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Technologie der Zukunft : Wird Rhein-Main führender Standort bei Künstlicher Intelligenz?

Der Unternehmer Chris Boos berät die Bundeskanzlerin und den Frankfurter Oberbürgermeister auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Bild: Michael Kretzer

Wenn es um die Software der Zukunft geht, dann soll an der Metropolregion kein Weg vorbeiführen. So wünscht es sich nicht nur Frankfurts Oberbürgermeister.

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          Unternehmen, Wissenschaftler und Kommunen wollen das Rhein-Main-Gebiet zu einem führenden Standort auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz machen. Noch in diesem Jahr soll die noch lose Initiative „AI Frankfurt“ in einem neuen Verein aufgehen – „AI“ für „Artificial Intelligence“. „Wenn die Akteure dies wollen und dazu beitragen, könnte der Verein die Keimzelle für die Gründung eines Instituts für Künstliche Intelligenz werden“, umriss Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Mittwoch die weiteren Pläne.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er hatte vor gut einem Jahr erstmals Akteure aus Forschung, Wirtschaft und Region zu einem Gespräch über dieses Thema eingeladen. Seitdem habe es noch etliche Treffen in kleineren Runden gegeben, sagte Feldmann. Zudem brachte die Stadt gemeinsam mit der University for Applied Sciences sowie der Software-Firma Arago eine Umfrage auf den Weg, deren Ergebnisse gestern als „Solution Map“ im Frankfurter Rathaus vorgestellt wurden. Dazu waren zwar auch Journalisten eingeladen, die Präsentation galt aber vor allem den Vertretern von Unternehmen, die sich die Initiatoren als Vereinsmitglieder wünschen, darunter Platzhirsche wie Samson, Merck, die Software AG, die Deutsche Flugsicherung, die Deutsche Bahn und Banken.

          Aus der Studie lässt sich vor allem eines herauslesen: Künstliche Intelligenz ist mitten unter uns. 35 Unternehmen, zwölf Forschungseinrichtungen und 23 Softwareanbieter haben die Fragebögen ausgefüllt, so gut wie alle sprachen von einem zentralen Thema der Zukunft. Von den Unternehmen machten 80 Prozent bei der Frage, ob bei ihnen die neue Technologie zum Einsatz komme, ihr Kreuz bei „Ja“.

          Lernende Algorithmen

          „Künstliche Intelligenz ist Realität in den Unternehmen“, bestätigte Alfred Ermer, Managing Director der Arago da Vinci GmbH, nachdem er die Lacher auf seiner Seite hatte, weil genau in dem Moment die Internetverbindung ausfiel, als er die Frankfurter Befunde zur Zukunftstechnologie vorzeigen wollte. Vor allem bei der Analyse von Datenmengen, in der Sprachverarbeitung und für Übersetzungsarbeiten nutzen die Befragten Software, deren Algorithmen durch Arbeit schlauer werden.

          „Das ist der Hebel der KI“, erklärte Chris Boos, Gründer der Arago GmbH in Frankfurt, die mit intelligenter Software die Industrie auf die nächste technologische Stufe heben will. Mit der industriellen Revolution sei es möglich geworden, durch Standardisierung viele Güter in Massen, zudem aber auch besser und billiger zu produzieren. „Aber es lässt sich nicht die gesamte Wirtschaft durchstandardisieren.“

          Mit dem Einsatz der lernenden Algorithmen werde es möglich, noch weitaus mehr zu automatisieren. „Man kann den Maschinen damit individuelle Aufgaben und Lösungen überlassen. Das wird die Arbeitsweise der Industrie stark verändern.“ Boos gilt als einer der führenden Köpfe der Branche und berät nicht nur den Frankfurter Oberbürgermeister, sondern auch die Bundeskanzlerin. Gemeinsam mit dem Chef seines Tochterunternehmens, Alfred Ermer, ist er einer der Treiber der Frankfurter Initiative.

          Digitale Bibliothek für Unternehmen

          Beide sind überzeugt, dass es in der Region eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit gebe und der Standort das Potential habe, eine Führungsrolle zu übernehmen. In diese Richtung argumentierten auch Kristian Kersting von der TU Darmstadt, erster Träger des „Deutschen KI-Preises“, Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung und Martina Klärle, Vizepräsidentin der University of Applied Sciences. „Es gibt in der Region in der Forschung und der Anwendung schon viele Ansätze zur Fortentwicklung. Das müssen wir zusammenführen“, sagte Kersting.

          „Wir wollen eine Plattform für alle bieten“, kündigte Ermer an. Die Internetseite www.ai-frankfurt.de, auf der die Ergebnisse der Umfrage veröffentlicht wurden, sei der Auftakt, um ein „führendes Ökosystem für die Anwendung von KI aufzubauen“, wie Baki Irmak sagte. Er ist Gründer des Technologie-Fonds The Digital Leader und ein weiterer Mitstreiter der Initiative. Die Seite solle zu einer Art Bibliothek werden, die zeigt, wer die Pioniere sind, woran einzelne Firmen arbeiten, wer welche Technologien anbietet und wo Zusammenarbeit möglich ist. Dafür braucht es die geplante Vereinsgründung, denn mit den Mitgliedsbeiträgen können der Aufbau der Internetseite, aber auch Veranstaltungen und Kongresse bezahlt werden.

          Kommt tatsächlich Schwung in die Initiative und ziehen viele mit, „könnte das die Leistungskraft eines gemeinnützigen Vereins übersteigen“, sagte Ermer. Dann sei der Moment gekommen, die Aufgaben in ein zu gründendes Unternehmen, das angestrebte Institut für Künstliche Intelligenz, zu überführen.

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