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Wellness mit Salz-Therapie : Entspannt unter Gewölbe - schwerelos im Solebad

  • -Aktualisiert am

Ein bisschen was von Tropfsteinhöhle: die künstliche Salzgrotte in Frankfurt Bild: ©Helmut Fricke

Zwischen den Jahren sucht der Mensch stets Entspannung - derzeit zum Beispiel im Solebad oder in der Salzgrotte in Frankfurt. 45 Minuten Nichtstun: zwei Erfahrungsberichte.

          Variante 1: Entspannt in der Salzgrotte

          Ein Besuch in der Salzgrotte ist relativ unspektakulär: Man liegt einfach da und atmet. Es geht auch hier, wie bei allem, was unter dem Begriff Wellness und Spa verkauft wird, um das Abgeschottet-Werden von Reizen und um das Abstellen der eigenen Gedanken. Das ist bei der anfänglich aus den Lautsprechern mal leise, mal lauter tönenden Weihnachtsmusik gar nicht so einfach. Erst später wird sie durch Meeresrauschen und Entspannungsmusik ersetzt. Es empfiehlt sich, den Damen am Empfang gleich bei Ankunft den persönlichen Musikwunsch mitzuteilen.

          Am Empfang müssen sich Besucher, die lediglich ihre Jacke ablegen, blaue Schutzfolien über die Schuhe ziehen, Diese sollen die zwei Tonnen Salz aus dem Toten Meer, die den Boden der Grotte bedecken, vor Schneematsch und anderem Straßendreck schützen. Die Füße sinken in dem Belag leicht ein, so als ob man über einen Sandstrand watet oder durch hohen Schnee.

          Bitte einsteigen: ein Floating-Tank mit einer esättigten Salzwasserlösung wie im Toten Meer

          Lichttherapeutischer Wechsel der Stimmungen

          An den Decken und Wänden wurden 25 Tonnen Himalaja-Kristallsalz verarbeitet, teilweise in Zapfen, die von der Decke hängen. Das Licht ist gedämpft. Einzelne Salzkristallsteine werden von hinten angeleuchtet. Immer mal wieder wechseln die Farben, ein gewollter lichttherapeutischer Wechsel der Stimmungen. Die hohe Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent und das Salz schaffen laut Betreiber ein sogenanntes ionisiertes Klima. Es soll gut sein gegen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte und Akne und helfen bei Allergien, Migräne, Jodmangel, Depressionen, Stress und viele weitere Krankheiten.

          Interessant ist, dass man, anders als am Meer, das Salz nicht riecht. Schon eher bleibt dem Besucher der Geruch der parfümierten, gelben Decken in der Nase hängen, die man sich überlegt. Die relativ kühle Temperatur in der Grotte ist jedoch nicht unangenehm. Dennoch empfehlen sich dicke Socken in den Schuhen, da die Füße über das Ende der Liege hinausragen.

          Burgen bauen wie am Sandstrand

          Gestresste Menschen könnte es überraschen, wie entspannend bloßes Liegen und Atmen sein kann - vorausgesetzt man hält dieses Nichtstun aus. Ob man dazu eine Umgebung aus Salz braucht, ist eine andere Frage.

          Die Einzelkarte für die Salzgrotte kostet zehn Euro, im Fünferpack neun Euro. Kinder bezahlen sieben Euro für eine Sitzung, die jeweils 45 Minuten dauert, und 30 Euro für die Fünferkarte. Für sie sind in der Grotte auch Sandkastenspielzeuge bereitgestellt. Mit Salz können Kinder ebenso gut Burgen bauen wie am Sandstrand. Auch werden extra Kinderstunden angeboten, in denen die Kleinen etwas lauter sein dürfen. Es empfiehlt sich mindestens zehn Minuten vor dem eigentlichen Termin zu kommen, um Jacken abzulegen und sich den Ablauf erklären zu lassen.

          Variante 2: Schwerelos im Solebad

          Ein Großstadt-Mensch sucht Entspannung beim Floating, dem schwerelosen Treiben in einer Salzlösung. Das ist gar nicht so einfach. Wie lege ich meinen Kopf? Ist die Position gut für meinen Nacken? Bin ich jetzt eigentlich entspannt? Das sind die Gedanken, die einen beim ersten Besuch in der Floatbase an der Friedberger Anlage in Frankfurt umtreiben. Jeder Neu-Floater muss erst die Position finden, in der jede Muskelkontraktion unnötig wird. Ein Tipp: Die Füße verschränken und die Hände entweder auf den Bauch oder in den Nacken legen.

          Die Unsicherheit legt sich nach einer gewissen Zeit. Zwischendurch kommt sogar schon mal etwas Langeweile auf. Ein verkrampfter Büro-Kopf muss eben erst lernen, die eigene Denkmaschine auszuschalten - und das dauert. Zu empfehlen ist daher, für den ersten Besuch eine Sitzungsdauer von einer Stunde einzuplanen.

          Der Floater liegt in einer tragenden Sole, so dass kein einziger Muskel angespannt werden muss. Den Schwebenden umgibt Stille und Dunkelheit - darum geht es beim Floating. Kein Reiz von außen soll ihn erreichen. Er soll sich komplett vom Stress der Außenwelt lösen.

          Eine Art Trance-Zustand

          Dabei überrascht die niedrige Temperatur des Salzwasserbades von 34,7 Grad Celsius. Floating ist eben kein Vollbad. Die Entspannung wird nicht durch Wärme erreicht, denn eine hohe Wassertemperatur würde ein Müdigkeitsgefühl verursachen. Vielmehr versucht Floating eine Art Trance-Zustand zu erreichen.

          Die positiven Auswirkungen auf Patienten mit Depression, Burn out und Rückenschmerzen seien durch klinische Studien bestätigt worden, sagt der Betreiber. Die sensorische Deprivation, so der Fachausdruck für den Reiz-Entzug, habe ähnlich positive Auswirkungen auf das menschliche Befinden wie Meditation, autogenes Training und Tiefschlaf. Wie tief die Entspannung tatsächlich reicht, merkt man erst, wenn sich der Deckel des futuristisch anmutenden Wassertanks öffnet und man aussteigt. Die ersten Schritte sind zittrig wie bei einem neugeborenen Rehkitz. Beine und Arme werden wie von unsichtbaren Gewichten nach unten gezogen, ein angenehmes Schweregefühl, das mit einer allgemeinen Gelassenheit einhergeht. Erst später und ganz nebenbei fällt auf, dass die Rückenschmerzen, die einen vorher plagten, verflogen sind.

          Ganz billig ist diese Wiedergeburt allerdings nicht: eine halbe Stunde im Einzeltank kostet 35 Euro, eine Stunde 59 Euro. Im Doppeltank für zwei Personen bezahlt jede 49 Euro beziehungsweise 89 Euro. Vor einer Floating-Sitzung ist allerdings vor allem eines zu beachten: nicht rasieren, denn im Salzwasser wird jede noch so kleine Schramme jucken, von der man vorher noch nicht wusste.

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