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Wiener Feinbäckerei : Bäcker war mal, Snacks und Frontbaking ist heute

Paulskirche und Römer in Sichtweite: Heberer-Filiale an der Neuen Kräme in Frankfurt. Bild: Cornelia Sick

Die Wiener Feinbäckerei Heberer, die – anders als der Name vermuten lässt – ihre Wurzeln in Offenbach hat, will expandieren. Eine Premium- und Qualitätsstrategie soll den Erfolg bringen.

          Einfach gute Brötchen zu backen reicht nicht mehr. Dem ursprünglich aus Offenbach stammenden Familienunternehmen Heberer mit Sitz im Mühlheim am Main jedenfalls nicht. Das Haus setzt im harten Wettbewerb mit knusprigen Brötchen, Hörnchen und Zwischenmahlzeiten nach eigenem Bekunden auf mehr Gesundes und Premiumqualität.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Heberer zählt sich selbst zu den Top drei der Back- und Snack-Ketten in Deutschland, wie ein Sprecher sagt. In der Fläche liegen die Back-Filialisten Kamps und Steinecke noch vor den Mühlheimern. Nicht aber an stark frequentierten Standorten wie Flughäfen, Bahnhöfen und U-Bahn-Knotenpunkten, wie es im Unternehmen heißt. Da sind die Mühlheimer nach eigenen Angaben die Nummer eins. In der Rhein-Main-Region beansprucht das Familienunternehmen, das heute in vierter Generation von den Brüdern Georg und Alexander Heberer geleitet wird, ebenfalls die Marktführerschaft.

          Überhaupt hat sich die Welt des Bäckers grundlegend verändert

          Da kommt man mit gutem Handwerk allein nicht hin, sondern muss sich immer Neues einfallen lassen, um den vielumworbenen Kunden mehr Backwerk als andere zu verkaufen. Die Kamps und Back-Factories dieser Welt schlafen schließlich auch nicht und sorgen ihrerseits mit sogenanntem Frontbaking und Erlebnisbäckereien für Aufsehen. Die Back-Factory ist die Discounttochter der Harry-Brot GmbH, einer als Familienunternehmen geführten Großbäckerei aus der Nähe von Hamburg. Die einst vom Bocholter Bäckermeister Heiner Kamps gegründete Kette wiederum gehört heute unter anderem einem Fonds der Frankfurter ECM Equity Capital Management GmbH.

          Überhaupt hat sich die Welt des Bäckers zumindest bei den Ketten grundlegend verändert. Von Lounge-Stil, Wohlfühlatmosphäre und der Erlebniswelt Bäckerei ist inzwischen die Rede. Eine Strategie des Hauses Heberer, sich der Konkurrenz zu erwehren, sind besonders noble Filialen in Vierteln mit großer Kaufkraft, die auch Kunden mit Premium-Anspruch gerecht werden sollen. „Erster Wiener“ heißen diese Dependancen. Geschäftsführer Alexander Heberer spricht von der Premiummarke des Hauses.

          Der Name war pfiffig gewählt

          Ideenreich war der Chronik des Hauses nach auch schon der Großvater. Da er das Handwerk in Wien erlernt hatte, nannte er die väterliche Bäckerei in Offenbach nach seiner Rückkehr pfiffig in 1. Wiener Feinbäckerei um, heißt es dort. Im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen hat Heberer gerade eine Filiale der Wiener Feinbäckerei aufgewertet zu einer „Erster Wiener“-Dependance. Entwickelt wurde diese Idee schon 2009, nun ist sie bis nach Sachsenhausen vorgedrungen. Alles in allem betreiben die Mühlheimer heute allein im Rhein-Main-Gebiet mehr als 70 Filialen und planen noch weitere. So sind für Frankfurt Neueröffnungen am Flughafen, am Hauptbahnhof und am Südbahnhof angekündigt. Weitere neue Standorte in Rhein-Main sind die ICE-Bahnhöfe in Aschaffenburg und Hanau. Die Expansion ist nicht auf den Großraum Frankfurt beschränkt, unlängst eröffnete eine neue Filiale am Berliner Kranzlereck.

          Die Zahl der Filialen, die einst bei gut 470 lag und auf 500 anwachsen sollte, wird heute mit „mehr als 400“ angegeben. Das ist ein Resultat der Restrukturierung, die das Haus zwei Jahre lang durchlaufen hat. Ein anderes war die Schließung einer Backwarenproduktion in Hoyerswerda. Wie viele Frauen und Männer in einer Dependance von Heberer arbeiten, verrät das Unternehmen heute nicht mehr, aus Rücksicht auf Franchisenehmer und deren Verantwortung für das Personal, wie es heißt. Zuletzt war vor Jahren von etwa 3000 Beschäftigten die Rede.

          Alte, wiederentdeckte Getreidesorten

          Zur neuen Strategie der Wiener Feinbäcker aus Mühlheim gehört es auch, dem bei den Kunden wachsenden Qualitätsbewusstsein beim Backwerk gerecht zu werden. Das soll etwa mit dem Angebot eines von Hand ausgehobenen Steinofenbrotes namens „Das Echte“ geschehen. Bei einer anderen Brotsorte werden neuerdings alte, wiederentdeckte Getreidesorten beigemischt.

          Das mag nach der guten alten Backstube klingen, die hat aber mit der Realität einer modernen Produktion nichts zu tun, auf die auch Heberer zurückgreifen muss, um jene 150 Millionen Stück Backwerk produzieren zu können, mit dem das Haus 2010 einen Umsatz von 130 Millionen Euro erzielen konnte.

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