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Weniger Dieselautos : Selbstzünder im Rückwärtsgang

Sind die fetten Jahre vorbei? Die Hersteller bauen jedenfalls weniger mit Dieselöl betriebene Personenwagen. Bild: Patricia Kühfuss

Autohersteller wie Opel bauen weniger Dieselautos. Der Absatz leidet unter der Diskussion um Abgase und Fahrverbote. Experten rechnen mit Preissturz bei Gebrauchten.

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          Der Diesel gerät ins Schlingern. Die Verunsicherung der Verbraucher durch geschönte und gefälschte Abgaswerte auch bei Diesel-Autos neuester Bauart und durch mögliche Fahrverbote schlägt sich massiv in den Zulassungszahlen nieder: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist zwar die Zahl der Neuwagen auf dem deutschen Markt um 3,1 Prozent gestiegen, der Wert neu zugelassener Selbstzünder ging aber um 9,1 Prozent zurück.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Die Benziner legten dagegen um 11,7 Prozent zu. Der Diesel-Anteil an allen 1,787 Millionen Neuzulassungen von Personenwagen in dieser Zeit beträgt 41,3 Prozent. In den vergangen Jahren lag der Marktanteil hier noch bei mehr als 47 Prozent, wie das Center for Automotive Research-Institut an der Universität Duisburg-Essen meldet. In Hessen sieht es für den Diesel wohl kaum besser aus, die Aufschlüsselung nach Ländern für das erste Halbjahr liegt allerdings noch nicht vor, wie das Kraftfahrtbundesamt auf Nachfrage mitteilte.

          Folgen für Opel sichtbar, aber vergleichsweise gering

          Der Landesverband des hessischen Kraftfahrzeuggewerbes schlug aber schon Anfang Mai Alarm, dass die „Diesel-Hochburg Hessen wankt“, nachdem die Verkaufszahlen für neue Personenwagen mit Diesel-Motor im April um ein Fünftel eingebrochen waren. Roger Seidl, Sprecher des Landesverbands, hält es für unzumutbar, dass Autobesitzer und mit ihnen die mittelständisch geprägte Branche im Unklaren darüber gelassen würden, ob nun beispielsweise die Besitzer neuer Euro-6-Dieselfahrzeuge sicher sein könnten, nicht von jenen Fahrverboten betroffen zu sein, die in besonders mit Stickoxiden belasteten Innenstädten für Diesel-Autos drohen. Außerdem müsse endlich geklärt werden, ob Euro-5-Diesel wirksam nachgerüstet werden könnten, und wenn ja, wer das bezahlt. Immerhin forderten zuletzt der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und seine vier Amtskollegen aus Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die Automobilindustrie möge die Nachrüstung älterer Diesel-Fahrzeuge übernehmen und die Kosten dafür nicht auf die Kunden abzuwälzen. Außerdem soll nach dem Willen der Landesväter der fünf Bundesländer, in denen das Gros der 810000 Beschäftigten der Autoindustrie arbeitet, der Kauf von neuen Euro-6-Dieselautos gefördert werden.

          Bei den angesprochenen deutschen Autobauern ist allerdings die Befürchtung schon zur Gewissheit geworden, dass der Diesel die enormen Steigerungsraten der vergangenen Jahre in Zukunft nicht mehr erreichen wird, weshalb sie die Produktion von Diesel-Personenwagen zurückfahren. In den ersten vier Monaten dieses Jahres lag sie mit 888000 Personenwagen um sieben Prozent unter der Zahl der im Vergleichszeitraum des Vorjahres hergestellten Dieselautos. Darauf weist auch Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen und Chef des Automotive Research-Instituts in seiner neuesten Studie hin. Aus der jüngsten Preis-Untersuchung des Instituts geht dem Forscher zufolge außerdem hervor, dass die Hersteller inzwischen auch nicht weiter zu immer höheren Rabatten greifen, um den Diesel doch noch zu verkaufen. „Wenn sogar der ADAC vom Kauf von Diesel-Neuwagen abrät, macht es keinen Sinn, mit niedrigen Preisen oder Sonderangeboten zu reagieren“, sagt Dudenhöffer.

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