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Wirtschaft : Standortmarketing wirbt um Nanotech-Firmen und Auto-Zulieferer

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Das Rhein-Main-Gebiet soll in Zukunft nicht nur ein Standort der Banken und Versicherungen, sondern auch der Nanotechnologie, der Automobilzulieferer und sogar der Raumfahrttechnik sein.

          Das Rhein-Main-Gebiet soll in Zukunft nicht nur ein Standort der Banken und Versicherungen, sondern auch der Nanotechnologie, der Automobilzulieferer und sogar der Raumfahrttechnik sein. Der designierte Geschäftsführer der neuen regionalen Standortmarketing-Gesellschaft, Hartmut Schwesinger, sagte im Gespräch mit der F.A.Z., Unternehmen aus diesen Branchen sowie aus der Pharmaindustrie und der Medizintechnik wolle er gezielt ansprechen, um sie für Investitionen zu gewinnen.

          Welcher Name für die neue Gesellschaft gebräuchlich sein wird, darüber mag Schwesinger nicht rätseln. Formal ist am Gründonnerstag die "Frankfurt Rhein Main GmbH - International Marketing of the Region" gegründet worden. Ihre Aufgabe: Standortmarketing für die gesamte Region. Arbeitsbeginn soll Mitte Juni sein, dann, wenn alle 22 Anteilseigner - darunter 14 Städte und Kreise - den Gesellschaftervertrag genehmigt haben. Sitz wird das Main-Airport-Center an der Unterschweinstiege am Frankfurter Flughafen.

          Pläne für die Arbeit der neuen Gesellschaft, die in den ersten beiden Jahren ein Jahresbudget in Höhe von drei Millionen Euro haben wird, später dann vier Millionen, hat Schwesinger schon: "ganz klassisches Standortmarketing". Er wolle die Region, "die so viele, viele Stärken hat, sehr selbstbewußt verkaufen".

          Der Ballungsraum sei schließlich aufgrund seiner Lage prädestiniert, Sitz von Unternehmen und allgemeines Verteilungszentrum zu sein. Festhalten will Schwesinger an seinem Konzept, Biotechnologie-Unternehmen, die IT-Branche sowie Dienstleister für den Finanzplatz Frankfurt anzuwerben. Der große Vorteil sei, daß er nun auch Unternehmen mit großem Flächenbedarf ansprechen könne, so etwa aus der Logistikbranche. "Für die war Frankfurt doch immer zu teuer."

          Auf die Art des Verkaufens legt der Marketing-Fachmann naturgemäß großen Wert. Man dürfe nicht "so plump um die Ecken kommen", sagt er, "Broschüren haben alle". Schwesinger schwebt deshalb vor, den Wein für die Standortwerbung einzusetzen. Ein "Rheingau meets Nappa Valley" in Kalifornien wäre nach seinem Geschmack.

          Daß Veranstaltungen wie das jahrelang von der Mainmetropole gepflegte "Frankfurt meets New York", bei dem die Delegation für einige Tage direkt am Central Park nächtigte, Schwesinger in der Region nicht nur beliebt gemacht haben, weiß er. "Wir wollen dem Schwesinger nicht die Erste-Klasse-Flüge nach Bombay finanzieren", wurde in der Vergangenheit häufig hinter vorgehaltener Hand im Umland gemurrt. "Was soll ich dazu sagen", erwidert Schwesinger. "Ich fliege nicht erster Klasse." Doch alle sollten wissen, "in welcher Liga wir spielen - der Londons und der von Paris". Einige müßten sich daran noch gewöhnen.

          Schwesinger, 55 Jahre alt, will "sehr viel Sorgfalt darauf verwenden, falsche Eindrücke zu vermeiden". Und in der ihm eigenen selbstbewußten Art fügt er an: Bisher habe er es schließlich auch geschafft, den richtigen Ton zu treffen. Seine Arbeit habe auch nicht nur aus Reisen ins Ausland bestanden. "Das Reizvolle war doch bisher der Spagat, mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank zu tun zu haben und mit dem kleinen Handwerker um die Ecke." Nun sei es eben der Spagat zwischen dem großstädtischen Teil der Region und dem eher ländlich geprägten.

          Dabei haben für ihn die Vorgespräche gezeigt, daß es nicht nur den altvertrauten Konflikt zwischen Frankfurt und seinem Umland gibt. "Der wirkliche Wettbewerb findet in der Region statt." Die Unternehmen, die die "Fühlungsvorteile" einer Großstadt suchten, seien andere als die, die beispielsweise größere Flächen bräuchten. Schwesinger ist zuversichtlich, nicht nur diesen Wettbewerb zu meistern, sondern auch den nicht gerade einfachen Übergang zwischen seiner Standortmarketing-Gesellschaft und den verbliebenen örtlichen Wirtschaftsförderungen. MECHTHILD HARTING

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