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Wilhelm Bender : „Mr. Flughafen“ rechnet 2010 mit dem Aufschwung

Ganz gelassen, wie die Jahre zuvor auch: Bei seiner letzten Hauptversammlung als Konzernchef der Fraport AG in der Frankfurter Jahrhunderthalle beantwortete er alle Fragen. Bild: Wolfgang Eilmes

Wilhelm Bender absolviert seine letzte Hauptversammlung als Konzernchef der Fraport AG. Fraport-Aufsichtsratsvorsitzende Karlheinz Weimar dankt ihm spontan und herzlich.

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          Ökonomisch wie ökologisch sei der Ausbau unverantwortlich, schmettert Frank Kaufmann, Fraport-Aktionär, Grünen-Politiker und Ausbaugegner in Richtung der Vorstandsriege. Rainer Rahn, ebenfalls Aktionär und entschiedener Ausbaukritiker, rechnet in seiner Einlassung vor, weshalb er bezweifelt, dass der Ausbau sich betriebswirtschaftlich rechnen könne. Kosten von sieben Milliarden Euro stünden einem Börsenwert des Konzerns von nur 2,6 Milliarden gegenüber, zugleich erwarte Fraport nur eine Umsatzsteigerung von rund 50 Prozent durch den Ausbau, führt der Fraktionschef der Ausbaugegner im Frankfurter Römer aus und fragt: Wie soll sich das rechnen? Unter den kritischen Wortbeiträgen aus Aktionärsreihen waren dann später noch weniger heikle, die etwa zu große Garnelen beim Fraport-Sommerfest kritisieren und zu zähe Brötchen beim Aktionärstreffen anprangern.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die Hauptversammlungen des Frankfurter Flughafens vollziehen sich seit Jahren nach dem gleichen Ritual. Im Anschluss an Bericht und Ausblick des Vorstandsvorsitzenden haben die Aktionäre das Wort, und es sind vor allem Ausbaugegner, die es bei dieser Gelegenheit ergreifen, um den Flughafenbetreiber mit Verve zu kritisieren. Was Wilhelm Bender in den Jahren zuvor oft geärgert oder zumindest genervt haben mag, wird ihn zwar auch bei dieser Hauptversammlung nicht erfreut haben. Womöglich hat der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG die Anwürfe seiner langjährigen Widersacher gestern in der Höchster Jahrhunderthalle aber auch mit einer gewissen Wehmut gehört. Denn es war seine letzte Hauptversammlung als Konzernchef, Bender wird Ende August seinen Posten räumen und Platz machen für Fraport-Vize Stefan Schulte.

          Bei der Verabschiedung blieb er zumindest äußerlich gelassen

          Doch in den nächsten drei Monaten, so ließ Bender wissen, sei er nach wie vor der Mann an der Spitze des Konzerns und trage die Verantwortung. Ganz Konzernchef, trug er denn auch die durch die weltweite Krise geprägte aktuelle Lage des Hauses vor, an dessen Spitze er seit mehr als 16 Jahren steht: Die deutlichen Einbrüche bei Passagieren und Fracht seien nicht zu leugnen, der weltweite Konjunktureinbruch treffe Luftverkehrswirtschaft und damit auch Frankfurt voll. Das Ausbauprojekt sieht Bender dadurch aber nicht in Frage gestellt. Die Nachfrage der Fluggesellschaften nach Zeitfenstern für Starts und Landungen liege – trotz der Krise – „stabil über der derzeit verfügbaren Kapazität“. Außerdem sei nach der Krise mit einer „Überkompensation“ der Rückgänge zu rechnen, wie frühere Krisen, beispielsweise nach den Terroranschlägen von New York 2001, gezeigt hätten. Spätestens dann drohe Frankfurt ein Rückstand gegenüber der Konkurrenz in Europa und im Mittleren Osten, wenn zusätzliche Kapazität fehle.

          Gleichwohl ist auch im ersten Quartal dieses Jahres die Zahl der Passagiere in Frankfurt im Vergleich zum Vorjahresquartal mit knapp elf Millionen um 10,9 Prozent niedriger gewesen als im ersten Quartal 2008. Im April meldete der Flughafenbetreiber für Frankfurt bei den Fluggästen einen Rückgang um 4,7 Prozent, das Frachtaufkommen schrumpfte sogar um rund ein Viertel. Auch die leichte Besserung bei der Fracht mit einem Rückgang im Vorjahresvergleich um 15 Prozent statt um 25 wie in den Vormonaten, sieht Bender noch nicht als sicheres Zeichen einer nachhaltigen Wende. Mit dieser rechnet er zu Beginn nächsten Jahres.

          Kritik und Vorhaltungen der alten Gegner nahm Bender noch gewohnt unaufgeregt entgegen, beantwortete die Fragen, soweit das bei Hauptversammlungen üblich ist. Auch die schwierige Lage der Luftverkehrswirtschaft referierte er ebenso souverän. Zumindest äußerlich gelassen blieb der 64 Jahre alte Bender auch noch, als er sich von den Aktionären als Vorstandschef verabschiedete. Der spontane und herzliche Dank des hessischen Finanzministers und Fraport-Aufsichtratsvorsitzenden Karlheinz Weimar (CDU) an „Mr. Flughafen“ für die geleistete Arbeit führte Bender dann aber augenscheinlich an die Grenze der gewohnten Gelassenheit.

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