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Hessen : Chinesische Touristen machen sich rar

Nicht mehr so häufig zu sehen: Chinesische Touristen auf Einkaufstour in Frankfurt Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Zahl der Touristen aus China, die Hessen besuchen, kannte jahrelang nur eine Richtung: und zwar nach oben. Das ist vorerst Geschichte.

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          Die Frankfurter Tourismusförderung tut, was sie kann. Von Montag nächster Woche an reisen Mitarbeiter der Gesellschaft fünf Tage lang durch China, um Reiseveranstalter und Fachjournalisten von den Schönheiten der deutschen Landschaften einerseits und den Reizen der Metropole am Main mit dem großen Flughafen andererseits zu überzeugen. Shenyang, Xian und Shenzhen, Millionenstädte allesamt, sind die Stopps während der „Roadshow“ der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH, die sicherlich nicht die letzte ihrer Art sein wird. Zu den Unterstützern zählen die Industrie- und Handelskammer, Fraport und die Stadt Wiesbaden, die sich ebenfalls über Touristen aus Fernost freut.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Der Zeitpunkt könnte nicht günstiger sein, um in China für Reisen nach Frankfurt und Umgebung zu werben. Denn die chinesischen Touristen machen sich rar. Im August dieses Jahres wurden in Frankfurt 21300 Gäste aus China einschließlich Hongkong in Hotels und Pensionen registriert, das waren neun Prozent weniger als im August 2015. Über ganz Hessen gesehen, war der Rückgang mit 21 Prozent noch weitaus deutlicher. Diese Entwicklung ist aus Sicht der Tourismusbranche umso bedauerlicher, als Reisende aus China in den vergangenen Jahren wichtiger und wichtiger geworden waren. Selbst nach dem jüngsten Einbruch der Zahlen stellten sie in Hessen im August mit 32300 Reisenden immer noch eine der größten Gruppen. Mehr Besucher kamen nur aus den Vereinigten Staaten und den Niederlanden, selbst aus Großbritannien und Frankreich wurden nicht annähernd so viele Touristen registriert wie aus China.

          Die Werbetrommel soll gerührt werden

          Man darf wohl annehmen, dass vor allem der Anschlag in einem Zug bei Würzburg die Lust der Reisen von Chinesen nach Deutschland gedämpft hat. Am 18. Juli hatte dort ein afghanischer Asylbewerber unter anderen vier Mitglieder einer Familie aus Hongkong schwer verletzt, die gerade ihre Ferien in Bayern verbrachte. Darüber hinaus wird man in China auch von den anderen Anschlägen, etwa denen in Paris, gelesen haben.

          Von einem Rückgang der Zahl der Reisenden aus dem Reich der Mitte berichten auch die Lufthansa, die vor allem weniger Gruppenreisen auf ihren 27 Flügen in der Woche von und nach China registriert, und Fraport. „Wir merken das schon deutlich“, sagt ein Sprecher des Flughafenbetreibers. Auch bei Karstadt an der Frankfurter Zeil ist die Zahl der Kunden aus China „etwas zusammengeschrumpft“, wie Geschäftsführerin Silke Neumann sagt.

          Lediglich aus dem Kaufhof an der Hauptwache heißt es, von einem Rückgang sei nichts zu spüren. „Chinesen sind unsere Zielgruppe Nummer eins“, erläutert Geschäftsführerin Judith Witte. Dort wie auch bei Karstadt sind die Chinesen geschätzt, weil sie vor allem hochwertige Waren „made in Germany“ kaufen, namentlich Koffer, Töpfe und Messer. Der Koffer wegen finden sie auch den Weg zu Leder Stoll an der Schäfergasse, wo Joachim Stoll aber ebenfalls einen Rückgang registriert hat.

          Damit die Chinesen in Geschäften, in Hotels und Restaurants in Zukunft wieder vermehrt kräftig Geld ausgeben, will die Frankfurter Tourismus und Congress GmbH weiter die Werbetrommel rühren. Andere Regionen, so tröstet sich ihr Geschäftsführer Thomas Feda einstweilen, litten unter dem Besucherrückgang noch weitaus stärker als die Mainmetropole.

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