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Alter Woolworth-Bau vor Abriss : Wohninseln in der Bürostadt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Zahl der Wohnprojekte in dem Niederräder Quartier in Frankfurt steigt. Konkrete Pläne gibt es für 1800 Wohnungen, darunter sind auch 400 Appartements.

          Es werden „ganz klassische“ Mietwohnungen, darauf legt Klaus Franken wert. Der Geschäftsführer der Catella Corporate Finance hat nichts gegen die Appartementhäuser in seiner Nachbarschaft. „Aber die sind nicht allein seligmachend.“ Weil solche Angebote viele Wochenendheimfahrer anziehen, die in Frankfurt nicht sesshaft werden, ist die Fluktuation in diesen Gebäuden groß. Franken setzt auf eine andere Zielgruppe: Für rund zwölf Euro je Quadratmeter will er 140Mietwohnungen im mittleren Preissegment anbieten, also in der „VW-Golf-Klasse“, wie er sagt.

          Sobald der Bebauungsplan fertig ist, will er loslegen, spätestens Anfang 2016. Für die Wohnhäuser reißt Catella ein seit Jahren leerstehendes Bürohaus ab. Der alte Sitz der Postgewerkschaft liegt an der Lyoner Straße neben dem zum Wohnhochhaus umgewandelten Büroturm Lyoner Straße19, mit dem 2010 der Wandel des Stadtteils begann. „Spätestens in zwei Jahren wird man die Bürostadt nicht mehr wiedererkennen“, sagt Franken.

          500 Wohnungen am Stadtwald

          Das Projekt ist eines von mehreren Vorhaben, die auf Bewohner abzielen, die Niederrad nicht nur als Werktagsquartier nutzen wollen. Der Bauherr PDI plant auf einem Grundstück am Stadtwald 500 Wohnungen und will dafür die markante Woolworth-Zentrale aus den Sechzigern abreißen. Eine Abbruchgenehmigung liegt vor. Noch in diesem Jahr soll losgehen.

          Die städtische ABG hat mit zwei Wohnprojekten schon begonnen, ein drittes wird vorbereitet: Neben dem PDI-Grundstück wird ein altes Bürohaus der Allianz abgerissen. Es entstehen 134Wohnungen, die Hälfte davon gefördert. Groß&Partner baut schlüsselfertig für die ABG, die Architektur stammt von Berghof und Haller. ABG-Chef Frank Junker hofft, dass der Bebauungsplan im Spätsommer fertig ist, und will dann beginnen.

          Schließlich plant auch der Bauherr Adler Real Estate Wohnungen: Die Stadt will für das Grundstück Herriotstraße5 ein Erbbaurecht vergeben. Nach Plänen des Architekten Thomas Meurer wird ein Bürohaus in ein Boardinghouse mit Kita umgewandelt, daneben entstehen sieben Solitäre mit rund 250Wohnungen. Im Osten des Grundstücks wird eine Fläche dem Grünzug zugeschlagen, mit dem die Stadt das Quartier besser an den Stadtwald und das Mainufer anbinden will. Adler Real Estate will das Projekt gemeinsam mit einem Partner verwirklichen.

          Damit sind von den 3000Wohnungen, die nach Ansicht des Stadtplanungsamts in Niederrad möglich sind, schon rund 1800 im Bau oder stehen kurz vor der Realisierung. Ein Bürogebäude wird derzeit zu einem Appartementhaus mit 182Zimmern umgebaut, ein ähnliches Projekt mit 196Zimmern ist schon fertig. Im Rahmenplan der Stadt ist auch ein Wohnhochhaus eingezeichnet, für das es aber noch keine Pläne gibt. Für den Fall, dass eine Grundschule gebaut werden soll, wurde eine Fläche reserviert. Unklar ist, wie ernst es dem Eigentümer ist, der ein Bürohaus an der Hahnstraße umnutzen will. Der Magistrat berichtet von dem Projekt, angeblich sollen 321Appartements entstehen. Aber der Bauherr ist seit Tagen nicht zu erreichen.

          Problematisch ist, dass die Wohnungen kein zusammenhängendes Quartier bilden. „Die Vorhaben liegen ziemlich weit auseinander, das ist ein Nachteil“, sagt Stadtplanungsamtsleiter Martin Hunscher. Immerhin sei die Bürostadt mittlerweile bei Investoren auch als Wohnstandort akzeptiert. Hunscher macht sich auch Sorgen, ob der zentrale Grünzug wie geplant angelegt werden kann. Beispielsweise liegt das Parkdeck der Firma Siemens genau in der grünen Achse. Die Stadt ist auf die Beteiligung der Eigentümer angewiesen. Wenn sie Grünflächen abtreten, können sie ihre Grundstücke unter Umständen stärker ausnutzen.

          Die private Standortinitiative „Sinn“ vermisst ein Quartierszentrum mit Geschäften und Gastronomie. Weil ihr der Beiname Lyoner Viertel für die Bürostadt nicht gefällt, hat die Initiative einen Namenswettbewerb ausgelobt. Morgen will sie das Ergebnis präsentieren.

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