https://www.faz.net/-gzg-vwkg

Zeitarbeit : Manpower sucht im Raum Frankfurt 830 Mitarbeiter

Manpower-Chef Reitz: „Klebeeffekt” hat in jüngster Zeit stark zugenommen Bild: F.A.Z.

Je länger der konjunkturelle Aufschwung dauert, um so schwieriger wird das Geschäft mit der Zeitarbeit. Allein der Branchenvertreter Manpower sucht im Rhein-Main-Gebiet mehr als 800 Mitarbeiter.

          3 Min.

          Je länger der konjunkturelle Aufschwung dauert, um so schwieriger wird das Geschäft mit der Zeitarbeit. Auf den ersten Blick mag das verwundern, tatsächlich entspricht dieser Effekt der Logik des Arbeitsmarktes, wie Thomas Reitz bestätigt. Er ist Chef der in Frankfurt angesiedelten Manpower GmbH, der deutschen Dependance des börsennotierten amerikanischen Personaldienstleisters gleichen Namens.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Wenn der Personalbedarf nach einer wirtschaftlichen Flaute wieder steigt, greifen Unternehmen zunächst auf die Mitarbeiter von Zeitarbeitsunternehmen wie Manpower, Adecco, Randstad oder Persona Service zurück, um längerfristige Bindungen zu vermeiden. Erweist sich die gute Konjunktur aber wie zurzeit in Deutschland als robust, hat das zur Folge, dass sich immer mehr Unternehmen auch wieder zu Festanstellungen entschließen. Und was liegt dann näher, einen Zeitarbeiter, der schon im Haus tätig ist und sich bewährt hat, direkt abzuwerben, wie Reitz weiter sagt. Dieser „Klebeeffekt“ habe in jüngster Zeit stark zugenommen. Zurzeit liegt der Anteil der Mitarbeiter, die Manpower auf diese Weise verlorengehen, zwischen einem Drittel und 40 Prozent. Beim Konkurrenten Randstad waren es 2006 etwa 15.000 Männer und Frauen.

          „Wir suchen in Deutschland rund 5000 Mitarbeiter“

          „Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt der Manpower-Deutschland-Chef, dessen Haus in Deutschland an 200 Standorten mehr als 21.000 der fast 600.000 deutschen Zeitarbeiter beschäftigt. Es sei natürlich eine gute Reklame für sein Unternehmen, allerdings gingen so auch rasch die besten Mitarbeiter wieder verloren, und es werde immer schwieriger, neue zu finden. „Wir suchen derzeit in Deutschland rund 5000 Mitarbeiter“, klagt er. Allein in der Rhein-Main-Region können seine Mitarbeiter zurzeit 830 Stellen nicht besetzen. Ganz oben auf der Liste der gefragten Berufe stünden Ingenieure. Aber auch Männer und Frauen mit kaufmännischer Ausbildung sucht der Personaldienstleister. Reitz ist zuversichtlich, dass die Zeitarbeitsbranche bis 2010 weitere 500.000 Arbeitsplätze in Deutschland schaffen werde.

          Mit Qualifizierungen versucht nicht nur Manpower, sondern auch Konkurrent Randstad solche Lücken zu schließen, wie Hans-Peter Brömers berichtet. Er ist Direktor der deutschen Dependance des niederländischen Zeitarbeitsunternehmens. Die Mitarbeiter, sagt der Randstad-Manager, würden unmittelbar auf den jeweiligen Kunden und desssen Anforderung bezogen qualifiziert, wenn es nötig sei.

          Manpower hat für nachfragestarke Branchen wie Banken und Luftfahrt-Tochterfirmen gegründet, beispielsweise die Aviationpower GmbH, die Bankpower GmbH oder die Manpower Professional Engineering GmbH. Den Umsatz des vergangenen Jahres in Höhe von 466 Millionen Euro glaubt Reitz in diesem Jahr um 30 Prozent übertreffen zu können. Vor fünf Jahren hatte das Unternehmen lediglich knapp 259 Millionen Euro umgesetzt.

