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Wiesbaden-Breckenheim : Wenn Wettbewerber kooperieren

Modell mit Zukunft? Im Wiesbadener Stadtteil Breckenheim betreiben die Frankfurter Volksbank und die Nassauische Sparkasse eine gemeinsame Selbstbedienungsstelle. Bild: Marcus Kaufhold

Volksbanken und Sparkassen sind harte Konkurrenten. Aber wenn es sein muss, arbeiten sie auch zusammen, wie neuerdings die Frankfurter Volksbank und die Nassauische Sparkasse zeigen.

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          Nein, das ist hier nicht der Mittelpunkt des Finanzplatzes Rhein-Main. Nicht das Zentrum Frankfurts, nicht das Zentrum Wiesbadens, nicht einmal das Zentrum von Wiesbaden-Breckenheim. Sondern die Peripherie dieses Stadtteils, kurz vor der Autobahn.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Dort findet sich am Rande eines Gebäudes seit kurzem ein Geldautomat, der von zwei Kreditinstituten gemeinsam betrieben wird: Kunden der Nassauischen Sparkasse können dort ebenso Bargeld abheben wie Kunden der Frankfurter Volksbank. Das klingt weitaus selbstverständlicher, als es ist. Denn die beiden Banken sind nicht nur einfach Konkurrenten. Sie gehören auch noch zwei ganz unterschiedlichen Bankengruppen an. die genossenschaftlich organisierten Volksbanken hier, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen dort: Niemand wetteifert stärker miteinander um die Privatkunden und den Mittelstand Deutschlands als diese Institute.

          Dass es in Breckenheim jetzt ein wenig anders ist, dass die beiden seit Monatsbeginn kooperieren, hängt mit dem Kostendruck zusammen, der in der Finanzbranche herrscht, seit die Zinsen niedriger und niedriger sind. Synergieeffekte wolle man mit dem gemeinsamen Automaten erzielen, heißt es von den beiden Häusern. Die Miete für den Raum, die Stromkosten, all dies wird jetzt geteilt.

          Kooperation bringt auch Schwierigkeiten mit sich

          Bisher betrieb die Nassauische Sparkasse eine Selbstbedienungs-Stelle im Ortskern, die Frankfurter Volksbank war schon bisher am Ortsrand vertreten. Nun sind beide dort zusammengezogen. Nur so könne überhaupt ein solches Angebot in diesem Stadtteil erhalten bleiben, lassen die beiden Institute wissen. Weiterhin jeder für sich – das wäre aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur schwer aufrechtzuerhalten gewesen.

          Einfach ist das alles allerdings nicht. Beim Geldautomaten funktioniert die Kooperation tatsächlich, beim Kontoauszugdrucker, der daneben steht, schon nicht mehr. Wie der Sprecher der Frankfurter Volksbank erläutert, können dort nur Kunden seines Hauses Auszüge drucken. Dürften dies auch die Kunden der Konkurrenz, würden Datenschutzregeln verletzt. Immerhin: Am Geldautomaten könnten die Kunden der Nassauischen Sparkasse ja zumindest ihren Kontostand abfragen, sagt der Sprecher.

          Ganz neu ist solch eine Kooperation nicht. Schon seit Jahren betreibt die Frankfurter Volksbank gemeinsame Selbstbedienungs-Stellen mit der Taunus-Sparkasse in Königstein-Mammolshain und in Oberursel-Weißkirchen, zudem mit der Sparkasse Hanau in Bruchköbel-Niederissigheim. Aber das waren Einzelfälle. Zu der neuen Kooperation im Wiesbadener Stadtteil Breckenheim hingegen heißt es ausdrücklich von den beiden Instituten, wenn sie sich bewähre, wollten die Manager überlegen, ob sie ihre Kräfte auch anderswo bündeln.

          Auf das richtige Maß kommt es an

          Naheliegend wäre es. Denn so sehr die Menschen bedauern, wenn in ihrem Wohnort oder Stadtteil eine Bankfiliale schließt – es gehen doch immer weniger Menschen dorthin. Und auch ein Geldautomat lohnt sich für eine Bank nur, wenn er häufig benutzt wird. Andererseits: Gerade in eher ländlich geprägten Regionen werben nur die jeweilige Volksbank und die örtliche Sparkasse um Kunden – da ist es schon gut, wenn sie Konkurrenten bleiben. Es kommt wohl auf das richtige Maß der Kooperation an.

          Bleibt nur noch die Frage, was eigentlich die Frankfurter Volksbank in Wiesbaden zu schaffen hat. Schließlich hat die Landeshauptstadt eine eigene Volksbank, und gemeinhin achten die genossenschaftlichen Institute das Regionalprinzip, wonach sie nicht gegeneinander antreten. Das kann der Sprecher der Frankfurter Volksbank allerdings ganz leicht erklären: Vor der Gebietsreform in den siebziger Jahren zählte Breckenheim zum damaligen Main-Taunus-Kreis und damit zum Gebiet der einstigen Volksbank Main-Taunus. Und die fusionierte 2009 mit der Frankfurter Volksbank.

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