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Widerstand gegen Bebauungsplan : Binding sieht seinen Standort bedroht

Rund um den Henninger Turm und angrenzend an die Binding-Brauerei (links) sollen Wohnungen und Büros entstehen Bild: Wonge Bergmann

Die Binding Brauerei will Widerspruch gegen den Entwurf des Bebauungsplans „Rund um den Henninger-Turm“ einlegen. Binding sieht seinen traditionsreichen Brauerei-Standort am Sachsenhäuser Berg in Frankfurt durch den Planentwurf bedroht.

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          Die Binding Brauerei will Widerspruch gegen den Entwurf des Bebauungsplans „Rund um den Henninger-Turm“ einlegen. Das hat Ulrich Kallmeyer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Binding-Muttergesellschaft Radeberger-Gruppe, angekündigt. Nach seinen Worten sieht Binding seinen traditionsreichen Brauerei-Standort am Sachsenhäuser Berg in Frankfurt durch den Planentwurf bedroht. Das frühere Henninger-Gelände soll größtenteils in ein Wohngebiet und zum kleineren Teil in ein Mischgebiet, das an das Binding-Areal grenzt, umgewandelt werden. Dieser Plan hat laut Kallmeyer niedrigere Obergrenzen für den Lärm zur Folge, der von der Brauerei ausgehen dürfe.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Begrenzung treffe den Betrieb in einer Zeit der verstärkten Nachfrage nach seinen Produkten, die mehr Lastwagen- und Rangierverkehr auf dem Brauereigelände zur Folge habe, sagte Kallmeyer. „Wir werden lauter, sollen aber leiser werden – das verträgt sich nicht.“ Aus seiner Sicht fördert der Bebauungsplan eine „brauereifreie Zone Sachsenhausen“.

          Konflikt mit Wohnnutzung nicht auszuschließen

          Die Stadt sieht die Situation weniger dramatisch. Bei einem Treffen von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU), Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke und Vertretern von Binding sei verabredet worden, gemeinsam eine Lösung zu finden, teilte der Dezernatssprecher mit. „Es ist niemand daran gelegen, dass die Brauerei wegziehen muss.“ Im Bebauungsplanentwurf heißt es, die „zukunftsorientierte Sicherung des Brauereistandorts Binding“ sei ein wichtiges Ziel. Zum Schutz vor Gewerbelärm ist eine Wohnnutzung im unmittelbar an die Brauerei angrenzenden Abschnitt ausgeschlossen. Im Mischgebiet ist eine geschlossene Bauweise vorgesehen, um die Bewohner gegenüber der Lärmquelle auf dem Betriebshof der Brauerei abzuschirmen.

          Im Plan heißt es auch, da die zulässigen Immissionsgrenzwerte örtlich nicht eingehalten werden könnten, sei ein Konflikt mit der Wohnnutzung nicht auszuschließen. Die im eigentlichen Kern des neuen Quartiers auf dem Henninger-Areal gelegenen Wohngebiete östlich des Hainer Wegs sind von dem Gewerbelärm nicht mehr betroffen. Im an das Binding-Gelände angrenzenden Mischgebiet sind Wohnungen nur ausnahmsweise zugelassen. Der Schallschutz ihrer Bewohner sei durch die bereits bestehenden Emissionsbeschränkungen sichergestellt.

          Millioneninvestitionen liegt auf Eis

          Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine geplante Großinvestition in sein Betriebsgelände gestoppt. Binding hatte ursprünglich den alten Carolussaal abreißen und durch ein Conrad-Binding-Haus mit Tagungsräumen, Getränke-Markenwelt und Kantine ersetzen wollen. Die Brauerei sollte mit Blick auf den Energieverbrauch modernisiert und ein Logistikzentrum gebaut werden. Dafür war eine zweistellige Millionensumme vorgesehen, wie Kallmeyer erläuterte. Bis Mitte vergangenen Jahres habe die feste Absicht bestanden, das Betriebsgelände zu modernisieren. Doch der seit drei Wochen bekannte Entwurf des Bebauungsplans biete nicht die erforderliche Rechts- und Planungssicherheit für den Fortbestand oder die Weiterentwicklung des Standorts an der Darmstädter Landstraße, wo die Brauerei seit 1881 bestehe.

          Durch die Umplanung des Gewerbegebiets, auf dem früher die Henninger-Brauerei stand, rücke die Wohnbebauung von Osten her bis auf 100 Meter an die Binding-Brauerei heran, dazwischen liege das Mischgebiet als „Pufferzone“. Mithin muss Binding künftig tagsüber und nachts den Lärm deutlich reduzieren, wie Kallmeyer sagte. Im Einzelnen seien nach der Genehmigung des Bebauungsplans am Tage nur noch 60 Dezibel statt 65 und nachts 45 statt 50 Dezibel zulässig. Das entspreche einer Verringerung um etwa 25 Prozent. Kallmeyer hält dies für nicht machbar, schon gar nicht im Fall eines Abrisses des im östlichen Teil des Betriebsgeländes gelegenen Carolussaals, der als eine Art Lärmriegel wirke.

          500 Mitarbeiter am Sachsenhäuser Berg

          Zudem schöpfe die Brauerei die Lärmgrenzen schon heute im Zweifelsfall aus. Dies sei auch dem Erfolg des zum Jahreswechsel 2006/07 eingeführten Mischgetränks Schöfferhofer Grapefruit zuzuschreiben. Die Mischung aus Weizenbier und Limonade habe sich zur „Überfliegermarke in der Gruppe“ entwickelt und dürfte die 2007 erreichten Verkaufszahlen dieses Jahr noch übertreffen, sagte Kallmeyer voraus. Im vergangenen Jahr hat Binding mehr als 500.000 Hektoliter Schöfferhofer gebraut und abgesetzt, gut ein Fünftel davon entfielen auf das Mischgetränk.

          Insgesamt stellt die in Sachsenhausen rund 500 Mitarbeiter zählende Brauerei mehr als eine Million Hektoliter Bier her, außer der Weizenmarke Binding, Clausthaler und Henninger. Am Sachsenhäuser Berg befindet sich auch der Sitz der Radeberger-Gruppe, die insgesamt etwa 4500 Beschäftigte zählt und vor dem Jahr 2004 als Binding-Brauerei AG firmierte; seitdem ist Binding ebenso wie Henninger eine Radeberger-Tochter. Kallmeyer sieht diesen Standort für den Fall, dass der Bebauungsplan unverändert in Kraft tritt, in Gefahr. Jeder, der in dem neuen Wohngebiet an seinen Fenstern den Lärm messen lassen werde, könne der Brauerei dann das Geschäft erschweren oder sogar dafür sorgen, dass der Betrieb ruhen müsse.

          Für den Fall, dass die sich Befürchtungen der Brauerei bewahrheiten und ein Ausweichstandort gefunden werden müsste, „würden wir am liebsten in Frankfurt bleiben wollen“. Wirbt Binding doch mit dem Spruch: „Überall in Frankfurt zu Hause.“ Rund 15 Hektar bräuchte die Brauerei für ein neues Betriebsgelände, schätzt Kallmeyer. Binding würde nicht offensiv nach einem auswärtigen Standort suchen, aber auch nicht jede Anfrage pauschal ablehnen.

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