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Nachhaltiges Frachtflugzeug : CO2-neutral nach Schanghai und zurück

Premiere: Diese Boeing 777 wird am Sonntag klimaneutral nach China fliegen. Bild: Lucas Bäuml

Erstmals hebt am Airport ein Frachtflugzeug ab, für dessen Flug der Treibstoff rechnerisch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt. Wenn die Kunden mitspielen und den Aufpreis akzeptieren, kann daraus mehr werden.

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          Nein, das Frachtflugzeug vom Typ Boeing 777 namens Konnichiwa, das an diesem Sonntag um 8:10 Uhr vom Flughafen Frankfurt in die chinesische Metropole Schanghai startet, wird den Weg nicht ausschließlich mit Treibstoff aus regenerativen Quellen zurücklegen. Es ist nicht einmal zu sagen, wie hoch der Anteil von sogenanntem Sustainable Aviation Fuel in den Tanks des Frachters ist und wie viel konventionelles, aus Erdöl hergestelltes Kerosin enthalten ist.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Und trotzdem ist es kein „Fake“, was der Lufthansa-Cargo-Vorstandschef Peter Gerber und Jochen Tewes, Vorstandsvorsitzender von DB Schenker, am Freitag gemeinsam auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens als weltweite Premiere der Frachtfliegerei vorstellten. Denn die 174 Tonnen Treibstoff, die die beiden gewaltigen Triebwerke der Boeing 777 für den Umlauf Frankfurt – Schanghai – Frankfurt brauchen, hat der Lufthansa-Cargo-Kunde DB Schenker in voller Höhe in Form von Kerosin aus erneuerbaren Quellen erworben, wie Thorsten Meincke, Vorstand für Luft- und Seefracht bei DBSchenker, erläuterte.

          Damit ein solcher Flug für den Transportdienstleister Schenker und die Cargoflieger von Lufthansa gleichermaßen rentabel ist, müssen allerdings auch Kunden bereit sein, die höheren Frachtpreise zu zahlen. Wie hoch der Aufschlag insgesamt ist, verrät Schenker nicht, weil das der Konkurrenz Einblicke in die Kalkulation verschafft, was die eigene Marktposition schwächen könnte. Dass der CO2-neutrale Treibstoff je nach Quelle drei- bis siebenmal so viel kostet wie das konventionell hergestellte Kerosin, verriet Vorstand Meincke aber schon. Mit Beginn des Sommerflugplans 2021 will sein Haus CO2-neutrale Luftfracht als regelmäßiges Produkt anbieten, kündigte Vorstandschef Tewes an.

          Nachfrage kann bislang noch nicht gedeckt werden

          Lufthansa-Cargo-Chef Gerber will den Flug nach Schanghai auch als einen Appell verstanden wissen, den Treibstoff aus erneuerbaren Energien stärker zu nutzen und die Forschung an alternativen Treibstoffen voranzutreiben. Derzeit wird das synthetische Material noch hauptsächlich aus Biomasse hergestellt, beispielsweise aus benutztem Speiseöl und Rapsöl. Allerdings werde noch nicht genug Treibstoff dieses Ursprungs angeboten, um eine große Nachfrage tatsächlich decken zu können. Auf längere Sicht setzt die Luftverkehrswirtschaft darauf, dass das nachhaltige, synthetische Kerosin in verschiedenen sogenannten Power-to-Liquid-Verfahren hergestellt wird, auf Basis von regenerativem Strom, Wasser und Kohlendioxid. Ziel ist es, den fossilen CO2-Ausstoß beim Fliegen vollständig zu vermeiden. Allerdings ist derzeit bei unveränderten Triebwerken lediglich eine Zugabe von bis zu 50Prozent des synthetischen Kerosins erlaubt.

          Mehr als die Hälfte darf also auch nicht in den Tanks der am Sonntag von Frankfurt nach Schanghai aufbrechenden Boeing 777 sein. Ungeachtet dessen wird die gesamte für den Flug benötigte Menge an nachhaltigem Kerosin dem Treibstoffversorgungssystem am Frankfurter Flughafen zugeführt. In der Praxis wird dieses Kerosin zwar in vielen verschiedenen Flugzeugen verbrannt werden. Rechnerisch ist damit dennoch ebendieser eine Flug CO2-neutral.

          Ein Beleg für den Klimaschutz

          Für Schenker-Chef Tewes ist der Flug auch ein Beleg dafür, dass die Frachtfliegerei in Sachen Klimaschutz schon weiter ist als gemeinhin angenommen. Und er ist sich auch sicher, dass sich genug Luftfrachtkunden finden, die bereit sind, den Aufschlag für das nachhaltige und CO2-neutrale Kerosin zu zahlen.

          Einer der Kunden des Erstfluges ist die Siemens Healthineer AG. Unter ihrem Dach sind alle medizintechnischen Aktivitäten des Siemens-Konzerns zusammengefasst. Der zentrale Anspruch seines Hauses als Luftfracht-Kunde sei es, die medizintechnischen Systeme und wichtige Ersatzteile seines Hauses schnell und zuverlässig dorthin zu bringen, wo sie benötigt würden, sagte Frank Debus, der bei Siemens Healthineer für den Kundenservice und die Logistik zuständig ist. Ungeachtet dessen sei es sehr erfreulich, dass Lufthansa Cargo und Schenker als Logistik-Partner von Siemens Healthineer ein so wichtiges Zeichen für klimafreundlichere Luftfracht setzten.

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