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Chemie-Tarifrunde beginnt : We want your Sechs

Hochprozenter: Die IG BCE will auch in Hessen deutlich mehr Geld und einen Zuschlag zum Urlaubsgeld aushandeln - den Arbeitgebern ist das zu viel Bild: dpa

Die Chemiebranche ist für Rhein-Main besonders wichtig. Und seit Jahren liefert sich die Chemiegewerkschaft mit der IG Metall ein Fernduell um die besten Abschlüsse. Nun beginnt die Chemie-Tarifrunde in Hessen.

          Harmonie darf zu Beginn niemand erwarten. Denn alle Jahre wieder, manchmal auch nur alle zwei Jahre, legen Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter die immer gleichen Platten auf. Die einen fordern einen kernigen Tarifabschluss, die anderen rufen: „zu viel“. So ist es ebenfalls in der für Frankfurt und Rhein-Main so wichtigen chemischen Industrie. Kaum hat die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie sechs Prozent für zwölf Monate und einen kräftigen Aufschlag auf das Urlaubsgeld verlangt, hat Hessenchemie gekontert. Der Arbeitgeberverband rügt das Forderungspaket als „Überforderung“. Die Gewerkschaft solle greifbare Risiken ernst nehmen, fordert der Verband mit Sitz in Wiesbaden und meint, die aktuelle Wirtschaftslage der chemisch-pharmazeutischen Industrie sei „schlechter als gefühlt“.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun mag sich der Beobachter fragen: Woher wissen die Arbeitgeber, was die Gewerkschafter fühlen? Auf was viele der 105.000 Beschäftigten dieser Branche in Rhein-Main und Hessen zielen, dürfte indes klar sein: deutlich mehr Geld.

          IG Metall hat Hürde hoch gelegt

          Die Latte liegt durchaus hoch. Die IG Metall, mit der sich die Chemiegewerkschaft seit Jahren ein freundschaftliches Duell um die besten Abschlüsse liefert, hat für ihre Mitglieder 4,3 Prozent herausgeholt plus einen Anspruch auf verkürzte Vollzeit, zudem für 2019 einen Festbetrag von 400 Euro und noch ein neues dauerhaftes tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat dem Bund einen Dreisprung von gut sieben Prozent über drei Jahre verteilt abgerungen. Darunter wird es die Chemiegewerkschaft mit Landesbezirksleiter Volker Weber an der Spitze sicherlich nicht machen wollen.

          Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer von Hessenchemie, weiß das natürlich und gibt vor dem ersten Tarifgespräch vorsorglich zu bedenken: „Sechs Prozent mehr Entgelt plus ein Prozent durch eine Verdoppelung des Urlaubsgeldes, das ist mehr, als alle anderen Gewerkschaften in der Tarifrunde bislang gefordert haben.“ Und die Konjunktur flaue ab.

          Aktueller denn je

          Irgendwie erinnert das alles an die Tarifrunde 2012. Die Chemiegewerkschafter intonierten seinerzeit ihren ganz eigenen Tarifschlager: „We want your Sechs“ hieß der – in Anspielung an den George-Michael-Hit „I want your sex“. Ob sie den Song in einer neuen Version bringen, muss sich weisen. An diesem Freitag treffen die Tarifparteien, die gemeinhin pfleglich miteinander umgehen und innovativ sind, erstmals in Bad Homburg aufeinander. Vor sechs Jahren vereinbarten sie übrigens letztlich 4,5 Prozent bei einer Laufzeit von 19 Monaten sowie einen Einstieg in altersgerechte Arbeitszeiten. Und die sind mehr ein Thema denn je.

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