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Leihräder-Kommentar : Keine Angst vor Neuem

Wartestand: Obike-Räder in Zeiten der Insolvenz der Firma - die Räder anderer Anbieter werden etwa in Frankfurt eifrig genutzt Bild: dpa

Datenhandel, Verkehrsbehinderungen und Schrottberge – als Leihräder plötzlich per App gebucht werden konnten, gab es viele Bedenken. Doch von dem Angebot profitieren nicht nur Pendler und Touristen.

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          Was waren die Befürchtungen doch groß von einem halben Jahr, als quasi über Nacht Tausende Leihräder in der Region auftauchten und überall abgestellt werden durften. Die Chinesen kommen, wie manche in Frankfurt ängstlich raunten: Datenhandel, Verkehrsbehinderungen, Schrottberge – dies und noch einiges mehr drohten nun in etwa Frankfurt, hieß es.

          Abgesehen davon, dass von den damals fünf Anbietern kein einziger aus China stammt – der in die Insolvenz gerutschte Anbieter Obike ist aus Singapur, Limebike aus Kalifornien und Byke, Call-a-bike und Nextbike wurden in Deutschland gegründet –, ist von den Befürchtungen wenig eingetreten. Die noch immer mehr als 6000 Leihräder in der Stadt werden inzwischen täglich von Tausenden genutzt. Dass eins von ihnen einmal jemandem den Weg versperrt, sieht man deutlich seltener als Autos, die auf Radwegen und Bürgersteigen illegal parken.

          Das befürchtete Chaos

          Die Stadtverwaltung dürfte das als ihren Erfolg verbuchen wollen, hatte sie hatte Anfang des Jahres ein „Merkblatt“ erstellt, wonach die Räder nicht dort abgestellt werden dürfen, wo sie den Verkehr oder die Aussicht behindern. Rechtlich verbindlich war es allerdings nicht. Es liegt damit vor allem an den Leihrad-Anbietern selbst, dass das befürchtete Chaos ausblieb. Sie haben kein Interesse, den Zorn der Bürger und damit den ihrer potentiellen Kunden zu entfachen. Also halten sie sich an die Richtlinien der Stadt und bemühen sich um Ordnung.

          Wenn die Kommunalpolitiker die rechtliche Handhabe gehabt hätten, wären die neuen Leihrad-Angebote womöglich verboten worden, aus Angst vor dem Unbekannten. Weil der Politik aber die Hände gebunden waren, konnten die Start-ups ihre Angebote testen und verbessern.

          Alternative Konzepte

          Davon profitieren nun nicht nur die vielen Pendler und Touristen, die diese Räder täglich für Kurzstrecken mieten. Sondern vor allem profitiert die Stadt, denn diese Reisenden nutzen Bahnen und Räder statt noch mehr Autos, die dann im Stau stehen, die Luft belasten und Parkplätze belegen.

          Um durchschnittlich 10.000 Einwohner wächst Frankfurt derzeit jedes Jahr, nicht aber der Platz für Straßen und Parkplätze. Will die Stadt also keinen Verkehrskollaps erleiden, muss sie Unternehmen erlauben, alternative Konzepte auszuprobieren. Und nicht von vornherein ängstlich auf Neues reagieren.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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