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Wiesbaden : Mit Frauenförderung gegen Fachkräftemangel

  • -Aktualisiert am

Viel Arbeit: Bei guter Integration kann Zuwanderung eine Chance für den Arbeitsmarkt sein. Bild: Frank Röth

Sozialminister Grüttner spricht sich für bessere Kinderbetreuungsangebote und für flexiblere Arbeitszeiten aus. Opposition und Grüne fordern zudem ein Einwanderungsgesetz.

          Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) setzt im Kampf gegen den Fachkräftemangel vor allem auf Frauen. Dort biete sich das größte Potential, sagte Grüttner gestern in einer Regierungserklärung im Landtag. Voraussetzung für die stärkere Aktivierung von Frauen für den Arbeitsmarkt seien die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Angebote zur Kinderbetreuung und flexiblere Beschäftigungszeiten. „Frauen, die arbeiten wollen, müssen wir die Arbeitszeit anbieten, die ihren individuellen Wünschen entspricht.“ Die Auffassung, eine Teilzeitbeschäftigte könne keine Führungsposition übernehmen, sei antiquiert und überholt.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der demographische Wandel werde sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt, die Arbeitswelt, die Menschen und die Wirtschaft auswirken, sagte Grüttner. Schon heute fehlten in vielen Berufen und Regionen qualifizierte Arbeitskräfte. Das gelte vor allem für Pflege- und Gesundheitsberufe, für die Informationstechnologie sowie für naturwissenschaftliche und fertigungstechnische Berufe.

          Effektives Einwanderungsgesetz gefordert

          Hunderttausende Frauen hätten den Wunsch, endlich überhaupt wieder erwerbstätig zu sein oder statt eines Minijobs wenigstens einen ordentlich entlohnten Teilzeitjob zu haben, sagte der SPD-Abgeordnete Wolfgang Decker. Das scheitere jedoch allzu oft am Mangel an Ganztagsplätzen in Kindertagesstätten und an fehlenden „echten“ Ganztagsschulen. Für viele Frauen lohne es sich zudem nicht, arbeiten zu gehen, weil sie den Lohn anschließend für die Kinderbetreuung ausgeben müssten. Auch ältere und behinderte Menschen bilden nach Ansicht von Grüttner ein wesentliches Fachkräftereservoir. Nicht zuletzt sollten gut ausgebildete Arbeitnehmer aus anderen Ländern animiert werden, nach Deutschland zu kommen. „Bei gelingender Integration ist Zuwanderung eine Chance zur Fachkräftesicherung und ein Beitrag zur Abmilderung demographischer Folgen“, sagte der Sozialminister.

          Dabei müsse allerdings mit Bedacht vorgegangen werden. „Eine Verdrängung der hiesigen Arbeitskräfte darf nicht stattfinden.“ „Es darf kein Ausspielen zwischen einheimischen Arbeitskräften und Flüchtlingen geben“, sagte SPD-Mann Decker. Ausnahmen vom Mindestlohn für Zuwanderer seien der falsche Weg, weil das zu „Verwerfungen“ auf dem Arbeitsmarkt führen würde. Decker sprach sich, ebenso wie Redner von Grünen, Linkspartei und FDP, für ein effektives Einwanderungsgesetz aus, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die Einwanderung aus beruflichen Gründen müsse endlich in geordnete Bahnen gelenkt werden. „Wir brauchen einen klaren gesetzlichen Rahmen, damit vieles einfacher, transparenter und zielführender gestaltet werden kann“, sagte Decker.

          Scharfe Kritik von FDP-Mitglied

          Marcus Bocklet (Die Grünen) lobte das von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) aufgelegte Programm „Pro Abschluss“, mit dem die 320000 ungelernten Arbeitskräfte in Hessen zum Erwerb eines Berufsabschlusses animiert werden sollten. Auch das Potential gut gebildeter Migranten werde oft verschenkt, weil deren Berufsabschlüsse in Deutschland keine Anerkennung fänden. Die Linken-Abgeordnete Marjana Schott beklagte die „neoliberale“ Wirtschaftspolitik in Deutschland, die zu unzumutbaren Arbeitsbedingungen geführt habe und die auch ein Grund für den Mangel an Fachkräften sei.

          René Rock (FDP) übte scharfe Kritik an der CDU, denn nicht zuletzt sie habe in den vergangenen Jahren im Bund und in Hessen eine Arbeitsmarktpolitik im Sinne der Wirtschaft blockiert. Statt die Einwanderung von Fachkräften oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf konsequent zu fördern, habe die Union in Berlin gemeinsam mit der SPD die Rente mit 63 eingeführt und somit den ohnehin schon großen Fachkräftemangel noch verschärft.

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