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Wölfe in Hessen : Nur gucken, nicht folgen!

„Wenn er da ist, ist er da“, sagt der Landesjagdverband Hessen über den Wolf. Und will ihn schonen. Bild: dpa

Fünf Wochen ist es her, dass in Frankfurt ein Wolf überfahren wurde. Kehren diese Tiere in größerer Zahl nach Hessen zurück? Und ist das Land vorbereitet?

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          Sie ist eine beherzte Frau. „Ich habe keine Angst vor dem Wolf. Ich habe Angst vor unangeleinten Hunden“, sagt Andrea Pfäfflin. Die Diplom-Pädagogin leitet einen Waldkindergarten bei Wehrheim im Taunus. „Der Wolf ist ein wildes Tier und hat Angst vor mir“, sagt die Erzieherin. Sie hat gelernt, wie mit potentiell gefährlichen Lebewesen umzugehen ist. „Der Luchs ist ja schon da“, sagt sie; zu dem aggressiven Rehbock im Wehrheimer Forst hält sie Sicherheitsabstand. Für den Fall, dass ein Wolf an ihrem Kindergarten vorbeitrabt, will Pfäfflin, die auch Schutzgebietsbetreuerin im Auftrag des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) ist und diesem alles Ungewöhnliche meldet, vorbereitet sein. Mitte September trifft sie sich mit sämtlichen Erzieherinnen des Usinger Landes. Gemeinsam mit einem Jagdaufseher, einem Förster und einem „Wolfsbotschafter“ soll über die womögliche Rückkehr von Canis lupus in die hiesigen Wälder beraten werden.

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Wolf ist wieder da: Faszination lösen solche Meldungen aus, auch Angst. Noch hätten sich ihr gegenüber die Eltern nicht besorgt geäußert, sagt die Erzieherin im Taunus-Waldkindergarten. Andreas Lenhart kann anderes berichten. Er ist einer von 40 „Wolfsbotschaftern“ des Nabu in Hessen. Als Sprecher der neuen „Landesarbeitsgruppe Wolf“ hat er eine entsprechende Schulung absolviert; in Kroatien und Rumänien hat er schon vor Jahren Freilandwölfe beobachtet. Als im November 2014 ein wolfsähnliches Tier bei Idstein gesichtet wurde, erhielt er 93 Anrufe verängstigter Bürger. Der vermeintliche Wolf entpuppte sich wenig später als Husky.

          Panik vor dem Wolf in Niedersachsen

          Auch die vier wolfsähnlichen Tiere, zwei große und zwei kleinere, die zwei Einwohner Schmittens Ende April im Hochtaunus sahen, hält Lenhart nicht für Wölfe: „Jungwölfe kommen hier Mitte bis Ende Mai zur Welt, und die Jährlinge sind nicht kleiner als ihre Eltern.“ Der Erzieherin Pfäfflin empfiehlt Lenhart einen sogenannten Lappenzaun zum Schutz der Betreuungseinrichtung unter freiem Himmel. Im Landkreis Vechta in Niedersachsen werden Lappenzäune für Waldkindergärten schon verwendet: Es sind Leinen mit bunten Wimpeln daran, seit jeher gilt das als ein guter Schutz gegen die Raubtiere.

          Seit die ersten Wölfe der mitteleuropäischen Tieflandpopulation nach Westen wandern, herrscht in den Ländern Aufregung um die großen Beutegreifer. Sachsen haben sich nach 15 Jahren an das Zusammenleben mit dem Wolf gewöhnt. In Niedersachsen grassieren derzeit Panik und Hysterie, weil sich die Wölfe dort nicht so scheu verhalten wie von Fachleuten vorausgesagt. Im hessischen Reinhardswald dagegen erfreute sich ein Wolf fünf Jahre lang großer Beliebtheit, bevor er im April 2011 verendet aufgefunden wurde. Im selben Jahr wurde im Landkreis Gießen ein Wolf angefahren und fotografiert, bevor ihn 2012 ein Jäger im Westerwald erschoss. Am 9. März dieses Jahres wurde auf der A 66 bei Bad Soden-Salmünster eine Wölfin überfahren, am 21. April schaffte es ein junger Rüde bis Frankfurt, wo ihm die Südspur der A 661 am Preungesheimer Dreieck zum Verhängnis wurde.

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