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Steinerne Zeitzeugen : Wo Landesherren an ihre Grenzen stießen

  • -Aktualisiert am

Wilhelm Ott erläutert den Grenzweg an einem alten Markierungsstein. Bild: Lakuntza, Nerea

Zwischen Dreieichenhain, Langen und Neu-Isenburg trafen einst die Gebiete von Ysenburg, Hessen-Darmstadt und Hanau-Lichtenberg aufeinander. Mehrere Geschichtsvereine wollen dort die Geheimnisse steinerner Zeitzeugen lüften.

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          Wer Grenzsteine versetzte und sich dabei erwischen ließ, musste in früheren Jahrhunderten mit harten Strafen rechnen. Hatte der Täter Glück, wurde ihm nur die Hand abgehackt. Mancherorts drohte ihm im Mittelalter aber auch, bis zum Hals in die Erde eingegraben zu werden, sodass ihm anschließend der Kopf abgepflügt werden konnte. Österreichische Rechtsquellen, sogenannte Weistümer, aus dem 15. und 16. Jahrhundert, sahen als Strafe gar vor, den Grenzfrevler lebendig mit dem Kopf nach unten in die Grube des Grenzsteins zu stecken, den Grenzstein zwischen die Beine zu setzen und die Grube danach zuzuschütten.

          Ob derlei Strafen tatsächlich vollstreckt wurden, ist nicht belegt. Heute lassen sich Grenzen mithilfe von GPS-Daten genauestens kartieren. Dennoch gilt es bis in die Gegenwart nicht als Kavaliersdelikt, einen Grenzstein zu vernichten oder zu verrücken: Paragraph 274 des Strafgesetzbuches legt dafür eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe fest. Der Diebstahl eines historischen Grenzsteins ist strafbar, weil es sich um ein Bodendenkmal handelt.

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