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Verdi gegen Amazon : Ein Tarifstreit geht ins siebte Jahr

Wiederholung: Mitarbeiter streiken bei Amazon in Bad Hersfeld Bild: dpa

Verdi lässt nicht locker. Zum wiederholten Male seit 2013 ruft die Dienstleistungsgewerkschaft ihre Mitglieder bei Amazon in Bad Hersfeld zum Warnstreik auf. Das Ziel ist das alte.

          Verdi lässt nicht locker. Zum wiederholten Male hat die Dienstleistungsgewerkschaft ihre Mitglieder bei Amazon in Bad Hersfeld zum Warnstreik aufgerufen. Die Arbeitnehmervertreter streiten sich mit dem amerikanischen Konzern seit 2013 unter anderem um die Frage, wie die Mitarbeiter zu entlohnen seien.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Amazon zahlt nach einem hauseigenen Vergütungssystem. Einen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft gibt es nicht, wie es bei Verdi heißt. Die Bezahlung orientiere sich an dem, was für logistische Tätigkeiten in der Region gezahlt werde, sagte Streikleiterin Mechthild Middeke zu FAZ.NET. Verdi möchte die Mitarbeiter aber im Handelstarif sehen. Dann bekämen sie mehr Geld.

          „Tariflohn höher und berechenbarer“

          Auf die Frage, weshalb Amazon keinen Handels-Tarifvertrag mit Verdi für seine Lager in Bad Hersfeld abschließe, verwies der Konzern auf einen Anfangslohn von 11,18 Euro. Nach 24 Monaten bekomme ein Mitarbeiter durchschnittlich 2266 Euro brutto im Monat, inklusive leistungsbezogener Boni und einer Sonderzahlung im Jahr. „Zusätzlich profitieren Mitarbeiter von Aktien und weiteren Zusatzleistungen wie Sondervergütung für Überstunden, Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Beiträgen für die betriebliche Altersvorsorge oder das "Career Choice"-Programm“, heißt es weiter. Für den Job als Versandmitarbeiter sei keine Vorqualifikation nötig, hebt Amazon hervor.

          Dem hält Middeke entgegen, ein Kommissionierer als typischer Mitarbeiter eines Logistikzentrums bekomme nach Handels-Tarif 2278 Euro im Monat brutto.Der Stundenlohn belaufe sich auf 13,98 Euro. Hinzu komme ein Weihnachtsgeld in Höhe von 62,5 Prozent des jeweiligen Novemberlohns sowie ein Urlaubsgeld von 1290 Euro. Middeke: „Das wiegt auf jeden Fall mehr als auf, was an Aktienbeteiligung im Raum steht“ - zumal solche Optionen erst nach zwei Jahren wirksam würden. Ein Tarifgehalt sei nicht zuletzt berechenbarer.

          600 Warnstreikende erwartet

          „Der Ausstand begann mit der Nachtschicht und wird alle Schichten des heutigen Tags umfassen“, meldete Verdi am Morgen. Mit dem ersten Streik im laufenden Jahr wolle die Gewerkschaft verdeutlichen, dass der Arbeitskampf für eine bessere Bezahlung nach dem Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels weitergeführt werde.

          Wie Middeke sagte, nehmen an den Warnstreiks gewöhnlich rund 600 Kolleginnen und Kollegen teil. Aktuell seien es 300 bis 400, meinte sie. Weitere folgten im Tagesverlauf, wenn Schichtwechsel sei.

          „Motivation ungebrochen“

          „Wir wollen heute bei den Streikversammlungen mit den Streikenden diskutieren, wie wir die Streiks in diesem Jahr gestalten wollen und wie diese eine größtmögliche Wirksamkeit erzielen", wird Middeke zitiert.

          Einen Arbeitskampf über so viele Jahre aufrechtzuerhalten, setze voraus, dass es viele Gewerkschafter bei Amazon gebe, die sich an den Streiks und ihrer Organisation beteiligten. „Bisher ist die Motivation weiterzumachen, ungebrochen", hebt Middeke hervor.

          Amazon investiert

          Amazon betreibt in Bad Hersfeld mittlerweile seinen größten Standort in Deutschland. Im vergangenen Jahr steckte der Konzern eine einstellige Millionensumme in sein dortiges Logistikzentrum unweit der A4. Seit dem Sommer hat es im FRA1 genannten Lager eine große Sortimentserweiterung gegeben. Aufgenommen wurden Bier, Wein und Spirituosen - Zehntausende verschiedene Artikel.

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