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Werkschließung von Coca-Cola : Ohne Chance auf Zukunft

  • -Aktualisiert am

Ein Ende in Sicht: In Liederbach werden bald keine Coca-Cola-Flaschen mehr abgefüllt. Bild: Bergmann, Wonge

Der Coca-Cola-Konzern hatte für seine Abfüllanlage im hessischen Liederbach Großes geplant. Doch es kam alles anders: Das Unternehmen schließt nun sein Werk. Überraschend kam das jedoch nicht.

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          Die angekündigte Schließung der Abfüllanlage von Coca-Cola kommt nicht von ungefähr, sie ist den örtlichen Bedingungen geschuldet. Denn der Konzern wäre gerne geblieben und fühlte sich der kleinen Gemeinde am Rande des Taunus stets verbunden. Es gab Müllsammelaktionen durch die Mitarbeiter, die Geschäftsleitung unterstützte finanziell die Feuerwehr und andere örtliche Vereine. Und Liederbach profitierte von den Steuereinnahmen und der Strahlkraft des großen Namens. Damit ist es bald vorbei, und Liederbachs Bürgermeisterin Eva Söllner (CDU) muss sich ein wenig wie Kassandra vorkommen. Sie warnte seit Jahren vor dem drohenden Exodus.

          Unermüdlich hatte sie auf Grundstückseigentümer eingewirkt, doch der Entwicklung des Konzerns nicht im Wege zu stehen. Geplant war ein einzigartiges Forschungszentrum für Europa. Vergebens. Am Schulterschluss mit den Politikern im Regionalverband und im Main-Taunus-Kreis fehlte es ebenso nicht, als die Unternehmensleitung der Weltmarke sogar danach trachtete, mit einer Umplanung die Zukunft der Abfüllanlagen in dem kleinen Ort zu gewährleisten, obwohl eine Bürgerinitiative das Projekt von Anfang an torpedierte.

          Der große Wurf gelungen

          Doch die Alternativplanung erwies sich als unwirtschaftlich wegen der zu hohen Erfordernisse an den Lärmschutz. Statt mit einer Europa-Zentrale satte Gewerbesteuereinnahmen einzustreichen, muss sich Liederbachs Kämmerin nun auf den baldigen Abschied des Limonadenherstellers einstellen. Mit ein wenig gutem Willen in der Bevölkerung wäre vielleicht der große Wurf gelungen. Aber seit Jahren stemmt sich das Gemeinwesen gegen gesellschaftspolitische Notwendigkeiten – dies war schon beim geplanten Bau von Wohnungen und Seniorenzentrum „Nördlich der Weingärten“ so, der an einem Bürgerentscheid scheiterte.

          Nun muss für das 70.000 Quadratmeter große Coca-Cola-Areal ein anderer Partner gefunden werden, der ein ähnliches Zukunftspotential aufweist wie die braune Limonade aus den Vereinigten Staaten. Nur über den Bebauungsplan haben die Liederbacher ein Mitspracherecht – aber es wird wieder Diskussionen geben. Und wenn demnächst gespart werden muss in der Kommune, sollten die Bürger nicht auf die politisch Verantwortlichen deuten, sondern auf jene, die eine Expansion von Coca-Cola verhinderten. Sie haben durch ihre Aktionen Liederbach in vielerlei Hinsicht ärmer gemacht.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

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