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Davos 2019 : Analoges Netzwerken für eine digitale Zukunft

Gipfelatmosphäre: Auf dem Weissfluhgifpel in Davos trafen sich Unternehmer aus Frankfurt. Bild: Prisma Bildagentur

Beim Wirtschaftsgipfel in Davos wurden auch die wirtschaftlichen Perspektiven des Rhein-Main-Gebietes diskutiert. Und das von ganz oben herab. In den Gesprächen ist eher Pessimismus angesagt.

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          Das einzig wirkliche Gipfeltreffen von Davos findet nicht im Kongresszentrum und auch nicht in einem der schicken Tagungshotels statt. Dafür sind auf den Holzbänken im urigen Bergrestaurant auf dem Weissfluhgipfel über Davos dicke Schaffelle ausgebreitet. Der Rundumblick auf die schneebedeckten, von einem blauen Himmel überzogenen Bündner Alpen ist atemberaubend. Der Schnee ist pulvrig, die Pisten sind leer. Letzteres ist kein Wunder angesichts der opulenten Übernachtungspreise, die während des Weltwirtschaftsforums in dem schweizerischen Skiort aufgerufen werden.

          Daniel Schleidt
          Stellvertretender Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gastgeber Andreas Scholz hat in den vergangenen Tagen gleich drei Wetter-Apps auf dem Smartphone installiert und sich jeweils die beste Prognose rausgesucht für das Netzwerktreffen, das im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frankfurt meets Davos“ auf dem 2883 Meter hohen Gipfel stattfindet. Ein solches Wetter wie heute hatte dem Geschäftsführer der ausrichtenden Euro Finance Group aber keine der Anwendungen anzubieten. Scholz ist seit 16 Jahren beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos dabei, einst als Finanzjournalist, heute als Chef jenes Unternehmens, das in Frankfurt auch die Euro Finance Week im November veranstaltet. Es beruht also auf Erfahrung, wenn er den etwa 60 Teilnehmern des passend als „Summit“ (Gipfel) getauften Unternehmertreffens in eisiger Höhe erklärt, dass Davos eine Art Kontra-Indikator für die Weltwirtschaft sei. „Wenn hier besonders gute Stimmung herrschte, wurde es kein gutes Jahr“, berichtet er. Dieses Jahr ist in Gesprächen und auf Konferenzen eher Pessimismus angesagt.

          Treffen der Manager, Unternehmer und Regierungschefs

          Eine der zentralen Fragen, die die rund 3000 Manager, Unternehmer und die knapp 60 Staats- und Regierungschefs diskutieren, die insgesamt in Davos versammelt sind, sind die Folgen der Digitalisierung. Die Unternehmens- und Staatenlenker beschäftigt, welche Auswirkungen die digitale Transformation auf die globale Ordnung, Wertschöpfungsketten, Arbeitsplätze und Wirtschaftsstandorte haben wird.

          Um diese Fragen geht es auch hoch oben auf dem Berg, und an diesem Punkt kommt Frankfurt ins Spiel. Auch am Main vollzieht sich ein gemäßigter Strukturwandel, mit all seinen Chancen und Risiken. Im vergangenen Jahr hat die hessische Landesregierung deshalb gleich zwei Initiativen ins Leben gerufen: Es geht um die Förderung von Technologie-Start-ups und Künstlicher Intelligenz. Aber reicht das? Tim Thabe, der Scholz’ Einladung auf den Gipfel gefolgt ist, ist da guter Dinge. Thabe ist Gründer und Vorstand eines jener Unternehmen, die künftig in Frankfurt wichtiger werden könnten. Er hat zuletzt das Finanz-Start-up Creditshelf an die Börse gebracht, das eine Plattform zur digitalen Vermittlung von Mittelstandskrediten sein will. In Davos möchte er Unternehmen und Unternehmer treffen. „Frankfurt hat alle Zutaten und das perfekte Ökosystem, um die digitale Transformation zu meistern“, sagt Thabe.

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