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Das Verbraucherthema : Aus Hollywood direkt auf den Computer

  • -Aktualisiert am

Auf Abruf: Amerikanische Serien im Internet. Bild: Gyarmaty, Jens

Filme und Fernsehserien im Originalton sind bei deutschen Zuschauern beliebt. Video-on-Demand-Dienste stellen sich darauf ein, haben aber erst wenige Titel im Programm. Das Verbraucherthema.

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          Dass die amerikanische Floskel „How are you?“ für die deutschen Zuschauer von Hollywoodfilmen mit „Wie geht’s denn so?“ übersetzt wird, geht vielen Filmfreunden auf die Nerven. Kein Mensch redet so. Die deutsche Dialogspur, die allen ausländischen Produktionen verpasst wird, bevor sie hierzulande ins Kino oder ins Fernsehen kommen, scheitert oft an ihrem eigenen Anspruch. Längst ist es deshalb nicht nur unter Cineasten und polyglotten Snobs ein Trend, lieber gleich die Originalfassungen von Filmen anzuschauen. Doch wo findet man die?

          Obwohl in deutschen Kinos üblicherweise Synchronfassungen gezeigt werden, haben immer mehr Lichtspielhäuser ihre Filme inzwischen auch als „OV“ und „OmU“ im Programm. Während „OV“ eine „Originalversion“ ausweist, steht „OmU“ für die „Originalversion mit Untertiteln“. Im Cinestar Metropolis am Eschenheimer Turm in Frankfurt machen Vorführungen im englischen Originalton nach Angaben von Theaterleiter Christian Seifert bereits ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Auch in den Kinos Cinema und Harmonie kommen die untertitelten englisch- und französischsprachigen Filme gut an, vor allem bei jungen Zuschauern, sagt Harald Vogel, der Geschäftsführer beider Häuser.

          Serien auch offline anzuschauen

          Wer lieber amerikanische Fernsehserien schaut, die bei ihrer Ausstrahlung im deutschen Fernsehen oft einen jämmerlichen Übersetzungstod sterben, kann Abrufdienste für Videos im Internet nutzen: Video on Demand: Hier sind Serien auch im Originalton verfügbar. Einzelne Episoden lassen sich aus dem Internet direkt auf Computer, Smartphone oder Tablet streamen. Manchmal können sie zum Gebrauch im Offline-Modus sogar vorübergehend heruntergeladen werden. Zum Anschauen braucht man dann kein Internet mehr. Das ist etwa von Vorteil für die Unterhaltung im Zug.

          Bei Preisen und Medienbestand der unterschiedlichen Plattformen gibt es durchaus Unterschiede. Das Monatsabonnement für den Vivendi-Dienst Watchever ist für 8,99 Euro zu haben und erlaubt uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Inhalte der Plattform. Auf den ersten Blick erscheint das Angebot reichlich, doch der Bestand an aktuellen Serien ist nicht gut bestückt. Maxdome, der etwas breiter aufgestellte Video-on-Demand-Dienst der Pro Sieben Sat 1 Media, kostet Abonnenten monatlich einen Euro weniger als Watchever, erhebt allerdings noch Zusatzpreise. Um etwa die Serie „Homeland“ anzuschauen, muss der Nutzer im Moment 2,49 Euro pro Folge entrichten, egal ob er bereits für das Abo zahlt oder nicht.

          Streamen teurer als DVD

          Fans wird es außerdem auch auf diese feinen Unterschiede ankommen: Von der Retroserie „Mad Men“ und dem Drogenthriller „Breaking Bad“ zum Beispiel hat Watchever fünf Staffeln auf Lager. Maxdome bietet von „Mad Men“ nur die Staffeln drei bis fünf auf Englisch an, kann dafür aber mit der finalen sechsten Staffel von „Breaking Bad“ punkten.

          Das erst kürzlich eingerichtete Streaming-Angebot Instant Video von Amazon ist trotz des günstigen Jahrespreises von 49 Euro für Freunde des Originaltons ebenso uninteressant wie Google Play - beide Dienste beschränken sich auf deutsche Synchronfassungen. Nur zu hohen Preisen gibt Amazon vereinzelt Inhalte auch im Originalton heraus. Für die erste Staffel der Polit-Serie „House of Cards“ werden zurzeit 26,99 Euro verlangt. Das ist teurer, als die Serie auf DVD zu bestellen.

          Mageres Angebot bei Telekom-Ableger

          Der iTunes-Store von Apple operiert ausschließlich mit solchen Einzelpreisen und bietet kein Abo an. Die nichtsynchronisierten Medien muss der Kunde kaufen oder leihen. Damit ist iTunes der einzige größere Video-on-Demand-Anbieter, der kein Streaming, also den Empfang von Ton- und Bilddateien, die während des Herunterladens gehört und betrachtet werden können, unterstützt.

          Nutzer von Videoload, einem Portal der Deutschen Telekom, können zwischen einem Film-Abo für 4,99 Euro und einem Serien-Abo für 9,99 Euro wählen. Obwohl die Kunden hier mehr Geld zahlen als bei Watchever und Maxdome, steht ihnen nur ein mageres englischsprachiges Kontingent von 27 Originalton-Serien zur Verfügung. Formate wie „Two and a Half Men“ und „The Big Bang Theory“ sind allerdings direkt nach der amerikanischen Fernsehausstrahlung abrufbar.

          Viele Kultserien fehlen

          Gerade diese Aktualität erwarten Nutzer von Video-on-Demand-Diensten. Ein Problem der Synchronfassungen ist nämlich auch, dass sie immer erst mit Verzögerung angeboten werden. Die neuen Folgen von „How I Met Your Mother“ zum Beispiel - Pro Sieben strahlt die neunte Staffel seit vergangener Woche aus - haben die deutschen Fans fast alle schon gesehen. Da die Folgen in Amerika seit September laufen, kursieren sie nämlich längst auf illegalen Seiten im Netz.

          Der Bezahlsender Sky stellt den Abonnenten seiner Premiumpakete deshalb viele beliebte Serien parallel zur originalsprachlichen Erstausstrahlung zur Verfügung. Nur hier kann man schon jetzt die neuen Staffeln von „House of Cards“ und „Game of Thrones“ ansehen und ältere Komplettserien wie „Band of Brothers“ im Originalton abrufen, was mindestens 34,90 Euro im Monat kostet.

          Wer das zu teuer findet, muss hierzulande länger auf seine Lieblingsserien warten und auf viele ganz verzichten. Denn der Bestand von Watchever, Maxdome und Videoload gibt in dieser Sparte bisher nicht viel her. Kultserien wie „Twin Peaks“ oder „The Sopranos“ werden die Abonnenten schmerzlich vermissen - und auf die hatten sie sich doch besonders gefreut.

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