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Wohnungssuche in Frankfurt : Nicht immer kauft teuer, wer billig kauft

Verdichtet: In Offenbach ist Wohneigentum im Vergleich zu Frankfurt günstig. Bild: dpa

Kaum ein Normalverdiener kann sich in Frankfurt noch eine Wohnung leisten. Wer sich im Umland umschaut, kann trotz Pendlerkosten viele Jahre lang profitieren.

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          Dass Mietwohnungen in Frankfurt auch für Normalverdiener kaum mehr erschwinglich sind, bestreitet kaum einer noch ernsthaft. Nicht besser sieht es für diejenigen aus, die eine Wohnung oder ein Haus kaufen wollen, beispielsweise, um besser im Alter abgesichert zu sein. Angesichts von Quadratmeterpreisen, die laut Postbank im Durchschnitt bei mehr als 4500 Euro je Quadratmeter liegen (siehe kleine Tabelle), sehen sich viele Familien und andere Kaufinteressenten im Frankfurter Umland um in der Hoffnung, dort etwas weniger teuer an ein Domizil zu gelangen. Sie können dabei bis zu 1400 Euro je Quadratmeter einsparen, wie die Postbank in ihrem gestern vorgelegten Wohnatlas 2018 vorrechnet.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Arbeiten die Eigenheimkäufer allerdings in Frankfurt, müssen sie noch die Kosten des Pendelns hinzurechnen. Um diese Beträge erstmals überhaupt beziffern zu können, hat die Postbank vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut eine Modellrechnung entwickeln lassen. Es lässt sich nun, trotz aller Abstriche, die bei einer Modellrechnung zu machen sind, sagen, wie lange es dauert, bis die Fahrtkosten und die quasi in Entgelt umgerechnete Fahrzeit schließlich den Kostenvorteil beim Kauf der Immobile im Umland aufgezehrt haben.

          Die Berechnungen gehen dabei vom Kauf einer 70-Quadratmeter-Wohnung auf Standard-Niveau aus und von 220 Pendeltagen im Jahr. Als Startpunkt für die Pendler haben die Wissenschaftler in der Modellrechnung, abgesehen von den kreisfreien Städten, die bevölkerungsreichsten Städte eines Landkreises gewählt.

          Moderate Kosten für Offenbacher

          Nicht ganz unerwartet erweist sich Offenbach derzeit als die Nummer eins in der Analyse, denn die Entfernung zu Frankfurt ist gering. Das bedeutet, dass die Kosten fürs Pendeln entsprechend moderat sind und der Preisvorteil beim Kauf einer Immobilie besonders lange vorhält. Der Modellrechnung zufolge dauert es fast 48 Jahre, bis er aufgebraucht ist. Wer sich allerdings den Luxus gönnt, täglich mit dem Auto von Offenbach nach Frankfurt und zurück zu fahren, der hat den Kostenvorteil beim Kauf der Wohnung schon nach knapp 23 Jahren verfahren. Abgesehen davon ist bei Offenbach zu bedenken, dass die Stadt besonders in Mode gekommen ist und daher schnell teurer wird.

          Von Bad Vilbel aus ist die Pendelstrecke länger, der Preisvorteil aber noch so deutlich, dass er erst nach 37 Jahren aufgezehrt ist, wenn man den Nahverkehr nutzt. Im eigenen Auto hält er 22,6 Jahre. Nur in diesen beiden im Test berücksichtigten Städten ist von dem ursprünglichen Preisvorteil beim Wohnungskauf auch nach mehr als 30 Jahren noch etwas übrig. In Rüsselsheim, Hanau, Hofheim und Friedberg erhält sich der Preisvorteil aber immer noch für mehr als 20 Jahre.

          Während sich der Vorteil im Main-Taunus-Kreis mit einem Quadratmeterpreis von knapp unter 3000 Euro noch für etwa 23 Jahre hält, sind die Bodenpreise in den begehrten Lagen des Hochtaunus so hoch, dass eventuelle Vorteile gegenüber Frankfurt schon nach nur gut 18 Jahren dahin sind.

          Großer Teil der Pendler aus Mainz und Wiesbaden

          Eine Schwäche der Untersuchung: Weder Mainz noch Wiesbaden sind berücksichtigt, obwohl aus beiden Städten ein erheblicher Teil der Pendler nach Frankfurt kommt. Ungeachtet dessen liefern die Berechnungen sachdienliche Hinweise für Eigenheimkäufer. Zumal man bei Wiesbaden und Mainz davon ausgehen kann, dass die Quadratmeterpreise – wenn überhaupt – kaum niedriger sind als in Frankfurt. Die Gesamtkosten für das Pendeln – unmittelbare Fahrtkosten und Zeitkosten – würden also ziemlich schnell einen eventuellen Preisvorteil beim Immobilienkauf auffressen.

          Da auch Berufstätige, die in Frankfurt wohnen, einen Weg zur Arbeit und zurück haben, ließen die Autoren in der Modellrechnung auch die Fahrzeiten mit dem Nahverkehr unberücksichtigt, die die Pendler von ihrer Wohnung zum Umlandbahnhof zurücklegen und vom Frankfurter Bahnhof dann weiter zu ihrer Arbeitsstelle. Sie gehen davon aus, dass sich die jeweiligen Fahrzeiten in etwa ausgleichen.

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