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Modernes Fernseherlebnis : Neue Technik für scharfe Bilder

  • -Aktualisiert am

Neue Technikgeneration: Dieses Regiestudio des SWR galt 2011 als modern. Bild: dpa

In Las Vegas endete am Donnerstag die weltgrößte Messe für Fernsehtechnik. Was dort gezeigt wurde, verspricht Unternehmen aus Rhein-Main gute Geschäfte.

          3 Min.

          Die Bilder auf den gigantischen TV-Wänden sind gestochen scharf, die Farben brillant. Die ultrahohe Auflösung auf den Schirmen wirkt in den großen Hallen der Broadcasting-Messe NAB-Show im amerikanischen Las Vegas etwas unwirklich und markiert doch eine Entwicklung, der sich Fernsehsender nicht entziehen können. Ultra High Definition, kurz UHD, bleibt einer der großen Trends in der Rundfunkwelt. Aber die neue Datenübertragung, das sogenannte „Video over IP“, wird in den nächsten Jahren Investitionen in Millionenhöhe auslösen. Das Fernseherlebnis von Millionen Zuschauern in Deutschland wird sich abermals verändern.

          Das ist interessant für mittelständische Unternehmen aus Wiesbaden und Mainz, für die der Technologiewechsel ein gutes Geschäft werden könnte. Umso genauer studieren sie die Trends, die gerade auf der NAB-Show gezeigt werden, der internationalen Leitmesse im Broadcasting-Segment, also für die Übertragungstechnik von Hör- und Fernsehfunk. Etwa 1800 ausstellende Unternehmen zeigen dort die neuesten Entwicklungen für Multimedia und Unterhaltungselektronik sowie Display-Systeme, Technologie für die Postproduktion, außerdem digitale Speicher- und Übertragungslösungen. Rund 100.000 Besucher aus der ganzen Welt schauen sich das an.

          Wie entwickelt sich die Industrie?

          Einer von ihnen ist Scott Lührs von der Mainzer BFE Studio und Medien Systeme GmbH. „Momentan wird auf der NAB sehr viel Geld bewegt“, sagt er. Weltweit müssten sich Fernsehsender mit neuer Technik für die Übertragung in UHD und HDR (High Dynamik Range, stärkere Kontraste) sowie Video over IP ausrüsten. „Das hat schon begonnen.“ Eine solche Systemumstellung und -integration gehört zum Portfolio des Mainzer Unternehmens, das rund 180 Mitarbeiter beschäftigt. Die Gesellschaft generiert ihren Umsatz in verschiedenen Segmenten. Dazu zählen die Systemintegration im Broadcasting-Bereich und in der Medientechnik sowie eine eigene Software, die die zahlreichen Geräte innerhalb eines Fernsehstudios orchestriert und steuert.

          Kernmarkt der BFE sind Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Alle deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Sender sind Kunden von uns“, erläutert Lührs. Für sie sind er und seine Kollegen nun auf der Messe unterwegs. „Die NAB ist ein guter Ort, um zu sehen, wie sich die Industrie entwickelt.“ Lührs ergänzt: „Außerdem sind hier unsere Partner und die Hersteller, deren Geräte von unserer Software gesteuert werden.“

          Treffen mit den Herstellern

          Lührs will in Las Vegas die Trends identifizieren, die es zum Standard schaffen könnten. Das sei nicht unerheblich, denn die Ergebnisse seiner Arbeit sehen jeden Tag Millionen von Menschen. „Wer in Deutschland fernsieht, sieht die Bilder auch mit Hilfe unserer Technik“, stellt er klar. Aber nicht nur das: Die Mainzer integrieren ihre bildgebenden Systeme zudem in anderen Märkten. So hat BFE die neue Sicherheitsleitstelle am Frankfurter Flughafen entwickelt. Die Überwachungskameras und die Monitore werden mit Hilfe der Software aus Mainz gesteuert.

          Auch für die Wiesbadener Teltec AG ist die Messe in Las Vegas ein unverzichtbarer Termin, um Kontakte zu den Herstellern zu halten, wie Steffen Schenk, Chief Operating Officer von Teltec, sagt. Seine Firma bezeichnet sich als Systemlieferant für gewerbliche Medien-Lösungen, zu den Kunden gehören Fernsehsender, Hochschulen und Industrieunternehmen. Die Gesellschaft beschäftigt einhundert Mitarbeiter und plant laut Schenk ihre Expansion vor allem nach Österreich und Tschechien. Als Alleinstellungsmerkmal bezeichnet das Unternehmen sein breites Produktportfolio mit etwa 15.000 Produkten von 350 Herstellern wie Canon, Panasonic, Sony, Blackmagic Design und Arri.

          „Technologie-Guide“ der Branche

          „Auch wenn im Vergleich zu früheren Jahren die Hersteller ihre Neuheiten nicht mehr zwingend auf Messen wie der NAB vorstellen, so ist sie für Systemhändler wie Teltec trotzdem ungemein wichtig“, versichert Schenk. Dort werde am deutlichsten, wohin die technologischen, aber auch die vermarktungstechnischem Trends zielten. „Das ist für uns wichtig, um unsere Dienstleistungen anzupassen“, sagt Schenk.

          Genau das haben auch die Fachleute von der Netorium GmbH vor, die ebenfalls in Wiesbaden ansässig ist und Zweigstellen in Köln, Hamburg und München hat. Andreas Lautenschläger ist technischer Leiter des mittelständischen Unternehmens mit 45 Mitarbeitern. Netorium entwickelt softwarebasierte Lösungen als Teilprojekte kompletter Umstellungen von Studiotechnologie. Das Unternehmen nutzt dazu die Software von Partnerfirmen und passt diese den Bedürfnissen seiner Kunden an. „Wir bezeichnen uns intern als Technologie-Guide für die Branche“, sagt Lautenschläger, der mit mehreren Kollegen auf der NAB ist. „Wir gleichen die Trends mit den Anforderungen unserer Kunden ab“, führt er weiter aus.

          Ähnlich wie bei BFE gehörten alle öffentlich-rechtlichen Sender und auch die privaten Rundfunkanstalten zu den Kunden von Netorium. „Die NAB ist für uns ein absolutes Pflichtprogramm“, stellt Lautenschläger klar. Auch er deutet das, was er in Amerika erfährt, in gute Geschäftsaussichten für seine Branche um: „Alle unsere Kunden müssen in den nächsten zehn Jahren ihre Infrastruktur erneuern, was zu einem kompletten Technologiewechsel führen wird“, sagt er und ergänzt: „Das ist die Herausforderung, vor der die deutschen Sender stehen.“

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