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Einzelhandel in Corona-Krise : „Das muss man würdigen“

Besorgt: Manfred Bachmann betreibt ein Sportgeschäft in Wiesbaden. Bild: Marcus Kaufhold

Der Einzelhändler Manfred Bachmann ist froh um die Unterstützung der Hessischen Landesregierung. Dennoch ist für ihn mit der Corona-Krise eine Katastrophe eingetreten.

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          Manfred Bachmann möchte sachlich bleiben. Doch die jetzige Situation komme für ihn und seine Händlerkollegen durchaus einer „Naturkatastrophe“ gleich, sagt der Geschäftsinhaber des Wiesbadener Outdoor- und Sportgeschäfts Ergo. 1986 hat er sein Geschäft gegründet. Heute gehört es zu den wenigen größeren inhabergeführten Einzelunternehmen in der Stadt. Er habe vom Grundsatz her eine gesunde Firma, sagt der Eigentümer. „Doch die Corona-Krise bringt uns jetzt alle in eine existenzbedrohende Situation.“

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die in den vergangenen Tagen eingetretene Katastrophe beschreibt Bachmann wie folgt: Eine hohe fünfstellige Miete muss er für sein 1400 Quadratmeter großes Sporthaus zahlen, sechsstellige Rechnungen für die gelieferte Ware stehen aus, im Sommer kommen die nächsten Bestellungen, die dann beglichen werden müssen. Auf der anderen Seite: Der Umsatz ist im Moment gleich null, obwohl der Outdoor-Händler Zelte und Wanderschuhe auch über einen Online-Shop verkauft. „Eigentlich würde die Saison jetzt beginnen.“

          Auf Vollzeitstellen hochgerechnet, beschäftigt der Geschäftsmann 20 Mitarbeiter. Kurzarbeit hat er beantragt, doch für die 450-Euro-Kräfte gehe das nicht. Dass er sich selbst als Geschäftsführer kein Gehalt mehr auszahlt, findet er in Ordnung. „Der Staat kann nicht über jeden sein Schutzmäntelchen legen.“

          Die Förderprogramme verstehen lernen 

          Gleichwohl ist der Geschäftsmann froh, dass die Hessische Landesregierung den Unternehmen nicht nur mit Krediten, sondern auch mit Sofortzuschüssen hilft. Das Geld sei wichtig, um laufende Posten wie die Miete zu zahlen. Für Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten, wie es die Bachmann & Palkovich GmbH ist, sind das 30.000 Euro für drei Monate. „Das muss man würdigen“, sagt der Geschäftsführer, der daran erinnert, dass er alle weiter gehenden Hilfen werde zurückzahlen müssen. Das gilt für kurzfristig gewährte Kredite ebenso wie gestundete Steuern.

          Wie alle Händler, deren Geschäfte in der vergangenen Woche schließen mussten, ist Bachmann seit einer Woche damit beschäftigt, die Förderprogramme zu verstehen und die Berater bei seinen beiden Hausbanken zu erreichen, um einen Hilfskredit zu beantragen. Telefonisch komme er kaum durch. Die Hausbank schicke ihn mit seinen Fragen zur KfW-Bankengruppe und umgekehrt. Was Bachmann bisher verstanden hat: Bilanzen für drei Jahre rückwirkend muss er vorlegen, und er muss zudem einen Liquiditätsplan ausarbeiten. Das hält er grundsätzlich für nachvollziehbar und korrekt. „Aber wie soll ich einen Liquiditätsplan vorlegen, wenn ich nicht weiß, wann ich wieder aufmachen darf?“

          Auch ärgert Bachmann, dass den Unternehmen in der Corona-Krise je nach Bonität Kredite mit einem Zinssatz zwischen ein und sieben Prozent angeboten werden, zwar mit einem Jahr Tilgungsfreiheit, aber rückzahlbar innerhalb von fünf Jahren. Immobilienkredite hingegen hätten einen Zinssatz von 0,5 Prozent auf fünf Jahre. „Auf mich wirkt das sehr wie ein Konjunkturprogramm für die Banken“, sagt der Einzelhändler.

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