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Wissenschaftsstraße beim Hessentag : Explodierende Küsse und ein Cyberman

  • -Aktualisiert am

Kraftpaket: Diesen 333 PS starken Fahrlader SLP-14 stellt K+S auf dem Hessenfest aus Bild: K+S

„Heute schon am Gyroskop gedreht?“ - so lautet eine Frage an Besucher auf der Wissenschaftsstraße beim Hessentag. Dort explodieren zudem Küsse, und es begegnet einem auch ein Cyberman.

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          Die Wissenschaftsstraße führt unmittelbar zum Erfolg. Tausende kommen während des Hessentags zu den Ständen zwischen dem Stände- und dem Scheidemannplatz am Westrand der Kasseler Innenstadt. „Wissenschaft ist zum Erleben da“, verspricht Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) und lässt sich selbst auf das Abenteuer ein: Mit elektronischen Hilfsmitteln legt sie am Stand der Düngemittelherstellers K+S AG die Prüfung ab, um unter Tage einen Lader, ein Fahrzeug zum Transport von Bodenschätzen, zu fahren. Denn an der Straße der Wissenschaft hat auch die heimische Industrie mit K+S als ein unübersehbarer Unterstützer ihren Stand aufgeschlagen. Thomas Nöcker, Personalvorstand des größten Salzherstellers der Welt, lädt ein zu den „täglich anderen Experimenten“, zu den „explodierenden Schokoküssen“ und den „fliegenden Magneten“.

          Das gesamte Projekt, für das Oliver Zarski von der Hessen Agentur verantwortlich zeichnet, steht unter dem Titel „Hessen schafft Wissen“. Ziel ist laut Zarski die gemeinsame Markenbildung der Universitäten und Hochschulen in Hessen sowohl national als auch international, um Forschungsaufträge ins Land zu holen. Für Zarski ist dies ein „beispielhaft gutes Projekt“. Gleichwohl erinnert er die Hochschulen daran, dass sie, um besonders international Aufmerksamkeit zu finden, die große gemeinsame Marke herausstellen müssten. Der Auftritt während des Hessentags sei wegen seiner Größe, der Dauer und der Breite des Publikums einmalig.

          „Heute schon am Gyroskop gedreht?“

          Auf der Wissenschaftsstraße sind auch das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik aus Kassel, die Schwerionenforscher aus Darmstadt und Frankfurt sowie die Landes-Exzellenzinitiative Pro Loewe vertreten. Pro Loewe versteht sich als eine Art „Selbsthilfegruppe“ der neun Loewe-Zentren und 23 Loewe-Schwerpunkte, wobei die Abkürzung für „Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ steht, wie Dörte Florack von Pro Loewe berichtet. Seit gut einem Jahr gehöre die Hälfte der 32 Loewe-Projekte dem Zusammenschluss an. Florack präsentiert zusammen mit Wissenschaftlern ein Kaleidoskop des Wissens. Das Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrum Frankfurt tritt unter dem Titel „Hilfe! Neue Mücken kommen“ auf, während Kasseler Forscher das Projekt Venus vorstellen, das dank eines elektronischen Datentransfers den Austausch von Visitenkarten ersetzen soll.

          Humorvoll zeigt sich Pro Loewe zudem. „Heute schon am Gyroskop gedreht?“, lautet eine Frage an die Gäste Was dies wohl sei? Ein griechisches Orakel, ein Gerät zur Bestimmung des Knoblauchgehalts in Speisen oder eine Hilfe zur Lagebestimmung etwa in Smartphones? Die letzte Antwort sei richtig, verrät Florack.

          Den Stand der Kasseler Universität nutzt jeden Tag ein anderer Fachbereich als Bühne. Maschinenbaustudenten sind als „Herkules Racing Team“ mit ihrem Rennwagen vertreten. Das Auto ähnelt einem Smart Roadster von Daimler, wie er schon lange nicht mehr gebaut wird. Er hat wie dieser etwa 90 PS, wiegt aber nur 246 Kilogramm, was dem Rennwagen aus Kassel zu einer Beschleunigung in weniger als vier Sekunden von null auf hundert Kilometer in der Stunde verhilft. Die Kasseler fahren mit dem Auto von Beginn an im oberen Drittel des deutschen und europäischen Rennwettbewerbs „Formula Student“ mit, der vom Verein Deutscher Ingenieure gefördert wird. Von der Konstruktion bis zum Bau des Autos müssen die Studenten alles selbst schultern. Die Professoren dürfen nur mit Hinweisen zur Methodik helfen, wie Oliver Sträter, Prodekan im Fach Maschinenbau, bedauert. Die Industrie ist froh über den Erfolg im Rennsport. Der Volkswagen-Konzern, der in Kassel sein zweitgrößtes Werk in Deutschland nach Wolfsburg hat, zeigt sich dankbar, moderne, leichte Bauteile aus neuesten Werkstoffen gemeinsam mit den Studenten in dem kleinen Rennwagen für alle seine Marken testen zu können.

          Multis dankbar für Studentenideen

          Nebenan schlägt ein anderer Wissenschaftler Rad. Es ist der Cyberman: Jürgen Pfitzmann hat sich mit 18 Messsonden ausstaffiert, um zu ermitteln, welche Arbeitsabläufe seinen Körper in welcher Weise belasten. „Wir sind mit unserer Wissenschaft sehr nah an den Firmen dran“, sagt Sträter. Nicht nur Volkswagen, auch die Lufthansa, die Deutsche Bahn oder der Energiekonzern RWE kooperierten etwa mit der „Arbeits- und Organisationspsychologie“ am Fachbereich Maschinenbau. Der Cyberman hilft, Arbeitsabläufe zu optimieren, damit eine alternde Gesellschaft länger ihre Spannkraft erhält, wie es heißt.

          Die Blickbewegungsbrille am Stand nebenan hilft, die mentale Wirkung der Arbeit und etwa deren psychische Belastung zu messen. Wenn ein Mitarbeiter ermüdet oder die Abläufe nicht mehr versteht, verrät dies sein Blick. Die Kasseler Wissenschaftler messen, inwiefern zu viel Information auf einem Bildschirm, einem Navigationsgerät oder einem Mobiltelefon etwa einen Fahrer, einen Piloten oder einen Lokomotivführer zu sehr ablenken. Der Strom der Passanten in der Wissenschaftsstraße reißt nicht ab. Bis spät in den Abend bleiben die Läden geöffnet.

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