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Satis&Fy in Karben : Die Krise für Erweiterung genutzt

Fürstlich: Mit seinem Unternehmen Satis&Fy will Nico Ubenauf Leben ins Thurn-und-Taxis-Palais bringen. Bild: Lakuntza, Nerea

Die Pandemie hat die Eventbranche besonders getroffen – auch Satis&Fy. Doch das Unternehmen hat die Zeit genutzt und sich neue Orte gesichert.

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          Wenn Nico Ubenauf über die Baustelle der Vilco läuft und davon schwärmt, was das neue Veranstaltungszentrum in Bad Vilbel alles zu bieten hat, dann könnte man meinen, es gehöre ihm. Eigentümer ist Ubenauf zwar nicht, doch das städtische Kongresszentrum, das aus einem eleganten Neubau in Verbindung mit dem historischen Kurhaus besteht, ist sozusagen sein Baby. Denn schon früh sei er als Fachmann in die Pläne für das künftige Zentrum der Kurstadt in der Wetterau einbezogen gewesen und habe seinerzeit geraten, nicht noch eine weitere Standard-Stadthalle zu bauen, die dann wie viele andere weitgehend leer stehe.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er hatte seinerzeit den städtischen Entscheidern geraten, größer zu denken, und auf einem Bierdeckel skizziert, was er sich vorstellte. Das hat man in Bad Vilbel beherzigt, und Ubenauf hat mittlerweile mit seinem Unternehmen Satis&Fy nach einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten, dafür zu sorgen, dass von Anfang nächsten Jahres an die Säle auch tatsächlich regelmäßig mit bis zu 2000 Gästen gefüllt werden.

          Die Vilco ist nicht der einzige Ort, den sich das Karbener Unternehmen, das mit Beginn des ersten Lockdowns seine Geschäftsgrundlage verloren zu haben schien, in der Zeit der Pandemie gesichert hat. Die einstige Technikfirma – die bekannt geworden ist, weil sie etwa die Alte Oper für große Feste in farbiges Licht tauchte und sowohl Bühne als auch die Säle mit Licht, Videoinstallationen und Klang in Szene setzte – hatte plötzlich sämtliche Aufträge für die Inszenierung nationaler wie internationaler Starauftritte, Kongresse, Messe- und Mitarbeiterveranstaltungen verloren.

          Zunächst keine Perspektive, Kurzarbeit, Schockstarre

          Nach Jahren, in denen es stetig aufwärts gegangen, die Zahl der Mitarbeiter weltweit auf fast 700 und der Umsatz auf mehr als 120 Millionen Euro gestiegen war, stoppte die Pandemie die Entwicklung jäh. Der Rosenball in Berlin, der Genfer Autosalon, die Messe Prolight and Sound und die Luminale in Frankfurt, Großveranstaltungen von Banken und Wirtschaftsprüfern und viele weitere Events: alle abgesagt. Und keine Perspektive, Kurzarbeit, Schockstarre.

          Doch Ubenauf ist aus tiefem Herzen Unternehmer und überzeugt von seiner Branche. So schloss er sich vor einem Jahr mit den führenden Unternehmen und Verbänden der Veranstaltungswirtschaft zu der Initiative #Alarmstufe Rot zusammen. Am 28. Juli 2020 ließen sie zum ersten Mal markante Veranstaltungsorte wie Theater, Clubs, Denkmäler, Eventlocations, Stadt- und Messehallen in rotes Licht getaucht erstrahlen.

          Elegant: das Veranstaltungszentrum Vilco in Bad Vilbel
          Elegant: das Veranstaltungszentrum Vilco in Bad Vilbel : Bild: Wolfgang Eilmes

          „Unsere Branche wurde nicht ausreichend wahrgenommen“, sagt Ubenauf. Denn auch wenn die Lockerungen manches möglich machen, so darben viele Unternehmen weiterhin, noch immer ist für viele die Perspektive unklar. Darum gab es im Juni eine zweite „Night of Light“. Die sechstgrößte Branche in Deutschland habe seit mehr als 15 Monaten fast keinerlei Einnahmen und müsse trotz Corona-Programmen der Regierung immense Verluste tragen, hieß es von der Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft. Trotz regelmäßiger Beteuerungen setzten sich die Parteien im Bund und in den Ländern nicht für den unverschuldet notleidenden Wirtschaftszweig ein.

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