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Wirtschaft : Wiesbadener Volksbank mit weniger Filialen

Das Wertpapierzentrum an der Juliusstraße in Wiesbaden eröffnet demnächst. Bild: F.A.Z.

Wie in jedem Jahr legt die Wiesbadener Volksbank als erstes Kreditinstitut der Region die Zahlen vor. Sie sind gut wie eh und je – dank straffen Kostenmanagements.

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          Es gibt Themen, über die Bankvorstände nicht gern öffentlich reden. Filialschließungen zum Beispiel, oder Gebührenerhöhungen und niedrigere Zinsen für Einlage. Während der Bilanzpressekonferenz der Wiesbadener Volksbank rückte der Vorstandsvorsitzende Matthias Hildner erst auf Nachfrage damit raus, dass sein Kreditinstitut im vergangenen Jahr in allen drei Fällen gehandelt hat, um in der Erfolgsspur zu bleiben. Die Wiesbadener Volksbank hat fünf ihrer zu Jahresbeginn noch 29 Filialen geschlossen, sie hat die Gebühren für Kreditkarten heraufgesetzt und sie hat die Zinsen für Tagesgeldeinlagen abermals gesenkt.

          Manfred Köhler
          (mak.), Rhein-Main-Zeitung

          Alles, so schilderte es Hildner, war jedoch regelrecht alternativlos. Die nicht enden wollende Niedrigzinsphase schmerzt die Bank in der hessischen Landeshauptstadt genauso wie die Konkurrenz. Dass das Haus im Zinsgeschäft trotzdem nahezu genauso viel verdiente wie in früheren Jahren (siehe Tabelle), lag nach seinen Worten am Zuwachs der Kundeneinlagen und -ausleihungen. Trotz der betrüblichen Zinsen – für Tagesgeld gibt es noch gerade einmal 0,01 Prozent, vor Jahresfrist waren es wenigstens noch 0,03 Prozent – fließt der Wiesbadener Volksbank weiterhin viel Geld zu, die Einlagen erhöhten sich um 5,6 Prozent auf 3,24 Milliarden Euro. Umgekehrt wuchs auch das Kreditgeschäft, nicht zuletzt angesichts der weiterhin stark nachgefragten Baufinanzierungen, und zwar sogar um 6,6 Prozent auf 3,0 Milliarden. Erstmals liegt die Bilanzsumme der Wiesbadener Volksbank über vier Milliarden Euro.

          Neues Wertpapierzentrum der Bank eröffnet demnächst

          An Wachstum ist jedoch beim Geschäft mit Einlagen und Krediten offenbar nicht zu denken, ebenso wenig wie beim Provisionsgeschäft, weil die Kunden mit Wertpapiergeschäften zurückhaltend sind, so dass das Management nach wie vor darauf achten muss, dass umgekehrt die Personal- und Sachkosten nicht steigen, soll sich das Ergebnis nicht verschlechtern. Die Schließung der Filialen in Eltville-Martinsthal, Eltville-Erbach, Kiedrich, Schlangenbad-Georgenborn und an der Waldstraße in Wiesbaden begründete Hildner gestern mit der geringen Frequenz; die Rheingauer Kunden könnten die Filiale im Ortskern von Eltville aufsuchen, wohin auch die Mitarbeiter gewechselt seien. Der Vorstandsvorsitzende deutete an, dass mit weiteren Filialschließungen zu rechnen sei; es würden weitere Geschäftsstellen „auf den Prüfstand gestellt“. Von einem Rückzug aus der Fläche könne keine Rede sei, doch gehe die Entwicklung hin zu größeren Filialen, in denen dann auch kompetent beraten werden könne.

          Hildner hob hervor, dass die Wiesbadener Volksbank jedoch nicht nur Geschäftsstellen schließe, sondern auch eine neu eröffne. Damit meint er das Wertpapierzentrum der Bank, das sich demnächst mit einem Tag der offenen Tür vorstellen will, es ist in einer alten Villa mit der Adresse Juliusstraße2 in Wiesbaden untergebracht. Dort sollen 20Beschäftigte arbeiten. Zusammen mit dieser neuen Einrichtung kommt die Wiesbadener Volksbank also auf gegenwärtig 25 mit Personal besetzte Geschäftsstellen.

          Wunsch nach Neuausrichtung der EZB-Politik

          Was die Gebührenerhöhungen angeht, so sagt der Vorstandsvorsitzende lediglich, dass die Sätze für Kreditkarten „leicht angepasst“ worden seien. Die Volksbank nimmt jetzt in Verbindung mit einem Girokonto für eine klassische Kreditkarte 30 Euro im Jahr. Alles in allem musste man in der Wiesbadener Volksbank im vergangenen Jahr 52 Cent in die Hand nehmen, um einen Euro zu verdienen, ein sehr guter Wert. In manchem anderen Institut wäre man schon froh, wenn man wenigstens mit 60 Cent auskäme.

          Unterm Strich legte das Kreditinstitut gestern für 2016 Zahlen vor, die sich kaum von denen der früheren Jahre unterscheiden. Dazu trägt maßgeblich bei, dass die Wirtschaft weiterhin gut läuft, also kaum Kreditausfälle zu beklagen sind. Dass das Bewertungsergebnis etwas schlechter ausfiel als 2015, lag daran, dass es bei den Eigenanlagen nicht abermals zu deutlichen Kurssteigerungen kam. Die Dividende soll wie bisher sechs Prozent betragen. Hildner sprach von einem erfolgreichen Jahr. Für 2017 rechne er mit einem etwas schlechteren Ergebnis, sagte Hildner und verwies abermals auf die Niedrigzinsen. Wie wohl jeder Banker in Deutschland wünschte er sich eine Neuausrichtung der EZB-Politik, weil sich bei höheren Zinsen mehr verdienen lässt. Wann solche Zeiten anbrechen, ist jedoch weiterhin ungewiss.

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