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Wohnungsbau in Frankfurt : 5200 Wohnungen genehmigt

In den vergangenen Jahren tendiert die Zahl der Baugenehmigungen in Frankfurt nach oben. Viele Wohnungen sind wie das abgebildete Bauvorhaben auf dem Riedberg entstanden. Bild: Gärtner + Christ Gbr

Die Stadt Frankfurt hat 5200 Wohnungen genehmigt - das ist der zweithöchste Wert seit 50 Jahren. Doch die hohe Zahl soll trotzdem nicht reichen. Manche vermissen eine „positive Grundstimmung“ für gewisse Bauvorhaben.

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          Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Frankfurt ist im vergangenen Jahr um elf Prozent auf 5196 Einheiten gestiegen. Das ist, nach 2013, der höchste Wert für Baugenehmigungen im Wohnungsbau seit 50 Jahren. Allerdings ist die genehmigte Bausumme deutlich gesunken, von 1,53 Milliarden Euro im Vorjahr auf 929 Millionen 2015. Die Leiterin der Frankfurter Bauaufsicht, Simone Zapke, begründete dies mit einem Rückgang der Bautätigkeit im Bürosektor und am Flughafen. „Projekte wie das Terminal 3 und die Europäische Zentralbank fehlten“, sagte sie. Fast die Hälfte der Investitionen entfiel 2015 auf den Wohnungsbau. Durch die Umwandlung von Bürogebäuden in Wohnraum entstanden 850 Wohneinheiten, 218 zuvor illegal genutzte Ferienwohnungen wurden zurückgewonnen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) sieht in den „hervorragenden Zahlen“ eine Bestätigung der Wohnungspolitik der schwarz-grünen Koalition. „Wir sind auf dem absolut richtigen Weg“, sagte er. Die Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, das mit einem jährlichen Bedarf von 3130 Neubauwohnungen in Frankfurt rechne, werde deutlich überschritten. „Wir sind auf einem extrem hohen Niveau“, sagte der Dezernent.

          „Nährboden für Verdrängungswettbewerb“

          Allerdings befindet sich rund ein Drittel der im vergangenen Jahr genehmigten Wohnungen in den Neubaugebieten Europaviertel und Riedberg, deren Entwicklung fast fertig ist. Größere neue Baugebiete sind, mit Ausnahme der noch nicht terminierten Überbauung der A661, nicht geplant. Cunitz ist dennoch zuversichtlich, dass sich die hohe Bautätigkeit durch Vorhaben wie auf dem Siemens-Gelände in Rödelheim und dem Avaya-Gelände im Gallus fortsetzen wird. Auch Zapke geht davon aus, dass der Trend 2016 anhalten wird. „Aufgrund der Vorgespräche mit Investoren gehen wir von weiteren Bauanträgen aus“, sagte sie.

          Zuletzt hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) in ihrem Konzept zur Stadtentwicklung auf die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt hingewiesen. „Wenn es nicht gelingt, in der Stadt für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen Wohnraum zu entwickeln, ist das der Nährboden, auf dem Verdrängungswettbewerb gedeiht“, äußerte der IHK-Präsident Mathias Müller.

          „Notwendig, auch Ackerflächen zu bebauen“

          IHK-Vizepräsident Martin Wentz, in den neunziger Jahren selbst Planungsdezernent für die SPD, vermisst eine „positive Grundstimmung“ in der Stadt, wenn es um die Schaffung von Neubauflächen für Wohnraum und Gewerbe geht. In dem IHK-Papier wird auf die Bedeutung großer neuer Baugebiete „im Innen- und Außenbereich“ hingewiesen, um den sozialen Frieden zu erhalten und die Wirtschaftskraft zu sichern. Denn die Fachkräfte seien auf günstigen Wohnraum angewiesen. Die hohe Zahl an Baufertigstellungen in Frankfurt gehe maßgeblich auf die Bautätigkeit auf Arealen wie dem Riedberg und dem Europaviertel zurück, die in den neunziger Jahren geplant worden seien.

          Wentz hebt hervor: „Man kann nur darüber staunen, wie sich die Koalition gegen Neubaugebiete wehrt. Es ist im Hinblick auf den bestehenden Mangel und den kommenden zusätzlichen Bedarf notwendig, auch Ackerflächen zu bebauen. Ohne großflächige Außenentwicklung werden wir die Problemlage auf dem Wohnungsmarkt nicht in den Griff bekommen.“

          Cunitz hält sich und der amtierenden Koalition zugute, den Schwund an Sozialwohnungen gestoppt zu haben. In den neunziger Jahren, als das Ressort noch in sozialdemokratischer Hand gewesen sei, seien jedes Jahr 2500 Sozialwohnungen aus der Bindung gefallen. „In meiner Amtszeit werden wir erstmals seit 20 Jahren einen signifikanten Zuwachs an gefördertem Wohnraum sehen“, sagte Cunitz, der von einem „Paradigmenwechsel“ sprach.

          Weitere Unterkünfte für Flüchtlinge nötig

          Einen Schwerpunkt in der Arbeit der Bauaufsicht machte im vergangenen Jahr auch die Unterbringung der Flüchtlinge aus. 1039 Plätze wurden zur Verfügung gestellt. Die Einrichtung des Landes auf dem Neckermann-Areal ging nicht in die Statistik ein, weil sie vom Regierungspräsidium selbst genehmigt wurde. In diesem Jahr wird der Aufwand für die ämterübergreifende Arbeitsgruppe, die sich um die Übergangswohnheime kümmert, eher noch zunehmen. Die Stabsstelle rechnet mit weiteren 10.000 Flüchtlingen in Frankfurt, für die neue Unterkünfte bereitgestellt werden müssen.

          Ebenfalls neu für die Mitarbeiter der Bauaufsicht war der Umgang mit den Milieuschutzsatzungen. Insgesamt verstießen 149 Bauvorhaben gegen die Vorgaben der neuen Satzungen, davon lagen 60 im Nordend und 33 in Bornheim. Zapke zufolge haben sich die meisten Investoren auf die Änderungswünsche eingelassen und umgeplant. Nur drei Bauvorhaben seien zurückgestellt worden.

          Cunitz will „zügig vorlegen“

          Cunitz wertet das als Beleg, dass der Markt trotz staatlicher Eingriffe genügend Spielräume bietet. Die Sorge der Immobilienbranche, dass die Investitionen zurückgingen, hätten sich nicht erfüllt. Frankfurt sei weiterhin „ein hervorragender Standort für den Wohnungsbau“. Bis auf Bockenheim und das Westend sind die Satzungen für die Gründerzeitviertel zwar noch nicht in Kraft, die Aufstellung wurde aber schon beschlossen. Die Bauaufsicht berät die Bauherren auf dieser Grundlage. Cunitz will die weiteren Satzungen nach der Kommunalwahl der neuen Stadtverordnetenversammlung „zügig vorlegen“.

          Die Bauaufsicht hat im vergangenen Jahr etwas öfter Baustellen kontrolliert, insbesondere wegen Baulärms. Zapke machte auf einen Interessenkonflikt aufmerksam. Während einige Anwohner darum bäten, die Bauarbeiten zu beschleunigen und dadurch die Bauzeit zu verkürzen, verlangten andere, härter gegen Lärm vorzugehen.

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