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Neues Wohnbauprojekt : Nied wächst bis an den Main

Erster Entwurf: So sollen die neuen Wohnblöcke in Nied aussehen. Bild: Animation Dirschl-Federle-Architekten

Der Westrand von Nied wird mit einer Wohnbebauung neu erschlossen. Das Projekt war im Stadtteil umstritten; letztlich erhält dieser nun aber ein neues attraktives Entree und eine Verbindung zum Main.

          Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding, spricht von einer „Stadtreparatur“. Bisher war das ausgewiesene Baugrundstück am Westrand von Nied eine Brache mit Kuhlen und Vertiefungen im Gelände, weswegen das Areal den wenig schmückenden Namen „Nieder Loch“ trägt. In den nächsten drei Jahren soll sich dies entscheidend ändern: Denn das Areal, das sich von der Straße Alt-Nied im Osten sichelförmig zwischen Mainzer Landstraße und bisherigem Ortsrand nach Norden zur Nidda erstreckt, wird mit rund 130 Wohnungen im Passivhaus-Standard bebaut, mit einem Quartiersplatz gestaltet und mit Einzelhandel versehen. „Nied erhält ein attraktives Entree“, sagte Junker, der gestern zusammen mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) den symbolischen ersten Spatenstich setzte.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Eine lang geführte Diskussion um die Erweiterung von Nied nimmt ein gutes Ende“, bekräftigte Feldmann. Wichtiger noch: Mit dem Bauprojekt werde die städtische Offensive für bezahlbaren Wohnraum vorangetrieben. 30 Prozent der neu entstehenden Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen würden über das städtische Mittelstands-Programm gefördert. So könnten Mieten mit Quadratmeterpreisen zwischen 8,50 und 10,50 Euro gewährleistet werden. Dies sei vergleichsweise preiswerter Wohnraum, wie er etwa für Erzieher, Polizisten und Pflegekräfte auch in der Stadt geboten werden sollte.

          Die frei finanzierten Wohnungen werden nach Angaben von Junker zum Quadratmeterpreis von 11,80 Euro angeboten. Gestaltet werde der neue Ortsrand nach einem Entwurf des Frankfurter Architekturbüros „dirschl.federle“, der sich an den im Stadtteil vielfach zu findenden hakenförmigen Gebäudegrundrissen orientiere. Drei Gebäudekomplexe mit jeweils vier Geschossen würden von Norden aus so angeordnet, dass zwischen ihnen zwei Innenhöfe entstehen, die begrünt und mit Bäumen bepflanzt werden sollen. Bis Anfang 2020 sollen diese Bauten fertiggestellt sein. Der Wohnkomplex werde auf seiner an den alten Ortskern grenzenden Seite auf drei Geschosse abgestuft. Der Höhenunterschied zwischen alter und neuer Bebauung werde so verträglicher gestaltet.

          Attraktive Ausblicke zum Fluss

          In der Mitte des Baugebiets endet die aus dem Ortskern kommende Stichgärtenstraße bisher als Sackgasse. Diese Wegeverbindung werde für Fußgänger und Radfahrer fortgebaut. Sie soll über den im Wohnviertel vorgesehenen Quartiersplatz hinweg, zu einer neuen ampelgeregelten Querung der Mainzer Landstraße und der Straßenbahngleise und weiter zum rund 100 Meter nahen Mainufer führen. Nied wächst an den Main, meint Junker. Von der neuen Bebauung werde es attraktive Ausblicke zum Fluss geben.Im zweiten Bauabschnitt, der sich südlich der Stichgärtenstraße anschließe, werde ein fünfgeschossiger Gebäudekomplex in Form eines U errichtet. Zur Kreuzung von Mainzer Landstraße und Alt-Nied entstehe ein weiteres Gebäude, in dem ein Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von 2000 Quadratmetern unterkommen soll. Die Arbeiten in diesem Bauabschnitt starteten jedoch erst ein Jahr später, weil dort noch der Bebauungsplan fehle, so Junker. Auch sei ein bisher nicht bekannter Abwasserkanal entdeckt worden, der verlegt werden müsse.

          Der Wohnbebauung weichen werde die vorhandene Wendeschleife für Straßenbahnen; diese werde durch ein Kopfgleis ersetzt, auf dem die Züge einfahren und wieder entgegengesetzt ausfahren könnten. Oberirdisch erhalte das neue Viertel keine Parkplätze. Für die Zufahrt zur Tiefgarage unter den Wohnblöcken werde parallel zur Mainzer Landstraße und zu den Straßenbahngleisen eine gesonderte Fahrbahn angelegt. So könne vermieden werden, dass die Straße Alt-Nied als Zufahrt genutzt werde. Vor diesem Szenario hatten im Vorfeld der Planungen viele Bürger im Stadtteil gewarnt. Insgesamt würden 170 unterirdische Stellplätze geboten. Bis Ende 2021 werde der Ortsrand von Nied, im Dreieck von Main und Nidda, dann neu gefasst sein. Insgesamt investiere die ABG Frankfurt Holding 55 Millionen Euro, so Junker.

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