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Wohnturm im Porsche-Design : Wohnen rund ums Auto

Das Auto immer im Blick: So soll es einmal im Porsche Design Tower in Miami aussehen. In Frankfurt muss der Sportwagen aber draußen bleiben. Bild: Simulation Porsche Design Group

Ein 80 Meter hoher Wohnturm soll im Frankfurter Europaviertel entstehen - ganz im Zeichen der Marke Porsche. Für Besserverdiener gedacht, muss der Turm aber erst noch entworfen werden. Doch Porsche hat da schon seine Ideen.

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          Mit ins Bett kann man das Auto zwar nicht nehmen. Aber immerhin parkt der Sportwagen im neuen „Porsche Design Tower“ in Miami direkt in der Wohnung. Ein spezieller Aufzug für Autos in dem Wohnturm, der 2016 fertig sein soll, macht es möglich. Das wird zwar im Frankfurter Porsche Design Tower höchstens in den unteren Etagen machbar sein. Aber in dem 80 Meter hohen Wohnhochhaus, das der nach eigenen Worten finanzstarke Bauherr P+B Planen und Bauen ohne Bankkredite bis 2018 im Europaviertel realisieren will, soll auch vieles auf das Automobil und die Marke Porsche zugeschnitten sein.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unter anderem soll ein eigenes Parkhaus ansprechend gestaltet werden. Die Porsche Design Group, die sich an dem Projekt gestalterisch beteiligt, wirbt auch mit originellen technischen Innovationen. Einige der 150 bis 200 Wohnungen werden außerdem als möblierte Porsche-Design-Suiten angeboten. „Wir wollen eines der besten Wohnhochhäuser Europas realisieren“, sagte Alfred Hildebrandt, Geschäftsführer der mit der Vermarktung beauftragten Hildebrandt Immobilien GmbH.

          Porsche baut nicht nur Autos

          Die Architektur stammt allerdings nicht aus der Ludwigsburger Designfabrik, sondern wird in einem eigenen Wettbewerb gesucht. Streng genommen gibt das Unternehmen vor allem seine Lizenz, damit der Turm den Namen tragen darf. Aber auch optisch und funktional soll der Wohnturm, den P+B auf ein Grundstück direkt westlich der Emser Brücke setzen will, durchaus zum Image der Marke passen.

          Ein Gestalter der Porsche Design Group wird im Preisgericht vertreten sein. Der Chef-Gestalter Roland Heiler sagte, Porsche Design stehe nicht für eine festgelegte Formensprache, sondern für eine bestimmte Art zu denken. „Von der Armbanduhr bis zum Wolkenkratzer können wir mit der Denkweise alles gestalten.“ Es gibt nicht nur Sonnenbrillen und Kleidung von Porsche, sondern auch Küchen. Die Marke solle sich im Gebäude „ästhetisch widerspiegeln“.

          Wohl kein Autofahrstuhl

          Heiler nannte Gestaltungsrichtlinien beziehungsweise „zehn Gebote“, die man den 20 Architekten mit auf den Weg geben werde: Dazu gehörten ein „authentisches Porsche Design Erlebnis“, eine ikonische, unverwechselbare Architektur, ein ehrliches, funktionales, puristisches und zeitloses Design, die Verwendung „authentischer“ Materialien, anspruchsvolle technische Details, eine „besondere Behandlung des Automobils“ und allgemein ein Fokus auf „intelligente Transportsysteme“. Zur Erläuterung verwies Heiler auf den Porsche Design Tower in Miami: Wie dort seien Glas, Metall und bestimmte Steinsorten besonders geeignet, um der Marke Porsche Ausdruck zu geben. Das gelte auch in Hinblick auf Haltbarkeit: „Nach zehn Jahren soll das Gebäude noch so aussehen wie am ersten Tag.“

          Auf einen Autofahrstuhl wie in Miami werde man aber wohl verzichten, sagte der Geschäftsführer des Bauherrn P+B Gerd Hebebrand. Er könne höchstens bis in die sechste oder siebte Etage fahren. Hebebrandt machte klar, dass die Vorgaben den Architekten in einem „Design Briefing“ verbindlich mitgeteilt würden. Entwürfe, die sich nicht daran hielten, würden aussortiert.

          Um eine international hochkarätige Beteiligung zu sichern, hat der Bauherr sechs Teilnehmer gesetzt: Die Büros Stefano Boeri aus Mailand, 3XN aus Kopenhagen, Delugan Meissl aus Wien, MAD aus Peking, Neutelings Riedijk aus Rotterdam und Neil M. Denari aus Los Angeles haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Etwa 14 weitere Büros werden in einem Bewerbungsverfahren ausgewählt. Bislang haben sich 90 Büros beworben.

          Für einkommensstarke Haushalte

          Der Vorsitzende der Jury, der frühere Präsident des Bunds Deutscher Architekten Michael Frielinghaus, hofft, dass die Freiheit der Architekten nicht eingeschränkt wird. Er ist der Ansicht, dass die Architektur gut zu Frankfurt passen müsse. „Es ist ein Haus gesucht, dass nicht überall stehen kann. Es sollte einmalig und unverwechselbar sein und sich gut in die Stadtgestalt einfügen.“

          Am Rande des Baugrundstücks befindet ein historischer Wasserturm, der als Industriedenkmal erhalten werden soll. In einem Ideenteil des Wettbewerbs sollen sich die Architekten auch mit dem Gebäude beschäftigen, in dem sich Hebebrand auch ein kleines Museum vorstellen kann. Das Immobilienunternehmen Aurelis wird den Turm in Stand setzen und anschließend der Stadt übertragen.

          Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) gratulierte zu dem Bauvorhaben. Es entlaste den Wohnungsmarkt. „Einkommensstarke Haushalte finden hier im Europaviertel ein hochattraktives Angebot und müssen nicht in anderen Vierteln suchen.“ Zum Wunsch des Bauherren, über die Höhe noch einmal zu reden, sagte Cunitz, das wolle er nicht kategorisch ausschließen. Er sehe aber dafür „keinen relevanten Spielraum“.

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