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Zinsen in Rhein-Main : Null Prozent aufs Tagesgeld

Pfennigfuchser: ein Graffito am Bauzaun des neuen EZB-Turms Bild: dpa

Die winzigen Zinsen der EZB schlagen mehr und mehr auf das Tagesgeld durch. Die Zinssätze schrumpfen zusehends. Die Naspa zahlt für kleine Beträge gar nichts mehr.

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          Bei der Taunussparkasse muss der Kunde schon ein bisschen suchen, bis er ein Tagesgeldangebot auf der Internetseite findet. Und selbst wenn er sich bis zum Angebot „Zins&Cash“ durchgeklickt hat, muss er für den Zinssatz noch die Lupe verwenden. Gerade einmal 0,15 Prozent bietet das Bad Homburger Kreditinstitut seit dem 1. Juli den Sparern, die ihr Geld täglich verfügbar auf dem Konto parken wollen. Wer dem Haus also ein Jahr lang 10.000 Euro überlässt, erhält dafür magere 15 Euro, vor Abzug der Kapitalertragsteuer.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Taunussparkasse ist in guter Gesellschaft. Bei fast allen Kreditinstituten in der Rhein-Main-Region befinden sich die Zinssätze für die sichere Geldanlage seit Monaten im Sinkflug. Die Frankfurter Sparkasse bietet noch 0,5 Prozent fürs Tagesgeld, die Sparda-Bank Hessen 0,2, die Wiesbadener Volksbank gerade noch 0,1 Prozent. Und wer bei der Nassauischen Sparkasse weniger als 2000 Euro anlegen will, dem wird sein Geld inzwischen sogar mit null Komma nichts verzinst.

          Niedrigzinsen entwerten das Geld faktisch

          Die Banken schieben die Schuld auf die Europäische Zentralbank. Bei ihr können sich Kreditinstitute schon seit einiger Zeit zu historisch niedrigen 0,15 Prozent Geld leihen. Warum sollte ein Kreditinstitut seinen Privatkunden mehr zahlen? Der Interbankenzins, zu dem sich die Institute untereinander Geld leihen, sei sogar noch etwas niedriger, betont ein Sprecher der Taunussparkasse.

          Waren die Zeiten für Sparer schon seit längerem schlecht, so ist die Schmerzgrenze nun langsam erreicht. Noch vor drei Jahren hatten die Banken im Schnitt um die 1,8 Prozent auf das Tagesgeld gezahlt, wer ein bisschen suchte, bekam auch deutlich bessere Angebote. Doch jetzt nähert sich der Durchschnittswert der Angebote, die die Frankfurter Finanzberatung FMH auf ihrer Homepage zusammenträgt, der Nulllinie.

          Bei so niedrigen Zinsen geht es nicht mehr darum, dass sich das liebe Geld nicht von allein vermehrt. Es wird real entwertet. Selbst bei einer moderaten Teuerungsrate von einem Prozent ist das Geld, das zu solchen Konditionen auf der Bank liegt, von Jahr zu Jahr weniger wert. Denn was in diesem Jahr 10.000 Euro kostet, ist bei dieser Inflationsrate im nächsten Jahr 100 Euro teurer. Da nutzen 15Euro von der Taunussparkasse wenig.

          Um die Nulllinie: Der Leitzins der Europäischen Zentralbank ist so niedrig wie lange nicht - das hat Auswirkungen auf Tagesgeldzinsen.
          Um die Nulllinie: Der Leitzins der Europäischen Zentralbank ist so niedrig wie lange nicht - das hat Auswirkungen auf Tagesgeldzinsen. : Bild: dpa-infografik

          Nun haben die Sparkassen noch nie zu den Instituten gehört, die mit Kampfkonditionen für das Tagesgeld um neue Kunden gebuhlt haben. Die meisten öffentlich-rechtlichen Institute und auch die Volksbanken können sich auf die Trägheit ihrer Kunden verlassen, die lieber alles beim Alten belassen, statt ihre Spargroschen zu einer anonymen Onlinebank oder auch nur zur benachbarten Konkurrenzfiliale zu tragen. Deswegen haben diese Häuser ihre Tagesgeldangebote stets lieber in der Hinterhand gehalten und nur die Kunden darauf gestoßen, die schon kurz vor dem Absprung zu einer besser zahlenden Direktbank waren.

          Doch auch bei diesen Online-Häusern ist mit Tagesgeld immer weniger zu holen. Eine Eins vor dem Komma gibt es nur noch für Lockangebote, in den meisten Fällen gilt die Schaufensterkondition nur wenige Monate lang für Neukunden oder für bestimmte Anlagesummen. Die Online-Tochter der Frankfurter Sparkasse zum Beispiel, die 1822direkt, liegt zwar mit 1,3 Prozent derzeit weit oben in den Zinsvergleichen. Doch schon vom 1.November an gilt der Neukunde als Bestandskunde und erhält 0,5 Prozent.

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