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Wirtschaft im MTK : Der Kleinste hat viele Stärken

Nachtluftbild des Einkaufszentrum Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach. Bild: Ullstein

Platz und Stille sind die einzigen Dinge, an denen es im Main-Taunus-Kreis mangelt. So klein und doch so stark ist sonst kaum eine Region in Rhein-Main.

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          Hat man nicht viel Zeit, um das Rhein-Main-Gebiet als Region zu verstehen, kann man sich auf den Main-Taunus-Kreis fokussieren. Denn dort sieht man wie unter einem Brennglas, was die gesamte Region so stark macht. Der MTK, wie es gerne kurz heißt, ist zwar der kompakteste Kreis weit und breit, flächenmäßig sogar der kleinste der Republik. Aber er bietet eine erstaunliche Vielfalt. Berge und Fluss, Bürostadt und Werkzeugindustrie, Heilwasser und Wein, Obstbau und Rechenzentren, Shoppingparadies und bald noch Spitzentennis - hier gibt es wirklich fast alles.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieser Mix macht den Landkreis mit seinen 223.000 Einwohnern, der sich entlang der Autobahn 66 zwischen Frankfurt und Wiesbaden erstreckt und fast an den Flughafen angrenzt, attraktiv als Wohn- und Wirtschaftsstandort - und er macht ihn wohlhabend. Die Kaufkraft der Bewohner liegt 30 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Das ist in der Rhein-Main-Region nicht ganz ungewöhnlich, gehört aber landesweit ins Spitzenfeld. Genau wie die Angebote, um das Geld wieder auszugeben. Der Einzelhandel ist ein starkes Standbein in gleich mehreren Kommunen des Kreises.

          Das gilt vor allem für die mit 8300 Einwohnern kleine Gemeinde Sulzbach, von der die Mehrheit in der Region nur das Main-Taunus-Zentrum kennt. Davon lesen sogar Touristen, denn das Einkaufszentrum zählte 1964 zu den ersten seiner Art in Deutschland. Eine Shoppingmall auf der grünen Wiese, wie es sie sonst nur in den Vereinigten Staaten gab. Mehr als 36000 Menschen zog das Main-Taunus-Zentrum vor der Corona-Schließung im Durchschnitt täglich an, mehrere hundert Millionen Euro wurden dort jährlich umgesetzt. Jetzt kämpfen die Händler, um wieder an die gewohnten Erfolgszahlen anzuknüpfen. Die Ankündigung, dass demnächst auch noch Karstadt im Zentrum schließen wird, macht es ihnen allerdings nicht leichter.

          Stark im Einzelhandel

          Gut möglich, dass einige etwas neidisch in den Hofheimer Stadtteil Wallau schauen, wo die Kunden vor der Filiale von Ikea in langen Schlangen warten. Die Niederlassung des schwedischen Möbelriesen ist ein weiteres Eldorado für Konsumfreudige und auch sie ist sozusagen von historischem und gegenwärtigem Wert: Sie gehörte zu den ersten, die in den siebziger Jahren in der Bundesrepublik entstanden sind, und sie ist zugleich die Deutschlandzentrale des Konzerns. Das hat der Kreisstadt Hofheim bisher hohe Gewerbesteuer-Einnahmen gebracht, dazu viele Arbeitsplätze. In Hofheim sind laut dem letzten Einzelhandelsbericht der zuständigen Industrie- und Handelskammer Frankfurt 17 Prozent aller Arbeitnehmer im Einzelhandel tätig. In Sulzbach verdient dieser Statistik zufolge sogar jeder vierte Arbeitnehmer sein Geld in diesem Wirtschaftssektor.

          Rund 800 Millionen Euro setzten die Einzelhändler im gesamten Kreis im Jahr 2017 um, neuere Zahlen hat das Landesamt für Statistik noch nicht. Dafür aber Vergleichswerte für die Region, die zeigen, dass allein der Hochtaunuskreis im Frankfurter Umkreis noch auf solche Summen kommt. Ob sie nach dem Corona-Schock wieder erreicht werden oder die Welt des Einzelhandels dann eine andere sein wird, vermag noch niemand zu sagen.

          Umso mehr betont der Sprecher in der Kreisstadt, dass Hofheims Wirtschaft viele starke Säulen habe. Ikea sei bisher der beste, aber eben nicht der einzige Steuerzahler. Unternehmen wie die Entsorgungsfirma Meinhardt und der Maschinenbauer Polar Mohr mit jeweils 500 Arbeitnehmern sind weitere große Arbeitgeber in der 39800 Einwohner zählenden Stadt.

          Clever ausgesteuert

          Dass es viele sein müssen, die in die Kassen einzahlen, nach dieser Devise versucht die Mehrheit der Kommunen im Kreis zu wirtschaften. Im regionalen Vergleich erheben sie eher niedrige Gewerbesteuern, das ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die auf alle zwölf zutrifft. Mit dem Rezept, die zentrale Großstadt auf diese Weise bei Unternehmensansiedlungen auszustechen, ist bekanntlich Eschborn besonders gut gefahren. 35000 Arbeitsplätze bietet die Stadt, allein 20000 in der Bürostadt Eschborn-Süd. Dabei hat sie nur 23000 Einwohner.

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