung“, die 73 Prozent des Markts in Deutschland beherrschten.

          In Frankfurt hingegen ist die Tauschlage mau. Nach den Worten von John Weinert, Ko-Geschäftsführer von „Tauschwohnung“, hat es von dort seit Anfang 2012 lediglich 24 Anzeigen gegeben, bloß vier seien im Moment aktiv. Anzeigen würden deaktiviert, wenn sich der Anbieter 17 Wochen lang nicht ins System einlogge. Wie viele Anzeigen erfolgreich seien, wisse das Unternehmen nicht, sagt der andere Geschäftsführer Dario Bednarski: „Wir vermitteln als Plattform nur den Kontakt zweier Parteien und begleiten nicht den Tausch.“

          Weinert zufolge ist angesichts der niedrigen Frankfurter Zahlen die Wahrscheinlichkeit „äußerst gering“, dass es zu einem sogenannten Match kommt. Ein Match bedeutet dabei noch nicht, dass es auch wirklich zum Tausch kommt, es besteht dann lediglich eine Möglichkeit dazu.

          43 offene Anzeigen

          Immerhin konstatiert Weinert einen Anstieg der Inserate, wenngleich auf sehr niedrigem Niveau: Von 2015 auf 2016 hätte sich die Zahl der Anzeigen verdoppelt und die Zahl der neuen Anzeigen verdreifacht. Weil er und Bednarski Potential sähen, wollten sie in den nächsten zwei Monaten ihr Angebot in Frankfurt besser vermarkten. Bisher habe sich ihr Hamburger Portal auf Berlin, Hamburg, München und Köln konzentriert.

          Auf dem Portal „Tauschwohnung“ eine Wohnung in Frankfurt gegen eine in München zu tauschen, hat Sophie Frank erfolglos versucht. „Meine Anzeige war drei oder vier Wochen drin, jetzt habe ich sie herausgenommen“, sagt die Frau, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Ihre Erfahrung sei allerdings, „dass Tauschen in ist, weil die Lage so angespannt ist“. Städteübergreifend scheine es aber nicht zu funktionieren.

          Dass Tauschen „in“ ist, kann Jochen Scharr, Geschäftsführer des Münchener Anbieters „Homeswopping“, für Frankfurt nicht bestätigen - auch auf seiner Internetseite sei Berlin die Nummer eins. Wenigstens sieht die Lage besser als bei „Tauschwohnung“ aus. Im Raum der Postleitzahlen, die mit 60 anfangen, gebe es immerhin 43 offene Anzeigen. Wie viele Matches es in Frankfurt bislang gegeben habe, kann Scharr nicht sagen. Und warum das Angebot am Main wenig genutzt werde, wisse er auch nicht.

          Prämienprogramm überarbeitet

          Für Sozialwohnungen bietet auch die Stadt selbst schon seit den achtziger Jahren die Möglichkeit an zu tauschen. Um das Angebot attraktiver zu machen, haben die Stadtverordneten im Februar eine neue Prämienregelung beschlossen: Menschen, die in einer für sie zu großen Wohnung leben, die von der Stadt gefördert wird, können nun eine Prämie von bis zu 2500 Euro sowie deutlich höhere Zuschüsse für Renovierungs- und Umzugskosten erhalten, wenn sie freiwillig in eine kleinere Wohnung ziehen.

          Dadurch soll bezahlbarer Wohnraum zum Beispiel für Familien frei werden. Der Ansprechpartner für den Tausch ist das Amt für Wohnungswesen. Der Sprecher des Wohnungsdezernats spricht von einem „recht überschaubaren Kreis“ von Nutzern, bevor das Prämienprogramm überarbeitet worden sei: „Im Jahr 2015 lag die Zahl der prämienbegünstigten Umzüge bei 20.“

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