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Multifunktionshalle Frankfurt : Suche nach einer Arena-Lösung

Ist Geschichte: Zumindest in dieser Variante wird am Kaiserlei an der Grenze von Frankfurt und Offenbach keine Multifunktionsarena entstehen. Bild: Ballcom Digital Public Relations / Stefen Ball

Nach der Absage des Investors schwindet der Glaube an eine Multifunktionshalle am Kaiserlei zwischen Frankfurt und Offenbach. Ein klein wenig Hoffnung gibt es aber noch.

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          Auf die Frage, ob sein Planungsteam zur Feier des Tages eine Flasche Sekt geöffnet habe, lacht Bernhard Schmittenbecher kurz. Doch dann wird der Sprecher des Projekts „The Dome“, einer Multifunktionsarena für bis zu 23.000 Besucher am Frankfurter Flughafen, wieder ernst. „Dass das nicht funktioniert am Kaiserlei, hat uns nicht überrascht“, sagt er. Am eigenen Großprojekt, hinter dem das kanadische Unternehmen Katz Group steht, werde man „ganz, ganz in Ruhe“ weiterarbeiten. „Für uns ändert sich nichts.“

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Ruhe ist erstaunlich. Denn am Mittwoch hatte Frankfurts Sportdezernent Markus Frank (CDU) überraschend mitgeteilt, dass der von ihm favorisierte Partner für das Projekt, das Konsortium Langano, zu dem der Veranstaltungskonzern Lagardère gehört, zu einer fest vereinbarten Frist kein belastbares Angebot für den Bau und Betrieb einer Arena am Kaiserlei zwischen Frankfurt und Offenbach abgegeben hat. Die Halle für bis zu 13.000 Zuschauer, die 120 bis 150 Millionen Euro kosten sollte, war als neue Heimspielstätte für die Profivereine Skyliners (Basketball) und Löwen (Eishockey) gedacht. Auch Konzerte sollten dort stattfinden.

          Weil Langano nicht geliefert hat, verliert das Unternehmen den in einem langwierigen Prozess erlangten Status des „Preferred Bidders“. Warum das Unternehmen nach vier Jahren so kurz vor dem Ziel absprang, ist unklar. Eine Anfrage an die Lagardere Sports Germany GmbH bleibt am Donnerstag unbeantwortet.

          War die Corona-Krise ein Grund?

          Im Römer und anderswo wird über die Gründe spekuliert. Zu hören ist, es habe im französischen Bieterkonsortium geknirscht. Manche glauben, den Investoren sei die Rendite des Projekts nicht mehr hoch genug gewesen, nachdem sich die Stadt 2019 geweigert hatte, eine Bürgschaft für Kredite zu übernehmen. Andere sehen die Corona-Krise als Grund: Wann wieder Großveranstaltungen stattfinden könnten, sei zu ungewiss. Und einer behauptet, die Franzosen seien geschockt gewesen über angeblich bis zu achtstelligen Kosten für das Verlegen eines Abwasserkanals auf dem 25.000 Quadratmeter-Areal, das der Stadt und der stadtnahen Stiftung Almosenkasten gehört.

          Spannend ist die Frage, wie es weitergehen soll. Unbestritten in der Stadtpolitik ist, dass Frankfurt eine Multifunktionsarena für die Zukunft der Profivereine und für die eigene Attraktivität braucht. Sportdezernent Frank hat deshalb angekündigt, nunmehr mit dem zweitplatzierten Bieter der 2016 beendeten städtischen Ausschreibung wieder über einen Bau am Kaiserlei zu verhandeln – und der Anschutz Entertainment Group „eine echte Chance“ zu geben. Das Unternehmen sei nach wie vor an dem Projekt interessiert. Bestätigen lässt sich dieses Interesse am Donnerstag so allerdings nicht: Ein Sprecher von AEG Germany, unter anderem Betreiber der Mercedes-Benz-Arena in Berlin, sagt auf Anfrage nur: „Wenn die Stadt Frankfurt wieder mit uns reden will, hören wir uns das an.“ Bis jetzt habe aber niemand den Kontakt zu Anschutz aufgenommen.

          Grüne sehen „The Dome“ nach wie vor nicht als Favorit an

          Während die CDU-Fraktion im Römer den Sportdezernenten auf seinem neuen Weg unterstützt, fordert der Koalitionspartner SPD schon länger, dass sich Frank wesentlich intensiver um das Alternativprojekt „The Dome“ am Flughafen kümmert. Die Grünen hingegen, dritter Koalitionspartner, stellen sich ebenfalls hinter Frank. Zwar sei der Rückzug von Langano „nach den langen Verhandlungen und dem vielversprechenden Konzept sehr enttäuschend und überraschend“, sagt Natascha Kauder, sportpolitische Sprecherin der Rathausfraktion. Doch weil es am Kaiserlei auch darum gehe, „den Veranstaltungsort Frankfurt und die Nähe zu Offenbach zu fokussieren“, sähen die Grünen „The Dome“ nach wie vor nicht als Favorit an. Stattdessen bekomme Frank von der Fraktion für neue Gespräche mit Anschutz „die volle Unterstützung“.

          Offenbach ist von guten Ratschlägen weit entfernt. Es gehöre sich nicht, dem Nachbarn in einer solchen Situation öffentlich Ratschläge zu erteilen, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke. Nach Ansicht des SPD-Politikers hat seine Stadt das Frankfurter Projekt einer Multifunktionsarena am Kaiserlei immer wohlwollend begleitet. Zu einer guten Nachbarschaft gehöre es aber auch, dass man nun abwarte, wie Frankfurt weiter verfahren wolle. Tatsächlich hat Offenbach die für die Halle auf der eigenen Gemarkung reservierten Flächen erst einmal nicht anderweitig verplant und sich bei der Entwicklung des Kaiserlei als Dienstleistungszentrum auf andere Teile des Areals konzentriert. Doch diese Flächen kann Offenbach nach Schwenkes Worten dank guter Vorbereitung jederzeit nach eigenen Vorstellungen entwickeln.

          Schmittenbecher wird all das verkraften. Denn nun ist klar, dass der Zeitnachteil gegenüber der viel früher begonnen Planung für den Standort Kaiserlei fort ist. Und für das eigene Projekt „The Dome“ brauchen die Planer ohnehin kein städtisches Grundstück – sondern eines der Fraport AG. Man sei in vielversprechenden Gesprächen mit dem Flughafenbetreiber über das bevorzugte Areal zwischen A 3 und B 43 am Flughafen, lässt der Sprecher wissen. Ein Rechtsexperte habe festgestellt, dass für eine Vergabe keine Ausschreibung nötig sei. „Wir stehen in den Startlöchern und können anfangen, sobald wir uns mit Fraport geeinigt haben.“

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