https://www.faz.net/-gzg-9pjzd
 

Wohnraum in Hessen : Keine weitsichtige Baupolitik

  • -Aktualisiert am

Wohnungsbau: Der hessischen Baupolitik fehlt die Weitsicht. (Symbolbild) Bild: dpa

Neubaugebiete scheitern oft am Protest weniger, aber gut organisierter Bürger. Das geht zu Lasten derer, die keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Dagegen müssen Kommunen mehr tun.

          Nein, der Vogelsbergkreis gehört nicht gerade zu den boomenden Regionen, in die immer mehr Menschen ziehen wollen. Gerade das ließe aber die rege Bautätigkeit vermuten, die dort in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Die Zahlen zum Wohnungsbau, die das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) nun veröffentlichte, lassen aufhorchen. So liegt die sogenannte Deckungsquote, die die Bautätigkeit ins Verhältnis zum Bedarf durch Wachstum beziehungsweise Schwund der jeweiligen Bevölkerung setzt, im Vogelsbergkreis bei 240 Prozent - das ist viel zu viel für eine Region, die seit mehr als zwanzig Jahren an Einwohnern verliert.

          In den Ballungsräumen, die hingegen seit Jahren wachsen, entsteht zu wenig neuer Wohnraum. Während Frankfurt in den letzten drei Jahren immerhin 79 Prozent seiner benötigten Wohneinheiten gebaut hat, hängt die Landeshauptstadt Wiesbaden mit knapp 50 Prozent weit hinterher. Noch abgeschlagener ist der benachbarte Main-Taunus-Kreis, der nicht einmal die Hälfte der Wohnungen gebaut hat, die nach Berechnungen des IW nötig sind. Hier scheitern Neubaugebiete, die dringend benötigten Wohnraum schaffen würden, nicht zuletzt oft am Protest weniger, aber gut organisierter Bürger.

          Hohes Risiko bei einer Sanierung

          Das Schema ist bekannt: Werden Pläne zum Bau neuer Wohnungen öffentlich, gründen sich als Reaktion darauf Bürgerinitiativen, die diese zu durchkreuzen suchen. Diese Haltung verhindert nicht nur, dass Städte und Kommunen wachsen - die Interessenwahrung Einzelner geht zu Lasten derer, die keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Um weitere Hürden zu beseitigen, etwa Mangel an Bauland, Bodenspekulation und Personalmangel bei den Baubehörden, müssten Kommunen und Land stärker tätig werden.

          Auch im ländlichen Raum läuft in der Baupolitik einiges schief. Sicher, Menschen ziehen dorthin, wo es ihnen gefällt, und sollten in ihrer Entscheidung frei sein. Dass junge Familien lieber in einen Neubau am Ortsrand investieren, als das heruntergekommene Bauernhaus an der Hauptstraße im Ortskern mit hohem Kostenrisiko zu sanieren, ist insofern zunächst einmal nachvollziehbar. Unbefriedigend ist die Entwicklung gleichwohl. Hier ist der Einsatzwille der Politik gefragt, der Verödung der Ortskerne entgegenzuwirken. Ihre Wiederbelebung und Aufwertung ist ohne wirtschaftliche Anreize für die Bauherren aber illusorisch - auch in dieser Hinsicht ist die Landespolitik verstärkt gefragt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Pendlerpauschale : Habecks Eigentor

          Es sei doch sympathisch, wenn Politiker mal zugeben, dass sie keine Ahnung haben, heißt es. Das stimmt – bei Robert Habeck und der Pendlerpauschale aber ist es fatal.

          Thunberg beim Klimagipfel : „Wie könnt Ihr es wagen!“

          In einem emotionalen Auftritt kritisiert Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel in New York die zögerliche Haltung der Politik beim Klimaschutz. Da vor allem Kinder unter dem Klimawandel litten, legt sie eine Menschenrechtsbeschwerde ein.

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.