https://www.faz.net/-gzg-9vhpe

Gutachter über Wohnungspreise : In Frankfurt sind Preissteigerungen bei Immobilien ausgereizt

Teures Pflaster: In Frankfurt sind Wohnungen nicht gerade günstig. Bild: dpa

Gutachter halten den Immobilienmarkt in Frankfurt für überhitzt. Nach ihren Einschätzungen sind keine Steigerungen der Wohnungspreise mehr möglich. Im vergangenen Jahr sind die Preise allerdings wieder gestiegen.

          2 Min.

          Der Preisanstieg für Wohnimmobilien in Frankfurt wird sich nach Einschätzung des Gutachterausschusses für Immobilienwerte in den nächsten Jahren abschwächen. „Es lohnt sich nicht mehr, auch weiterhin auf zehnprozentige Preissteigerungen zu vertrauen“, sagte Michael Debus, der Vorsitzende des Ausschusses, am Donnerstag, dem 16. Januar, bei der Vorstellung der Preisentwicklung im vergangenen Jahr. Wesentliche Steigerungen sind nach seiner Ansicht nicht mehr möglich. Dies gelte vor allem für den Fall, dass die Europäische Zentralbank ihre Finanzpolitik ändere und die Kreditzinsen stiegen. Die Überhitzung des Wohnimmobilienmarktes in der Innenstadt führe schon heute dazu, dass Investoren auf dezentrale Stadtteile auswichen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch im vergangenen Jahr haben sich Wohnungen, Grundstücke und Eigenheime in der Mainmetropole weiter verteuert. Der Umsatz im Handel mit Wohnimmobilien erreichte mit 3,3 Milliarden Euro einen Rekord. Die Preise für neugebaute Eigentumswohnungen im Stadtgebiet stiegen um 14 Prozent auf 6950 Euro pro Quadratmeter. Altbauwohnungen, die vor 1919 errichtet wurden, liegen fast auf dem gleichen Preisniveau. Günstiger sind die Baujahrgänge 1919 bis 1949 (4790 Euro im Mittel), 1950 bis 1977 (3810 Euro), 1978 bis 1990 (3690 Euro) und Wohnungen, die seit 1991 gebaut wurden, aber keine Neubauwohnungen sind (5480 Euro). Fasst man alle Altersklassen zusammen, so kostet eine mittlere Eigentumswohnung in Frankfurt 5300 Euro pro Quadratmeter. Die teuersten Stadtteile sind im Neubausegment das Europaviertel, wo eine mittlere Eigentumswohnung 9440 Euro pro Quadratmeter kostet, und im Bestand das Westend, wo der Quadratmeter einer durchschnittlichen Altbauwohnung 10.580 Euro wert ist. Zum Europaviertel zählen auch einige neue Wohntürme, in denen die Wohnungen besonders kostspielig sind. In den obersten Geschossen liegt der mittlere Quadratmeterpreis bei fast 20.000 Euro. Auch die teuerste Wohnung, die 2019 verkauft wurde, befindet sich in einem Hochhaus. Der Erwerber zahlte für das 233 Quadratmeter große Penthouse rund 5,4 Millionen Euro.

          Große Preissprünge

          Das Luxussegment steht aber nur für einen Bruchteil der gesamten Wohnungskäufe: 152 Wohnungen, die mehr als 10.000 Euro pro Quadratmeter kosteten, wechselten 2019 den Besitzer. Die meisten Verkäufe (1043) lagen in der Preisklasse 5000 bis 7500 Euro. Wegen der gestiegenen Preise sind vor allem kleinere Wohnungen stärker gefragt. Die mittlere Wohnfläche schrumpfte von 81 Quadratmetern im Jahr 2017 auf 74 Quadratmeter 2019. Auch bei den Eigenheimen kam es im vergangenen Jahr zu starken Preissprüngen. Neue Reihenhäuser verteuerten sich um fast 22 Prozent auf 930.000 Euro. Ältere Baujahre sind jedoch viel günstiger. Der Anstieg der Bodenpreise schwächte sich im vergangenen Jahr etwas ab.

          Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zieht aus der Preisentwicklung drei Konsequenzen. Erstens müsse das Wohnungsangebot massiv erhöht werden. „Das wird durch den Klimawandel aber nicht einfacher.“ Zweitens setzt Josef darauf, dass sich der neue Baulandbeschluss dämpfend auf die Grundstückspreise auswirkt. Mit dem Beschluss, der vom Frühjahr an gelten soll, schreibt die Stadt die Wohnungstypen bei Neubauvorhaben zu 70 Prozent vor. Darunter sind auch zehn Prozent preisgedämpfte Eigentumswohnungen für förderberechtigte Selbstnutzer. Josef rechnet damit, dass in drei Jahren die ersten unter dieser Regelung entstandenen Wohnungen auf den Markt kommen werden.

          Drittens will der Dezernent die Umwandlung von günstigen Miet- in Eigentumswohnungen erschweren und setzt darauf, dass die Landesregierung den Genehmigungsvorbehalt bei Umwandlungen in Milieuschutzgebieten in diesem Jahr beschließt. Ein erster Entwurf liege schon vor. Schließlich appelliert der Dezernent an die Landesregierung, die Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer zu senken und die Stadt an den Steuereinnahmen zu beteiligen.

          Weitere Themen

          Tische für alle

          Nachhaltige Werkstatt : Tische für alle

          Preiswerte Möbel, bunt lackiert, Antiquitäten aus noblen Hölzern. Walter Meffert hatte schon vieles in seiner Werkstatt. Gern gibt er auch Neuem den Anschein des Alten.

          Topmeldungen

          Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und seine Frau Eva-Maria nach der Stimmabgabe

          Bürgerschaftswahl : Satte Mehrheit für Rot-Grün in Hamburg

          In den Prognosen liegt die SPD mit großem Abstand vorn. Die Grünen verdoppeln ihr Ergebnis. Die CDU verliert, FDP und AfD müssen um den Verbleib in der Bürgerschaft bangen. Rot-Grün hätte eine komfortable Mehrheit.

          Coronavirus : Warum es Italien so schwer erwischt hat

          In Italien steigt die Zahl der Infektionsfälle täglich. Teile des Landes stehen unter Quarantäne, Verstöße werden strafrechtlich geahndet. Venedigs Karneval ist abgesagt, Profi-Fußballspiele fallen aus, die Mailänder Scala ist zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.