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Zur Kaufhausfusion : Mehr als nur Rabatte

In Schieflage: Das Konzept von großen Warenhausketten geht nicht mehr auf. Bild: EPA

Karstadt und Kaufhof werben verzweifelt mit immer neuen Rabatten um Kunden, doch es hilft alles nichts: Ihr Ansatz, alle Waren in einem Haus anzubieten, ist längst überholt. Eine Fusion allein dürfte sie auf Dauer daher kaum retten.

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          20 Prozent Nachlass auf Schuhe und Schmuck, alle T-Shirts reduziert, 7-Tage-Rabatt auf Sakkos, überall rote Prozentzeichen und Durchsagen, die für preisreduzierte Reisekoffer werben – wer gestern die Karstadt-Filiale an der Frankfurter Zeil betrat, konnte schnell den Eindruck bekommen, der Ausverkauf habe schon begonnen, nur wenige Stunden nach der Verkündung der Fusion von Karstadt und Galeria Kaufhof.

          So weit ist es zwar noch nicht, denn bis jetzt ist unklar, ob Warenhäuser geschlossen werden. Karstadt und Kaufhof an der Zeil etwa liegen zwar nur 450 Schritte voneinander entfernt, sie dürften sich jedoch angesichts ihrer Lage an Deutschlands bestfrequentierter Einkaufsstraße noch die wenigsten Sorgen machen müssen. Ähnliches gilt für die zentralen Häuser in Wiesbaden und Mainz. Für die Filialen in anderen Orten könnte es dagegen eng werden.

          Aber die massive Rabattwerbung, die schon seit langem in beiden Kaufhausketten zu sehen ist, zeigt, dass die Häuser fundamentale Schwierigkeiten haben. Sie erinnert zunehmend an den Slogan „20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung“, mit der sich die Baumarktkette Praktiker gegen den Untergang stemmte – erfolglos. Denn wer vor allem mit dem günstigen Preis wirbt, der signalisiert, dass er sonst kaum Unterscheidungsmerkmale hat.

          Überholter Ansatz

          Es ist ja nicht allein das Internet mit seinen Preisvergleichsseiten, das die Kaufhäuser Umsätze kostet. Der Ansatz, alle Waren in einem Haus anzubieten, hat sich – wie schon der Untergang der Versandriesen Quelle und Neckermann gezeigt hat – überholt. Um Markenprodukte zu bekommen, wollen sich Kunden nicht mehr durch riesige fünfstöckige Häuser drängeln müssen, sie gehen lieber zu Spezialisten wie Zara, Esprit, Primark und H&M, die die Rotationsgeschwindigkeit ihrer Saisonmode drastisch erhöht haben und bei denen vor allem die Zielgruppe weiß, für welchen Stil sie stehen.

          Eine Fusion allein dürfte deshalb die Warenhäuser auf Dauer kaum retten. Sie müssen Konzepte entwickeln, die ihren Kunden vermitteln, warum man sie braucht. Nur mit Dauerrabatten werden die Häuser sicher nicht gegen die Konkurrenz ankommen, ob sie nun im Netz zu finden ist oder schräg gegenüber an der gleichen Straße.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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