          Stärkere Regulierung der Zeitarbeit wäre schädlich

          Wie kraftvoll der Gesamtmarkt für die Zeitarbeits- und Personaldienstleistungen allein im vergangenen Jahr gewachsen ist, hat das Marktforschungsinstitut Lünendonk ermittelt. Demnach konnten die 25 stärksten der 4000 Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland ihren Umsatz im Durchschnitt um 43 Prozent erhöhen. Unternehmenszukäufe wie beispielsweise den der Tuja Zeitarbeit Holding GmbH durch die Adecco GmbH herausgerechnet, bleibt immer noch ein Wachstum in der Spitzengruppe von mehr als 33 Prozent.

          Bei Manpower wie auch bei Randstad gilt der im Juni 2003 zwischen dem Bundesverband Zeitarbeit und allen großen Gewerkschaften geschlossene Manteltarifvertrag. Die darin festgelegten Entgeltgruppen reichen von 7,38 Euro bis 16,69 Euro je Stunde, die Wochenarbeitszeit liegt bei bis zu 40 Stunden. Eine Rückkehr zu einer stärkeren Regulierung der Zeitarbeit, wie sie von Gewerkschaften und Teilen der SPD gefordert wird, hält Reitz für ausgesprochen schädlich. Beispielsweise von der Freigabe der Überlassungsdauer hätten vor allem ältere Mitarbeiter profitiert, die vielleicht eine etwas längere Einarbeitungszeit brauchten. Eine neuerliche Begrenzung treffe gerade diese Gruppe. Die zweite zentrale Forderung, den Zeitarbeiter - nach einer kurzen Einarbeitung - in gleicher Höhe zu entlohnen wie den im Kundenunternehmen festangestellten Mitarbeiter, hält er ebenfalls für kontraproduktiv, weil das eher zu einem ständigen Austausch der Leiharbeiter führe.

          In der Ablehnung der neuerlichen Reglementierung der erst vor wenigen Jahren liberalisierten Zeitarbeit stimmt ihm Randstad-Direktor Brömser uneingeschränkt zu. Ohne die Zeitarbeitsbranche hätte es eine solch positive Entwicklung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes, wie sie derzeit in Deutschland zu beobachten sei, nicht gegeben, ist sich Brömser sicher.

          Weitere Themen

          Wer im Glashaus sitzt

          Frankfurter Künstler Shah : Wer im Glashaus sitzt

          Der Frankfurter Künstler Sandip Shah hat aus seiner Wohninstallation ein „Safe House“ gemacht. Die „Bewohnte Kunstinstallation“ soll auch ihm wieder etwas Stabilität geben. So lange, bis die Pandemie vorbei ist.

          Topmeldungen

          Donald und Melania Trump am vorigen Mittwoch in Washington

          Trumps Impeachment-Prozess : Mehr Zeit für neue Skandale

          Der Impeachment-Prozess gegen Donald Trump soll erst am 9. Februar eröffnet werden. Bis dahin hoffen die Demokraten auf neue Skandale, die der Anklage weitere Munition liefern.
          Mehr Unterstützung aus Washington: Amerikanische Forscher von Regeneron arbeiten am experimentellen Antikörper-Medikament.

          Antikörper-Medikament : Was auch bei Trumps Genesung half

          Ein amerikanisches Antikörper-Präparat erhält eine Notzulassung, 200.000 Dosen kauft die Bundesregierung. Deutsche Wissenschaftler vermissen Unterstützung bei ihrer Forschung – so würden Chancen verpasst, kritisieren sie.
          Verrammelt und verriegelt: Das Lamb & Flag in London (Symbolbild)

          Großbritannien : 10.000 Pubs und Restaurants schließen

          Großbritanniens Gastronomie ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Während große Ketten sich frisches Kapital beschaffen, gehen die Kleinen unter.
          Aggressiv, schamlos, schnell gekränkt, selbstverliebt: Besaß Trump die Reife für sein Amt?

          Egozentrisch und rücksichtslos : Wenn der Partner ein Narzisst ist

          Narzissten wollen immer heller strahlen als ihr Gegenüber. Dafür ist ihnen meist jedes Mittel recht: Manipulation, Beschimpfungen und dreiste Lügen. Woran merkt man, dass einem das in der eigenen Beziehung widerfährt – und wie geht man damit um?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.